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Is Streaming the Next Big Thing? – Was die KonsumentInnen wollen

Ob Musikstreaming „The Next Big Thing“ für die Musikindustrie sein wird, entscheiden letztendlich die KonsumentInnen. In den letzten Jahren wurden zahlreichen Studien zum Musikkonsumverhalten – meist von den Musikindustrieverbänden in Auftrag gegeben – durchgeführt, um das Potential von Musikstreaming abschätzen zu können. Für Musikstreaming-Services wie auch für UrheberInnen und Leistungsschutzberechtigte ist es essentiell zu wissen, ob Streaming-Services überhaupt bekannt sind, ob sie regelmäßig genutzt werden und ob die Bereitschaft besteht, von einem werbefinanzierten Freemium-Modell zu einem kostenpflichtigen Abo-Angebot zu wechseln. Die Ergebnisse dieser Studien liefern also wichtige Indikatoren nicht nur über das Musikkonsumverhalten, sondern generell für die zukünftige Entwicklung der Musikindustrie. Obwohl die Studien aufgrund unterschiedlicher methodischer Ansätze unterschiedliche und manchmal sogar widersprüchliche Ergebnisse liefern, bieten sie dennoch einen guten Einblick ins Musiknutzungsverhalten der KonsumentInnen im digitalen Zeitalter. In weiterer Folge möchte ich nun einige Studien besprechen, die in den letzten drei Jahren veröffentlicht wurden, und die sich zum Teil oder vollständig mit dem Musikstreaming beschäftigen.

Is Streaming the Next Big Thing? – Was die KonsumentInnen wollen

Im September 2010 hat das Marktforschungsinstitut Nielsen eine weltweite Studie zum Musikstreaming-Verhalten durchgeführt. Nielsen hat 26.644 Online-MusiknutzerInnen in insgesamt 53 Märkte auf allen Kontinenten zu ihrem Musikkonsumverhalten befragt. Die wichtigste Erkenntnis, die daraus gezogen werden konnte, war, dass der Musikkonsum ubiquitär ist, d.h. Musik wird heutzutage überall über alle möglichen Kanäle gehört. Nichtsdestotrotz gibt es aber unterschiedliche Konsumgewohnheiten. Am weitaus beliebtesten sind Musikvideos, die über YouTube und andere ähnlich gelagerte Plattformen im Netz am Computer bezogen werden. In Beliebtheit folgt dann der kostenlose Download von Musikfiles (50% der Befragten haben das in den letzten 3 Monaten Filesharing und Filehosting sowie andere freie Angebote genutzt). An dritte Stelle folgt dann dass reine Audio-Musikstreaming, das 25% der Befragten in den letzten 3 Monaten über Computer betrieben haben. Über mobile Geräte (z.B. Handys) haben mehr als 20% Musikvideos und Audiostreams empfangen. Der kostenpflichtige Download von Onlineshops wie iTunes oder Amazon ist hingegen am wenigsten beliebt, wie auch Abb. 1 hervorgeht.

Abbildung 1: Digitales Musikkonsumverhalten (September 2010)

Consumers - Fig 1.Quelle: Nielsen & MIDEM, 2011, The hyper-fragmented world of music: Marketing considerations and revenue maximation, S. 5.

Die jüngere Generation streamt wenig überraschend häufiger Musik als die älteren Jahrgänge. Um die 70% der unter 20 bis 24jährigen und der 25-29jährigen haben schon einmal YouTube und andere Musikvideoplattformen über ihren Computer abgerufen – ein Drittel sogar über mobile Geräte. Als Faustregel gilt, dass je älter die Befragten desto weniger aktiv sind im Musikstreaming. In der Altersgruppe der über 60jährigen haben lediglich 20% ein Musikvideo online und überhaupt nur 2% mobil konsumiert (Abb. 2).

Abbildung 2: Der Konsum von Musikvideos nach Altergruppen (September 2010)

Consumers - Fig 2.Quelle: Nielsen & MIDEM, 2011, The hyper-fragmented world of music: Marketing considerations and revenue maximation, S. 8.

