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Wer profitiert von Spotify & Co.?

Eine vom französischen Musikindustrieverband (SNEP) bei Ernst & Young in Auftrag gegebene und Anfang Februar publizierte Studie über die Verteilung der Einnahmen aus einem monatlichen Premium-Abo von  EUR 9,99 bestätigt die bereits in der Blogserie „Is Streaming the Next Big Thing?“ durchgeführte Analyse, dass neben den MusikkonsumentInnen vor allem die Major-Labels & Verlage die Hauptprofiteure vom derzeitigen Trend zum Musikstreaming sind, wohingegen die Streamingservices selbst wirtschaftlich noch nicht nachhaltig arbeiten und die KünstlerInnen nur wenig vom Streamingkuchen erhalten. Die bekannt gewordenen Details der nicht öffentlich zugänglichen Studie, können hier nachgelesen werden.

 

Wer profitiert von Spotify & Co.?

Anfang Februar 2015 wurden die Kernergebnisse der Ernst & Young-Studie zur Verteilung der Einnahmen aus einem monatlichen Premium-Abo von EUR 9,99 eines in Frankreich tätigen Musikstreamingservices wie Spotify oder Deezer veröffentlicht. Die Medien haben sich auf die paar wenigen Informationen dankbar gestürzt, ohne die gesamte Studie zu kennen. Das was bekannt gegeben wurde, spricht aber bereits Bände.

Wenn eine MusikliebhaberIn in Frankreich pro Monat EUR 9,99 an Spotify oder ähnlich Dienste bezahlt, dann verbleiben davon EUR 2,08 (20,8 Prozent) beim Streamingdienst selbst. EUR 1,67 (16,7 Prozent) gehen an den Fiskus vor allem in Form von Umsatzsteuer. Die verbleibenden EUR 6,24 (62,5 Prozent) werde an die Rechteinhaber ausgeschüttet. Den größten Teil – und zwar 73,1 Prozent oder EUR 4,56 – erhalten die Labels, die i.d.R. auch den Anteil der InterpretInnen von EUR 0,68 (6,8 Prozent) an diese ausbezahlen. Die verbleibenden EUR 1,00 (10,0 Prozent) erhalten die UrheberInnen und Verlage über die Verwertungsgesellschaften.

 

Abbildung 1: Die Verteilung eines monatlichen Premium-Abos von EUR 9,99 bei einem Musikstreamingdienst in Frankreich

Verteilung Einnahmen aus Spotify Premium-Abo 2014

Quelle: Eigene Darstellung nach Music Business Worldwide (http://www.musicbusinessworldwide.com/artists-get-7-of-streaming-cash-labels-take-46/)

 

Die Verteilungsrechnung zeigt, dass die Labels insbesondere die Majors mit ihren großen Backkatalogen die Profiteure des Musikstreaming-Business sind. Die InterpretInnen steigen, sofern sie nicht selbst die Masterrechte an ihren Aufnahmen kontrollieren, am schlechtesten aus. Aber auch die UrheberInnen (KomponistInnen und TextautorInnen) müssen sich mit bescheidenen Auszahlungen zufrieden geben, die sie i.d.R. auch noch mit ihren Verlagen teilen müssen.

 

Wenn wir nun von 15 Mio. zahlenden Spotify-AbonnentInnen ausgehen, wie Ende 2014 berichtet wurde (siehe dazu auch den Blogbeitrag von Mark Mulligan), dann können wir unter der Annahme, dass alle ein US $9,99-Abo beziehen, monatliche Einnahmen für die Labels von US $68,4 Mio. errechnen, wobei die drei Majors wohl zusammen zwischen 80-90% davon erhalten. Bei Spotify verbleiben US $31,2 Mio. pro Monat und der Fiskus nimmt rund US $25,1 Mio. ein. Die zahlreichen UrheberInnen müssen sich die US $15,0 Mio. pro Monat aufteilen und bei den wohl noch viel zahlreicheren InterpretInnen sind überhaupt nur mehr US $10,2 (Euro und US$ werden hier als äquivalent angesehen).

 

Abbildung 2: Der Verteilung der Einnahmen aus dem monatlichen Spotify Premium-Abo von US $9,99 bei der Annahme von 15 Mio. PremiumabonnentInnen

Verteilung Spotify Einnahmen gesamt

Quelle: Eigene Darstellung nach Music Business Worldwide (http://www.musicbusinessworldwide.com/artists-get-7-of-streaming-cash-labels-take-46/)

 

In der Jahresbetrachtung ergibt sich bei 15 Mio. Premiumkunden dann folgende Verteilung:

Labels                         US $821 Mio.

Streamingservice        US $374 Mio.

Fiskus                          US $301 Mio.

UrheberInnen             US $180 Mio.

InterpretInnen            US $122 Mio.

