Author Archive for Peter Tschmuck

18
Mai
20

Coronakrise und die Musikwirtschaft – Teil 4: Die Hilfsprogramme des Bundes und der Länder in Österreich

Der Unmut in der österreichischen Kunst- und Kulturszene über die Maßnahmen der Bundesregierung zur Krisenbewältigung im Kulturbereich wächst täglich, wie aktuelle Medienberichte und Petitionen an die Politik belegen. Der Druck wurde so groß, dass am 15. Mai 2020 die zuständige Kulturstaatssekretärin von den Grünen ihren Rücktritt bekannt gegeben hat. Als ausgewiesene Außenpolitik- und Europaexpertin hatte sie wegen der über Österreich hereinbrechenden Corona-Pandemie nicht die Möglichkeit, sich in den neuen Fachbereich einzuarbeiten und ist wohl an den Besonderheiten des Kunst- und Kulturbetriebs gescheitert. Dieser besteht aus einem Netzwerk unterschiedlichster AkteurInnen, deren Bedürfnislage sehr verschieden ist, was an der Musikwirtschaft verdeutlicht werden kann.

Da gibt es die großen im Eigentum des Bundes oder der Länder stehenden Kulturtanker wie z.B. die Wiener Staatsoper, Wiener Volksoper, die Vereinigten Bühnen Wien oder die Grazer Oper[1], die für die Erfüllung ihres öffentlichen Kulturauftrags Basisabgeltungen in mehrfacher Millionenhöhe erhalten und am Ende des Tages von der öffentlichen Hand vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch gerettet werden, wenn dies nötig sein sollte. Da gibt es aber auch zahlreiche Musikbetriebe wie kleine Festivals, Orchester und Musikclubs, die alljährlich von Förderzusagen der öffentlichen Hand abhängig sind, um ihre Tätigkeit aufrechterhalten zu können. Neben diesen Non-Profit-Organisationen und Kulturvereinen, die ganz wichtige lokale und regionale Kulturnahversorger sind, gibt es marktwirtschaftlich organisierte Unternehmen, die die ganze Palette von der EPU (Ein-Personen-Unternehmen) bis hin zur Tochtergesellschaft der großen internationalen Konzerne wie Universal Music oder Live Nation abdecken. Davon wirtschaftlich abhängig sind die zahlreichen Musikschaffenden des Landes, von denen viele, wie im Teil 2 der Serie zur Coronakrise und ihrer Auswirkung auf die Musikwirtschaft dargestellt, meist im wirtschaftlichen Prekariat mit Portfolio-Lebensläufen und atypischen Beschäftigungsverhältnissen ohne soziale Absicherung irgendwie über die Runden kommen müssen. Es gibt aber auch jene Gruppe von Musikschaffenden, die über fixe Orchesterstellen und Engagements verfügen sowie andere Verdienstquellen wie z.B. in der Musikausbildung haben. Diese kleine Aufzählung soll nicht dazu dienen, einzelne Gruppen von Musikschaffenden und Musikbetrieben gegeneinander auszuspielen, sondern die Heterogenität der Musikwirtschaft verdeutlichen. Dazu kommen noch unterstützende Dienstleister wie Ticketingunternehmen, Musikvertriebe, Ton- und Videotechnikanbieter, Speziallogistiker, Bühnenbauer etc., die ähnlich wie andere erwerbswirtschaftliche Betriebe arbeiten, aber von Aufträgen aus dem Kunst- und Kulturbereich abhängig sind. Auch diese sind derzeit vom Corona-Shutdown massiv wirtschaftlich betroffen.

Allein diese kurze Übersicht über die Musikwirtschaft macht klar, dass es die EINE Unterstützungsmaßnahme nicht geben kann, sondern es bedarf maßgeschneideter Hilfen, um möglichst niemand im Kunst- und Kultursektor zurückzulassen, wie die österreichische Bundesregierung immer wieder betont.

In weiterer Folge werden die Unterstützungsmaßnahmen des Bundes und der Bundesländer in Österreich für den Kunst- Kultursektor analysiert und mit jenen Kunst- und Kulturhilfsprogrammen verglichen, die in Deutschland auf Bundes- und Landesebene in der Coronakrise aufgelegt und im Teil 3 dieser Serie bereits besprochen wurden.