Der Bekanntheitsgrad von Musikstreaming-Services ist bei älteren Menschen daher auch schwach ausgeprägt. Nicht einmal die Hälfte der über 60jährigen kennen einen Musikstreaming-Service und lediglich 5% haben Interesse daran. Im Gegensatz dazu kennen mehr 70% der Twens ein Musikstreaming-Service und 30% sind interessiert daran. Interessant ist, dass die Teenager sowohl was Bekanntheitsgrad als auch Interesse an Musikstreaming-Services hinten den Twens zurückliegen (Abb. 3).

Abbildung 3: Bekanntheitsgrad und Interesse an Musikstreaming-Services nach Geschlecht und Alter (September 2010)

Consumers - Fig 3.Quelle: Nielsen & MIDEM, 2011, The hyper-fragmented world of music: Marketing considerations and revenue maximation, S. 13.

Die Zahlen lassen auch einen Gender-Gap bezüglich Wissen und Interesse an Musikstreamin-Services erkennen. Frauen wissen nämlich signifikant weniger über Streaming-Services Bescheid und sind auch weniger an derartigen Angeboten interessiert wie Männer.

In einer anderen Studie – „Is Streaming Steaming Ahead?“ (Juli 2011) – vergleicht Nielsen das Musikstreamingverhalten in 5 großen Musikmärkten: Großbritannien, Spanien, Frankreich, Deutschland und die USA. Nielsen misst dabei die aktive Reichweite von Musikstreaming-Services in jedem dieser Länder. Die aktive Reichweite (active reach) ist jener Prozentsatz der InternetuserInnen, die Streaming-Services schon einmal genutzt haben. Am höchsten ist die Reichweite von Musikstreaming in Spanien mit 18%, gefolgt von Frankreich mit 14% und den USA mit 10%. Großbritannien und Deutschland liegen mit bescheidenen 5% der InternetnutzerInnen, die schon einmal Musik gestreamt haben, am Ende der Liste. Allerdings muss hierbei berücksichtigt werden, dass zumindest in Deutschland Spotify in der Untersuchungsperiode (April 2010 bis April 2011) noch nicht verfügbar war.

In allen Ländern sind die 18-24jährigen die Altergruppen mit der Höchsten Nutzungsreichweite für Musikstreaming-Services. In Spanien haben mehr als 30% schon einmal ein solches Angebot genutzt; in Großbritannien waren es 20% und in den USA 17%. In Frankreich und Deutschland, wo die Altergruppe der 18-34jähigen abgefragt wurden, waren es 18% bzw. 8%, die Streaming schon einmal probiert haben.

Musikstreaming ist also die Domäne der unter 30jährigen. Da das Musikkonsumverhalten der Jüngeren die Zukunft der Musikindustrie prägten wird, ist es sinnvoll, die Altergruppe in ihrem Nutzungsverhalten genauer zu untersuchen. Dennis Collopy und David Bahanovich von der University of Hertfordshire/UK haben eine Landzeitstudie für die Jahre 2008, 2009 und zuletzt 2012 durchgeführt, um das Musiknutzungsverhalten der unter 25jährigen in Großbritannien zu erheben. 2008, haben 35% der Befragten angegeben, Interesse an Musikstreaming-Services zu haben, wobei aktive FilesharerInnen (38%) signifikant mehr Interesse am Musikstreaming haben als Nicht-FilesharerInnen (30%). 35% habe 2008 zudem angegeben, dass sie auch bereit wären, für Musikstreaming-Angebote bezahlen zu wollen. Allerdings ist die Zahlungsbereitschaft ein Jahr später auf nur 7% der Befragten gesunken. 2012 haben dann 12% der Befragten angegeben, schon einmal für Musikstreaming-Services wie Spotify bezahlt zu haben.[1] Zusätzlich haben 89% im Jahr 2009 dem Statement „Streaming is never as good as actually having the tracks I want so I can share them the way I want to“, zugestimmt. Die Studienautoren ziehen daraus den Schluss, dass der Besitz von Musiktracks immer noch eine wichtige Rolle für die Jugendlichen spielt. 2012 waren trotz zahlreicher Musikstreaming-Angebote immer noch 79% der Befragten am Musikbesitz interessiert.