 

Natürlich ist diese Berechnung sehr grob und setzt voraus, dass alle Spotify-Abonnenten das Premium-Abo von 9,99 beziehen, was sicherlich nicht der Fall ist. Das bedeutet, dass diese Zahlen das obere Limit der Auszahlungen darstellen. Die Berechnungen zeigen auch dennoch ganz gut, in welchem Verhältnis und in welcher Dimension Labels, Streamingdienste und KünstlerInnen vom Musikstreaming profitieren.

 

In der Studie wurde auch noch errechnet, wie hoch der Nettogewinn pro Premium-Abo für die jeweiligen Akteure nach Abzug der Kosten ausfällt. Für die Streamingdienste und die Labels wird eine Gewinnmarge von 5 Prozent angesetzt, was sich in einem Nettogewinn für Spotify & Co. von EUR 0,10 und von EUR 0,26 für die Labels niederschlägt. Es ist allerdings fraglich, ob die Streamingdienste überhaupt eine Gewinnmarge von 5 Prozent erwirtschaften können. Es erklärt jedenfalls, warum es den Streamingdiensten nicht gelingt, Gewinne zu erwirtschaften. Hingegen erscheinen die EUR 0,26 Gewinnspanne für die Labels als zu niedrig angesetzt. Dieser Wert ist nur für aktuelle Veröffentlichungen plausibel, für die entsprechend hohe Produktions- und Marketingkosten anfallen. Da aber vor allem Katalogtitel gestreamt werden, die den Labels Grenzkosten von nahezu Null Euro verursachen, ist eine wesentlich höhere Gewinnmarge zu vermuten.

 

Zusammenfassend kann also konstatiert werden, dass die Labels und hier vor allem die Major-Labels vom expandierenden Musikstreamingmarkt profitieren, wohingegen die Musikschaffenden (InterpretInnen sowie UrheberInnen) kaum einen finanziellen Nutzen daraus ziehen können. Die Musikstreamingdienste ihrerseits kämpfen mit einer für sie ungünstigen Kostenstruktur, die es ihnen schwer macht, nachhaltig profitabel zu wirtschaften. Verbleiben noch die MusikkonsumentInnen, die aus einem unüberschaubaren Musikangebot auswählen können und das zu jeder Zeit und an jedem Ort, wo sie Zugang zum Netz haben. Sie sind daher die größten Profiteure des Musikstreamings und deshalb gibt es auch keinen Weg mehr zurück in die „gute alte Welt“ der CD-Verkäufe und der Musikdownloads.

 


10 Responses to “Wer profitiert von Spotify & Co.?”


  1. 1 Martin Krüger
    19. Mai 2015 um 6:41 am

    Abbildung 1 ist Murks: So, wie die Pfeile dargestellt sind, gibt Spotify von seinen verbleibenden Einnahmen in Höhe von € 2,08 dann € 5,24 an die Labels weiter plus € 1 an die Musikautoren plus € 1,67 ans Finanzamt. Das ist falsch und rechnerisch ja auch völlig unmöglich. Die Pfeile müssten sich stattdessen auf das Inkasso von € 9,99 beziehen.

  2. 2 Wolfgang
    28. Februar 2015 um 1:20 am

    Ich glaube, Du hast Dich um den Faktor 10 verrechnet. Bei 15 Mio. Kunden, die rund 10,- US$ monatlich zahlen, komme ich auf monatliche Einnahmen iHv. 150 Mio. $.

  3. 26. Februar 2015 um 4:34 pm

    Großartige Zusammenfassung, da entsteht ne Menge Klarheit!
    Vor allem, weil es wichtig ist, die Einkünfte prozentual aufzuteilen, denn die „pro Stream“-Erlöse, mit denen sonst in der Öffentlichkeit immer hantiert wird, machen ja keinen Sinn, allein schon, weil sie ständig wechseln je nach Menge der Streaming-Bezahler und der gestreamten Stücke, das ändert sich sozusagen täglich.
    Für wichtig halte ich auch den Hinweis, daß die Labels ja Grenzkosten von gegen null haben – erstens, wie Du völlig zurecht schreibst, weil sie hauptsächlich aus dem Katalog streamen, zweitens aber auch, weil die „elektronischen“ Kosten eben so oder so minimal sind, weil die Musik physisch ja sowieso hergestellt wurde (Studiokosten usw.), aber praktisch keine realen zusätzlichen Kosten durch E-Vertrieb mehr anfallen.
    Hinzu kommt natürlich die Perversion, daß die Major-Labels ja nennenswerte Beteiligungen an den führenden Streamingdiensten quasi „erpreßt“ haben – wenn der Buchwert der Streamingdienste also steigt, steigt der Beteiligungsgewinn der Majors an denselben – ein Gewinn, den sie natürlich mit niemandem teilen müssen, zuallerletzt mit den Künstlern…

    • 19. April 2015 um 10:44 pm

      Berthold: so ist es! Die Verkomplizierung der Verteilungsmechanismen verhindern, das normal intelligente Künstler in der Lage sind, dieses kriminelle und korrupte Verteilungssysthem zu durchschaun! Die sizilianische Maffia lässt grüssen!


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