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13
Mai
20

Coronakrise und die Musikwirtschaft – Teil 3: Corona-Soforthilfe in Deutschland

In Deutschland steht der Live-Musikbetrieb seit dem Shutdown im März still. Während die deutsche Bundesliga Mitte Mai ihren Spielbetrieb – wenn auch ohne Publikum – wieder aufnimmt, ist es derzeit immer noch nicht absehbar, wenn wieder Konzerte und Live-Musikevents in Deutschland stattfinden können. Die deutschen Musikindustrieverbände habe zu Beginn der Krise den Einnahmenausfall bei einem sechsmonatigen Stillstand allein für die Musikveranstaltungswirtschaft auf EUR 4,54 Mrd. geschätzt. Rasches und unbürokratisches Handeln der Kulturpolitik in Deutschland war geboten. Zuerst legten einzelne Bundesländer Soforthilfeprogramme für EPUs und Kleinunternehmen, die dann durch die Corona-Soforthilfe für Corona-Soforthilfe des Bundes für Solo-Selbständige und kleine Unternehmen ersetzt bzw. ergänzt wurde.

In diesem Blogbeitrag werden die Unterstützungsmaßnahmen des Bundes und der deutschen Bundesländer für KünstlerInnen und Kulturschaffende dargestellt und dahingehend evaluiert, wie treffsicher die Programme für die Kulturszene im Allgemeinen und für den Musikbetrieb im Besonderen sind.

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29
Apr
20

International Journal of Music Business Research – April 2020, vol. 9, no. 1

Die Aprilausgabe 2020 des International Journal of Music Business Research (IJMBR) versammelt erstmals vier Artikel zu sehr unterschiedlichen Themen der Musikwirtschaftsforschung. Den Auftakt macht „Music marketing in the digital music industries – An autoethnographic exploration of opportunities and challenges for independent musicians“ von Shane Murphy von der Torrens University in Sydney/Australien. Mithilfe einer autoethografischen Untersuchungsmethode bietet der Autor Einblicke in die Mikroperspektive eines Indie-Musikers in die großen strukturellen Transformationen des Musikbusiness im post-digitalen Zeitalter.

Tim Metcalfe & Nicolas Ruth (Goldsmiths College in London/UK) haben den zweiten Artikel „Beamer, Benz, or Bentley: Mentions of products in hip hop and R&B music“ beigetragen. Gemäß dieses Artikels gehören Automarken, Modelabels und Alkoholika zu den meist erwähnten Produkten in Hip Hop und R&B Songtexten.

Der dritte Artikel von Dexter Purnell (MacMurray College, Jacksonville/US) „Closing the Gap: Understanding the Perceptual Differences Between Generations Regarding Music Streaming Technology“ fokussiert auf den Einfluss der Musikstreaming-Technologie auf den Musikkonsum und zeigt dabei auf, dass es einen Generationen-Gap in der Nutzung gibt, obwohl sich Musikstreaming als die Standardform des Musikkonsums fächendeckend durchgesetzt hat.

Der vierte Artikel „Where the magic people gathered The Role of Private Members Clubs in the Contemporary Music Economy“ von Sam Edrisi (King’s College London und University of Westminster, London/UK) wurde im Young Scholars‘ Workshop 2019 der 10. Vienna Music Business Research Days mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Das Paper untersucht die steigende Popularität eines neuen Typus von Privatclubs, die auf eine Community abzielt, die sich durch Cultural Entrepreneurship, Unabhängigkeit und Kreativität auszeichnet.

Abgerundet wird diese Ausgabe mit der Rezension von Daniel Nordgård über „Rockonomics: A Backstage Tour of What the Music Industry Can Teach Us about Economics and Life“ von Alan B. Krueger, der im März 2019 viel zu früh von uns gegangen ist.  „Rockonomics“ war das letzte Buch des Princeton-Professors, der als einer der führenden ÖkonomInnen sich nicht nur intensiv mit Bildungs-, Arbeitsmarkt und Wohlfahrtsökonomie beschäftigt hat, sondern auch wesentliche Beiträge zur Musikwirtschaftsforschung geleistet hat.