Die Autoren der Nielsen-MIDEM-Studie „The Hyper-Fragmented World of Music“ (2011: 19) kommen zur gleichen Schlussfolgerung: „Notably it would seem that consumers are not as willing to pay for services in which they do not obtain a product, or a semblance of permanence.“ Sie haben heraus gefunden, dass 22% der Befragten mit Sicherheit oder möglicher Weise für ein monatliches Streaming-Abo Geld ausgeben würden (S. 14). Es ist zudem interessant, dass out of those already using streaming services, the 2124 age group is the most likely (at around 22%) to pay for listening via streaming services“ (S. 15). Die 25-29jährigen weisen eine ähnlich hohe Zahlungsbereitschaft auf, aber je älter die Befragten desto weniger sind sie bereits für Musikstreaming zu bezahlen.

In der Studie „Digital Music Consumer – A Global Perspective“ des französischen Marktforschungsinstituts IPSOS Media CT wurden 7.502 InternetnutzerInnen im Alter von 16-64 Jahre in den USA, Brasilien, Mexiko, Großbritannien, Schweden, Frankreich, Deutschland, Südkorea und Japan unter anderem auch zu ihrem Musikstreaming-Verhalten im November 2012 befragt. Die Studie wurde von der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) beauftragt und wurde im Februar 2013 publiziert. Die Ergebnisse zeigen, dass in allen Ländern nicht mehr als 50% der Befragten im letzten halben Jahr ein Musikstreaming-Service genutzt haben. Der höchste Anteil von NutzerInnen ist mit 48% in Schweden festzustellen, gefolgt von Südkorea (41%) und Frankreich (36%). In den USA und in Großbritannien haben 19% Musik von Spotify & Co. gestreamt. In Deutschland waren es lediglich 12% und in Japan ist der Anteil der MusikstreamerInnen mit 4% am niedrigesten. Die Gegenüberstellung zum Anteil jener Personen, die in den letzten 6 Monaten für einen Musikdownload bezahlt haben (Abb. 4) zeigt ein inversers Verhältnis. Je mehr gestreamt wird deste weniger wird kostenpflichtig herunter geladen und vice versa.

Abbildung 4: Anteil der InternetnutzerInnen, die Musik gestreamt und kostenpflichtig herunter geladen haben

Consumers - Fig 4.Quelle: IPSOS Media CT, 2013, Digital Music Consumer – A Global Perspective, S. 5.

Ein Vergleich der Markenbekanntheit unterschiedlicher Streaming-Services in den 7 Ländern zeigt, dass YouTube mit Abstand am besten abschneidet. Die Download-Shops von Apple (iTunes) und Amazon liegen mit einer Brand-Awareness von rund 70% dahinter und erst dan folgt Spotify an 4. Stelle mit 56%. Die Musikvideo-Plattform Vevo und das französische Musikstreaming-Angebot Deezer sind mit 33% bzw. 31% vergleichsweise noch wenig bekannt. Auffallend ist aber, dass der Bekanntsheitsgrad von Spotify und Deezer in ihren Herkunftsländern wesentlich höher ist als in den anderen Ländern (Abb. 5).

Abbildung 5: Markenbekanntheit von digitalen Musikservices

Consumers - Fig 5.Quelle: IPSOS Media CT, 2013, Digital Music Consumer – A Global Perspective, S. 3.

In der IPSOS-Studie wurden auch die Motive für die Nutzung von Musikstreaming-Service abgefragt (S. 6). Die übereinstimmende Antwort der Befragten in allen Ländern war, dass sie Musikstreaming nutzen, weil es kostenlos ist. 39% gaben zu Protokoll, dass die Gratisnutzung das Hauptmotiv für die Verwendung eines Freemium- oder Abo-Angebots ist. Für 61% ist die Gratis-Nutzung von kostenlosem Internetradio und sogar für 70% ist die Nutzung von Musikvideo-Portalen wie YouTube der wesentliche Grund. Andere Gründe wie das Entdecken neuer Musik, der legale Musikonsum oder das Testhören von Musik, bevor sie gekauft wird, spielen eine wesentlich geringere Rolle (Abb. 6).