 

Volume 9, no 1, April 2020

Editorial by Dennis Collopy & Guy Morrow, S. 4-6

Shane Murphy: Music marketing in the digital music industries – An autoethnographic exploration of opportunities and challenges for independent musicians, S. 7-40

Tim Metcalfe & Nicolas Ruth: Beamer, Benz, or Bentley: Mentions of products in hip hop and R&B music, S. 41-62

Dexter L. Purnell: Closing the Gap: Understanding the perceptual differences between generations regarding music streaming technology, S. 63-80

Sam Edrisi: WHERE THE MAGIC PEOPLE GATHERED. The role of Private Members Clubs in the contemporary music economy, S. 81-117

Book review by Daniel Nordgård: Rockonomics: A backstage tour of what the music industry can teach us about economics and life by Alan B. Krueger, S. 118-120

 

 

10
Apr
20

Coronakrise und die Musikwirtschaft – Teil 2

Die Coronakrise und das damit verbundene Veranstaltungsverbot treffen vor allem die Musikschaffenden besonders hart. Bereits vor der Krise war die wirtschaftliche und soziale Lage für den Großteil der KünstlerInnen in jeder Hinsicht prekär. Nun fallen die meist ohnehin bescheidenen Einnahmen aus der künstlerischen Tätigkeit fast vollständig weg und es gibt auch kaum Möglichkeiten in der Zeit des allgemeinen Lockdowns alternative Einnahmequellen anzuzapfen. Für viele Musikschaffende wird die Coronakrise zur Existenzbedrohung, weil die Einkünfte gegen Null gehen, aber die Lebenshaltungskosten sowie Miet- und Kreditzahlungen weiterlaufen. Die Bewältigung des Alltags wird mit dem Andauern der Ausnahmesituation zum Überlebenskampf.

Im zweiten Teil der Blogserie zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Musikwirtschaft wird die wirtschaftliche Lage der Musikschaffenden anhand bereits vorliegender Studien für Deutschland und Österreich dargestellt und die wirtschaftliche Auswirkung der Coronakrise abgeschätzt.

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27
Mrz
20

Coronakrise und die Musikwirtschaft – Teil 1

In einem offenen Brief vom 18. März 2020 an die US-Kongressabgeordneten fasst die Music Artists Coalition die dramatische Situation für die Musikwirtschaft in einem Satz treffend zusammen: „The music industry is facing an existential threat that is unprecedented – the touring business as we know it has disappeared without warning and without a safety net for hundreds of thousands of people.“ Buchstäblich von heute auf morgen ist das gesamte internationale Musikveranstaltungsbusiness zusammengebrochen. Damit fällt nicht nur die wichtigste Einkommensquelle für die meisten Musikschaffenden weg, sondern die Krise erfasst das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk der Musikwirtschaft, die im Streamingzeitalter vernetzter denn je geworden ist. In diesem Blogbeitrag wird eine wirtschaftliche Folgenabschätzung für den Musikveranstaltungssektor in Deutschland durchgeführt, um exemplarisch die Auswirkungen der Coronakrise und den dringenden Handlungsbedarf für die öffentliche Hand sichtbar zu machen.

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31
Dez
19

Die Musikwirtschaftsforschung 2019 – ein Jahresrückblick

Liebe Alle,

Im März 2019 ist der Blog zur Musikwirtschaftsforschung 10 Jahre alt geworden, was auch gebührend gefeiert wurde. In diesen vielen Jahren habe ich sehr viele musikwirtschaftliche Themen – von Audiologos bis Woodstock – analysiert, wobei ich der Musikstreamingökonomie besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt habe, wie auch aus dem neu angelegten Verzeichnis der Blogbeiträge hervorgeht.

Musikstreaming war auch 2019 weiter auf dem Vormarsch, wie eine internationale Analyse der phonografischen Märkte belegt. Bei genauerer Analyse zeigen die Daten – speziell im Fall der skandinavischen Länder (Teil 1, Teil 2, Teil 3) -, dass manche Märkte sich im Übergang zur Phase der Marktsättigung befinden. Für 2020 ist also eine Marktkonsolidierung zu erwarten, der vor allem unabhängige Streamingdienste zum Opfer fallen werden. Auch wenn Spotify “to big to fail” erscheint, wird das schwedische Unternehmen doch starke wirtschaftliche Partner benötigen, um sich am Markt behaupten zu können.

Ein solchen hat die Universal Music Group (UMG) am letzten Tag des Jahres bekommen, nachdemverlautbart wurde, dass ein Konsortium, geführt vom chinesischen Tencent-Konzern 10 Prozent an der UMG von der französischen Konzernmutter Vivendi erwerben wird. Wenn demnach der weltweit größte Konzern der phonografischen Industrie zumindest zum Teil von einem chinesischen Unternehmen kontrolliert wird, hat das auch eine Aufwertung des chinesischen Musikmarkts zur Folge. Im Blog wird diese Entwicklung 2020 weiter beobachtet und analysiert werden.

Die boomenden asiatischen Musikmärkte werden auch im Fokus der 11. Vienna Music Business Research Days zu “Emerging Music Markets” stehen, die vom 21.-23. September 2020 an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien stattfinden werden. Dazu werden Keynote-Speaker aus China, Indien und Südkorea erwartet, die die Funktionsweise der jeweiligen Märkte analysieren werden. Es wird aber mit zahlreichen Kurzpräsentationen auch ein Blick auf verschiedene osteuropäische Märkte geworfen, die ebenfalls starkes Wachstumspotenzial aufweisen. Die Call-for-Papers für den Young Scholars’ Workshop am 21. Sep. und den Conference Track Day am 22. Sep. sind bereits verfügbar und es können bereits Abstracts eingereicht werden.

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10
Dez
19

Call-for-Papers: 11. Vienna Music Business Research Days, 21.-23. September 2020

Vom 21.-23. September 2020 finden nun bereits zum elften Mal die Vienna Music Business Research Days an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien zum Thema „Emerging Music Markets“ statt.

Neben diesem Hauptthema, das vor allem am letzten Konferenztag am 23.09.2020 behandelt wird, sind MusikwirtschaftsforscherInnen dazu aufgefordert, Paper Proposals zu verschiedensten Themen der Musikwirtschaftsforschung bis 30. April 2019 einzureichen.

 

Der Young Scholars‘ Workshop wendet sich dabei vor allem an Master- und PhD-Studierende, die ihre laufenden Forschungsarbeiten vorstellen und unter Anleitung von erfahrenen MentorInnen zur Diskussion stellen möchten:  PDF-Version des Calls-for-Papers

Paper Proposals bitte bis 30.04.2020 an: youngscholars@imbra.eu

 

Für WissenschafterInnen unterschiedlichster Disziplinen in der Post-doc-Phase besteht die Möglichkeit am 22.09.2020 im Rahmen des Conference Track Days ihre Forschungsergebnisse zu präsensieren: PDF-Version des Calls-for-Papers

Paper Proposals bitte bis 30.04.2020 an: vmbrd@mdw.ac.at

 

Weitere wichtige Termine:

1. Juni 2020:                Notification of Acceptance

31. Juli 2020:               Frist für das Senden des Full Papers

21. September 2020:   Young Scholars‘ Workshop

22. September 2020:   Conference Track Day

23. September 2020:   Einladungskonferenztag zu “Emerging Music Markets”

 

Konferenzgebühr für Conference Track-TeilnehmerInnen:

Early bird (bis 31.07.2020): EUR 175.-

Reguläre Gebühr: EUR 225.-

Einzahlungsfrist bis 6. September 2020

Die Teilnahme an allen 3 Konferentagen ist für TeilnehmerInnen im Young Scholars‘ Workshop ist kostenlos.