Abbildung 6: Die Hauptgründe für die Nutzung digitaler Musikservices

Consumers - Fig 6.Quelle: IPSOS Media CT, 2013, Digital Music Consumer – A Global Perspective, S. 6.

Das Musikstreaming-Verhalten in Großbritannien[2]

Da internationale Studien zum Musikstreaming-Verhalten noch recht spährlich vorliegen, macht es durchaus auch Sinn, nationale Studien dazu zu berücksichtigen. 2012 hat der Online-Musikshop eMusic gemeinsam mit der britischen Association of Independent Music (AIM) die Studie „Consumer Motivations: Moving from Physical to Digital“ veröffentlicht. Darin wurden 1.400 MusikkäuferInnen digitaler Angebote im Alter von 18-64 Jahren in Großbritannien von der Marktforschungsagentur nach ihrem Musikkonsumverhalten im Dezember 2011 befragt. Die Studie zeigt, dass 80% der Befragten in Großbritannien immer noch physischen Musikprodukte (vor allem CDs) kaufen. 70% zahlen für Musikdownloads und 46% streamen Musik gratis oder per Abo von einer Streamingplattform (S. 5). 87% der Befragten gaben zusätzlich an, dass sie weiterhin Musik in welcher Form auch immer besitzen wollen. Weitere „68% feel that streaming from a subscription service means that they don’t have control“ (S. 12). Die eMusic-AIM-Studie stellt auch fest, dass 70% der Befragten zwar Musik gratis streaming wollen, aber nicht bereit sind, dafür zu bezahlen. 64% nutzen Musikstreaming vor allem dafür, um neue Musik zu entdecken. Auch diese Studie belegt, dass der Wunsch nach dem Besitz von Musik trotz allgegenwärtiger Verfügbarkeit immer noch sehr stark ausgeprägt ist, und Streaming zum Finden neuer Musik genutzt wird. Natürlich unterstützen solche Ergebnisse auch die Interessen eines altgedienten Musikdownload-Shops wie es eMusic ist, aber die Ergebnisse können durch andere Studien, wie oben gezeigt, bestätigt werden.

Das Musikstreaming-Verhalten in Deutschland

Im Frühjahr 2013 hat PricewaterhouseCoopers (PwC) eine Studie zum Musikstreaming veröffentlicht.[3] Dabei wurden 1.200 deutsche InternetnutzerInnen zwischen 18-65 Jahren zu ihrem Musikstreaming-Verhalten befragt. 35% der Befragten wussten zum Zeitprunkt der Befragung noch nicht über Streaming-Dienste Bescheid. 14% gaben an, dass sie manchmal Musikstreaming-Service nutzen, wobei die legale Version von Napster die höchste Bekanntheit mit 70% genießt. Dennoch nutzen mehr Befragte LastFM (14%) und Spotify (12%) (PwC 2013: 7).

Gemäß PwC-Studie sind 31% der Befragten auch bereit, für einen Musikstreaming-Dienst zu bezahlen, wobei die Zahlungsbereitschaft bei den 31-45jährigen am stärksten ausgeprägt ist (S. 8). Immerhin 68,1% gab aber an, dass sie weder für Internetradio noch für Musikstreaming-Services Geld ausgeben wollen. 79,8% der Befragten haben zudem kein Problem mit Werbung in den Streamingangeboten, aber 27,8% würden schon für eine werbefreie Variante bezahlen wollen (S. 10). Die höchste Zahlungsbereitschaft findet sich unter den NutzerInnen von Sony Entertainment Network (54%), gefolgt von Simfy (49%) und Napster (47%). 41% der Spotify-NutzerInnen planen zudem eine Abonnement für ein Premium-Service in der nahen Zukunft abzuschließen (S. 9).

Aber auch die PwC-Studie bestätigt, dass Musikbesitz immer noch sehr wichtig ist. Mehr als 58% der Befragten wollen Musik in digitaler oder physischer Form ihr eigen nennen. Und es überrascht, dass der Anteil mit 80% unter den aktiven MusikstreamerInnen sogar noch höher als beim Rest der Befragten (S. 10).

Die derzeit aktuellsten Ergebnisse zum Musikstreaming in Deutschland liefert der Branchenverband der IT-, Telekommunikations- und Neue-Medien-Unternehmen (BITKOM) in seiner „Webmonitor Online-Musikquellen 2013“-Studie.

Die BITKOM hat das Marktforschungsinstitut Forsa beauftragt 1.003 computergestützte Telefoninterviews mit in Deutschland ansässigen InternetnutzerInnen, die älter als 13 Jahre sind, vom 11.-13. April 2013 zu führen. Eine große Mehrheit der Befragten – 70% – hat noch niemals etwas von Musikstreaming-Services wie Spotify, Deezer oder LastFM gehört. In der Gruppe der weiblichen Befragten liegt dieser Anteil sogar bei 79%. Den höchsten Bekanntheitsgrad haben Musikstreaming-Dienste in der Altersgruppe der 14-29jährigen, aber mit steigendem Alter sinkt auch der Wissensstand zum Musikstreaming. In der Altersgruppe 60+ kennen lediglich 13% ein Musikstreaming-Angebot (Abb. 7).

Abbildung 7: Bekanntheitsgrad von Musikstreaming-Diensten in Deutschland (April 2013)

Consumers - Fig 7.Quelle: BITKOM Webmonitor Online-Musikquellen 2013.

Diejenigen Personen, die angegeben haben, ein Musikstreaming-Service zu kennen, wurden weiter gefragt, ob sie ein solches schon einmal benutzt haben, was 38% (116 von 304) bejaht haben. Aber die große Mehrheit von 62% (189 Befragte) haben noch niemals einen solchen Dienst genutzt. Bezogen auf alle Befragte (n = 1.003) haben lediglich 12% Streaming-Services genutzt. Der Anteil männlicher Streamingservice-Nutzer ist mit 15% mehr als doppelt so hoch als der Anteil weiblicher Nutzerinnen. Die aktivste Nutzergruppe sind die 14-29jährigen, von denen schon 27% einmal einen Streaming-Dienst verwendet haben. Die 30-44jährigen sind weniger aktiv – 16% haben schon einmal Musik gestreamt und bei den 45-64jährigen waren es nur mehr 7%. In der Generation 60+ gibt es überhaupt nur mehr 2% aktive MusikstreamerInnen (Abb. 8).

Abbildung 8: Anteil aktiver MusikstreamerInnen in Deutschland (April 2013)

Consumers - Fig 8.Quelle: BITKOM Webmonitor Online-Musikquellen 2013.

In der Gruppe der aktiven MusikstreamerInnen (n = 114) haben aber nur 14% schon einmal für Musikstreaming Geld ausgegeben. Mehr Frauen (16%) als Männer (12%) haben schon einmal für einen Streaming-Dient bezahlt. Je älter die Befragten desto weniger zahlende NutzerInnen finden sich dabei – ausgenommen die Altersgruppe der 45-59-jährigen, in der es 25% zahlende MusikstreamerInnen gibt. Bezogen auf alle Befragte (n = 1.003) hat eine veschwindende Minderheit von nur 1,6% in der Vergangenheit schon einmal Geld für Musikstreaming-Angebote ausgegeben. Sogar in der Altergruppe der 14-29jährigen ist der Anteil der Streaming-Abonnenten mit 4,1% sehr niedrig (Abb. 8).

In der Gruppe der Nicht-StreamerInnen (n= 190) können sich 39% vorstellen, ein Musikstreaming-Service zu nutzen – das sind 7,4% der gesamten Befragten. Mehr Frauen (42%) als Männer (37%) haben Interesse am Musikstreaming. Bei den jungen Befragten kann sich die Hälfte vorstellen, Streamingservices zu nutzen, wohingegen bei den 45-59jährigen nur mehr 31% und bei den 60jährigen und älter lediglich 25% an Musikstreaming interessiert sind.