 

 

15
Nov
19

Lecture Show am 15.11.: „Vom Imperiengeschäft“ von Berthold Seliger

Berthold Seliger is in town (in Wien) und präsentiert sein nunmehr dritten Buch „Vom Imperiengeschäft. Wie Grosskonzerne die kulturelle Vielfalt zerstören. Konzerte – Festivals – Clubs & Soziokulturelle Zentren – Soziales“. Wie schon in seinen früheren Büchern – „Das Geschäft mit der Musik“ (2013) und „Klassikkampf“ (2017) – betätigt sich Seliger als Auklärer, um die Missstände im internationalen Konzert- und Festivalbusiness genauso schonungslos aufzuzeigen, wie die schwierige finanzielle Situation von kleinen Veranstaltern die Clubs und soziokulturellen Zentren und die sich daraus ergebenden prekarisierten Arbeitsbedingungen für die MusikerInnen.

Am 15. November 2019 ist Berthold Seliger im Rahmen des KlezMORE-Festivals zu Gast im Wiener Spitzer/Odeon (Taborstraße 10, 1020 Wien), wo er ab 20:00 aus seinem neuen Buch lesen bzw. performen wird. In Österreich für ihn seine Lesereise noch am 19.11. nach Kufstein (Fachhochschule) und am 20.11. nach Linz (Stadtwerkstatt). Alle weiteren Termine in Deutschland und in der Schweiz sowie vertiefende Informationen zum Buch finden sich hier: https://www.bseliger.de/kuenstler/berthold-seliger-vom-imperiengeschaeft

 

30
Okt
19

International Journal of Music Business Research – Oktober 2019, Vol. 8, No. 2

In der Oktober-Ausgabe sind dieses Mal drei Artikel versammelt, die die gesamte Breite der Musikwirtschaftsforschung aufzeigen. Im ersten Beitrag „Achievement in the South Korean Music Industry“ von Björn Boman von der Universität Stockholm wird das Produktionssystem von K-Pop und dahinter liegenden Industriestrukturen genauer analysiert.

Im zweiten Artikel „Giving In: Crowdfunding for musical concerts in India“ zeigen die Autoren Anirudh Tagat, Hansika Kapoor & Anurag Tagat auf, welche Rolle Crowdfunding für die Organisation von Musikfestivals in Indien spielen.

Im dritten und letzten Beitrag der Oktober-Ausgabe untersucht Tamara Golicnik von Universität Ljubliana die Anwendbarkeit des Controlling-Instruments der Balanced Scorecard für freischaffende PianistInnen.

Diese Journal-Ausgabe wird durch die Buchbesprechung von Martin Ivan Mikulik zu „Spotify Teardown: Inside the Black Box of Streaming Music“ (Maria Eriksson, Rasmus Fleischer, Anna Johansson, Pelle Snickars & Patrick Vonderau) abgerundet.

 

Volume 8, no 2, Oktober 2019

Editorial by Guy Morrow, pp. 4-5

Björn Boman: Achievement in the South Korean Music Industry, S. 6-26

Anirudh Tagat, Hansika Kapoor & Anurag Tagat: Giving In: Crowdfunding for musical concerts in India, S. 27-52

Tamara Goličnik: Balanced Scorecard as a pianist’s tool for the implementation and control of business strategies, S. 53-79

Book review by Martin Ivan Mikulik: Spotify Teardown: Inside the Black Box of Streaming Music by Maria Eriksson, Rasmus Fleischer, Anna Johansson, Pelle Snickars & Patrick Vonderau, S. 80-82

 

25
Sep
19

Die 10. Vienna Music Business Research Days im Rückblick

Vom 11.-13. September 2019 blickten die 10. Vienna Music Business Research Days in ihrem Jubiläumsjahr mit dem Thema „Future of the Music Business“ in die Kristallkugel. MusikwirtschaftsforscherInnen und Musikindustrie-RepräsentantInnen aus aller Welt wagten den  Blick in die Zukunft des Musikbusiness und diskutierten an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien die neuen Herausforderungen, die die Musikurheberrechtsgesetzgebung zu bewältigen hat und was nach dem Musikstreaming der nächste Trend sein wird.