Die Zahlungsbereitschaft bei den Nicht-NutzerInnen von Streaming-Services (n = 98) ist relativ schwach ausgeprägt. Lediglich 25% können sich vorstellen für Musikstreaming zu bezahlen, wobei Männer (28%) eine höhere Zahlungsbereitschaft aufweisen als Frauen (17%). Die älteren Befragten tendieren eher dazu, Geld für Musikstreaming auszugeben. 42% der 45-59jährigen und 26% der 30-44jährigen können sich vorstellen für Streaming zu bezahlen, wohingegen nur 21% der 14-29jährigen eine Zahlungsbereitschaft aufweist.

Die BITKOM-Studie belegt, dass das Wissen über Musikstreaming in Deutschland immer noch sehr schwach ausgeprägt ist. Demzufolge ist auch die Anzahl der aktiven NutzerInnen von Musikstreaming-Diensten begrenzt und die Zahl jener Personen, die schon Abos für in Deutschland aktive Plattformen abschlossen haben, ist verschwindend gering. Demnach müsste es also in Deutschland noch ein Marktpotenzial für Musikstreaming geben, wenn es gelingt, den Bekanntheitsgrad zu steigern und die GratisnutzerInnen in Abonnenten umzuwandeln. Andererseits ist die Zahl der NichtnutzerInnen, die ein Interesse und eine Zahlungsbereitschaft für Streaming-Service haben, gering. Zusammenfassend kann zwar ein Wachstumspotenzial für Musikstreaming-Dienste in Deutschland konstatiert werden, welches aber nicht überbewertet werden sollte.

Die Ergebnisse der BITKOM-Studie lassen also weniger Optimismus zu als die vorher besprochene PwC-Studie und manche Ergebnisse scheinen sich sogar zu widersprechen. So wird in der PwC-Studie der Bekanntheitsgrad von Musikstreaming-Services in Deutschland mit 65% angegeben, wohingegen die BITKOM nur 30% ausweist. Während laut PwC-Studie 34% der Befragten bereit sind, Geld fürs Musikstreamen auszugeben, sind es gemäß BITKOM-Studie nur 25%. Allerdings ist es heikel, die Ergebnisse, der beiden Studien gegenüberzustellen. Die Fragestellungen waren andere und die abgefragten Zielgruppen ebenfalls. Die PwC-Studie richtete sich an in einer Internetbefragung an die Altergruppe der 18-64jährigen, wohingegen die BITKOM-Studie alle InternetnutzerInnen ab 14 Jahre telefonisch befragt hat. Der unterschiedliche methodische Ansatz der beiden Studie trägt daher sicherlich zu den differierenden und widersprüchlichen Ergebnissen bei.

Zusammenfassung

Abbildung 9: Die Studie zum Musikstreamingverhalten im Überblick

 

Musikkonsumstudien
Trotz der sehr unterschiedlichen und teils widersprüchlichen Ergebnisse der betrachteten Studien, können dennoch folgende Schlüsse gezogen werden:

  • Die große Mehrheit (mehr als 80%) der MusiknutzerInnen, sogar der jüngeren Generation, ziehen den digitalen oder physischen Besitz von Musik gegenüber dem alleinigen Zugang zu Musik durch Streamingportale vor.
  • Der Bekanntheitsgrad den Musikvideo-Streamingportals YouTube ist signifikant höher als reine Audio-Musikstreaming-Dienste wie Spotify oder Deezer. Unter den jüngeren NutzerInnen ist die Bekanntheit von Streaming-Services höher als in der älteren Generation.
  • Der Anteil aktiver NutzerInnen von Streaming-Services ist immer noch sehr begrenzt. Dieser Anteil variiert von 48% in Schweden bis zu 12% in Deutschland und nur 4% in Japan.
  • Die Zahlungsbereitschaft für Musikstreaming ist schwach ausgeprägt -22 bis 31% der Befragten je nach Studie. Die große Mehrheit an NutzerInnen und Nicht-NutzerInnen ziehen die werbefinanzierte Gratis-Version den Bezahlmodellen vor.
  • Die Anzahl der Abonnenten von Musikstreaming-Services ist bezogen auf die Gesamtbevölkerung noch sehr gering. Laut BITKOM-Studie zahlen lediglich 1,6% der InternetuserInnen in Deutschland für Spotify & Co. Musikstreaming wird darüber hinaus vor allem für das Entdecken neuer Musik genutzt.

Die Ergebnisse lassen also nicht den Schluss zu, dass Musikstreaming „The Next Big Thing“ in der Musikindustrie ist. Sicherlich wird das noch nicht ausgeschöpfte Marktpotential – vor allem in Deutschland – noch weiter dafür sorgen, dass der digitale Musikmarkt in absehbarer Zeit weiterwachsen wird, die Industrie muss sich aber auf fallende Wachstumsraten einstellen. Die Einnahmen aus dem Musikstreaming werden aber in keinem Fall die Verluste der letzten 10 bis 13 Jahre im physischen Musikgeschäft kompensieren können. Wenn die Erkenntnis richtig ist, dass MusikkonsumentInnen immer noch den Musikbesitz höher schätzen als den jederzeitigen Zugang zu Musik, dann befinden sich die Musikstreaming-Dienste in einem Dilemma. Trotz steigender NutzerInnen-Zahlen, bleibt nämlich die Zahlungsbereitschaft gering. Da ihr Geschäftsmodell aber vor allem auf den Premium-Abonnements und nicht so sehr auf den werbefinanzierten Freemium-Angeboten beruht, müssen sie möglichst viele Gratis-NutzerInnen zu Abonnementen bekehren – ein nicht gerade einfache und vielleicht sogar unlösbare Aufgabe, wenn man den Studienergebnissen folgt. Es sieht derzeit also so aus, dass Musikstreaming das Radio des 21. Jahrhunderts sein wird und damit anderen Bedürfnissen dient als der Musikdownload oder der Kauf physischer Produkte.

Quellen

BITKOM & Forsa, 2013, Webmonitor Online Musikquellen.

BPI, 2013, Digital Music Nation.

Collopy, Dennis und David Bahanovich, 2008, Music Experience and Behaviour in Young People. University of Hertfordshire.

Collopy, Dennis und David Bahanovich, 2009, Music Experience and Behaviour in Young People. University of Hertfordshire.

Collopy, Dennis und David Bahanovich, 2012, Music Experience and Behaviour in Young People, University of Hertfortshire.

eMusic, AIM & Insight Strategy Group, 2012, Consumer Motivations: Moving from Physical to Digital.

IPSOS Media CT & IFPI, 2013, Digital Music Consumer – A Global Perspective.

Nielsen & MIDEM, 2011, The hyper-fragmented world of music: Marketing considerations and revenue maximation.

Nielsen & MIDEM, 2011, Is Streaming Steaming Ahead?

PricewaterhouseCoopers, 2013, Media Trend Outlook. Musikstreaming: Das verheißungsvolle Potenzial der Musik on demand.


[1] Es ist dabei zu beachten, dass Zahlungsbereitschaft (erfragt 2008 und 2009) nicht mit tatsächlicher Bezahlung (erfragt 2012) gleich gesetzt werden darf.

[2] Im Digital Music Nation-Report der British Recorded Music Industry (BPI: 2013) warden zwei weitere Studien, die sich mit Musikstreaming beschäftigen – the „Kantar Worldpanel Digital Music Survey“ (2012) und der „YouGov SixthSense Music 2012“ Report – angeführt. Da aber beide Studien nicht zugänglich sind, beziehe ich mich nicht direkt auf sie.

[3] PricewaterhouseCoopers, 2013, „Media Trend Outlook. Musikstreaming: Das verheißungsvolle Potenzial der Musik on demand„.Anmerkung: Ursprünglich habe ich irrtümlich geschrieben, dass diese Studie vom BVMI beauftragt wurde. Dies entspricht nicht den Tatsachen. Die Studie wurde nicht vom BMVI in Auftrag gegeben.


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