Den Auftakt am 11. September machte traditionell der Young Scholars Workshop, in dem Master- und PhD-Studierende, die Möglichkeit haben, ihre Forschungsprojekte im Kreis renommierter MusikwirtschaftsforscherInnen vorzustellen und zu diskutieren. Gleich zwei wissenschaftliche Paper wurden von einer internationale Jury mit dem ersten Preis ausgezeichnet: „THE NEW MAGIC PEOPLE: An Ethnographic Study of East London’s Cultural Workers at Shoreditch House“ von Sam Edrisi von der Westminster University in London und „Creativity, Constraints, and Copyright – Hired Music Guns and the Case of Soundalikes“ von Konstantin Hondros von der Universität Duisburg-Essen. Beide Paper werden im International Journal of Music Business Research (IJMBR) publiziert werden.

Am folgenden Konferenztag präsentierten WissenschafterInnen aus Australien, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Rumänien, Spanien, Südafrika, den USA und dem Vereinigten Königreich ihre aktuellen Forschungsergebnisse der interessierten Öffentlichkeit. Thematisiert wurden Genderaspekte im Klassikmusikbetrieb, das Live-Musikbusiness in den Niederlanden, Selbstmanagement und Entrepreneurship von MusikerInnen, die Nachfrage nach Musik im Zeitalter des Musikstreamings, Musik-Branding, Musikarbeitsmärkte und Fragen der Musikausbildung, was die inhaltliche und methodische Vielfalt der Musikwirtschaftsforschung widerspiegelt (siehe Programm).

Der dritte Konferenztag am 13. September stand ganz im Zeichen des Hauptthemas „Future of the Music Business“. Die einleitende Keynote „The Music Business & Technology – How Their Past and Present will Dictate Their Future“ hielt Cliff Fluet von der Londoner Rechtsanwaltskanzlei Lewis Silkin LLP. In weiterer Folge diskutierte er unter der Leitung von Sally Gross (University of Westminster, London) mit Ros Lynch (Intellectual Property Office, London), und dem Blockchain-Start-up-Unternehmer Steve Stewart (vezt, Los Angeles) wie sich das Urheberrecht angesichts neuer technologischer Entwicklungen wie die Blockchain und künstliche Intelligenz weiterentwickeln muss.

Den Vormittag beschloss die Keynote des früheren operativen Geschäftsführers der Sony/BMG, Michael Smellie, der selbstkritisch die sieben Todsünden der Musikindustrie im Zuge der Digitalisierung des Musikbusiness aufarbeitete.

Nach der Mittagspause diskutierte Paul O’Hagan von der University of Ulster mit dem Musikmanager Peter Jenner das Konzept von Label-Serviceverträgen, dessen Erfinder Peter Jenner ist als er für Billy Bragg mit dem Indie-Label Cooking Vinyl einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hat. Mittlerweile nutzen immer mehr Stars wie z.B. Taylor Swift dieses neuartige Vertragskonstrukt, das ihnen wesentlich mehr Rechte gegenüber dem Label einräumt, und somit ein Zukunftsmodell für das digitale Musikbusiness darstellen könnte. Peter Jenner stand auch im Mittelpunkt der Präsentation des Projekts „Music 2025“ durch Dennis Collopy (University of Hertfordshire, UK), das der Musikmanager mitkonzipiert hat.

In der folgenden Keynote „What Are the Key Drivers of Growth in Music Streaming? – Past, Present and Future“ versuchte der Musikindustrie-Analytiker Chris Carey einen Blick in die Zukunft nach Musikstreaming zu werfen, in dem er die bisherige Entwicklung in die Musikstreamingökonomie nachzeichnete und Zukunftsszenarios entwickelte. Damit war auch schon das Thema für die Podiumsdiskussion zu „Future of the Music Business – What’s Next after Music Streaming?“ aufbereitet. Unter der Leitung von Dennis Collopy (University of Hertfordshire) diskutieren Rebecca Brook (Musikindustrie-Beraterin, London), Chris Carey (Media Insight Consulting, London), Phil Graham (University of the Sunshine Coast, Australien) und Michael Smellie (Start-up-Investor, Australien) wie sich das Musikbusiness in Zukunft weiterentwickeln wird.

Die Konferenz wurde am Abend des 11. September noch durch zwei Buchpräsentationen abgerundet. Daniel Nordgård von Universität Agder in Kristiansand/Norwegen stellte dabei den ersten Band der Springer-Buchreihe „Music Business Research“ mit dem Titel The Music Business and Digital Impacts. Innovations and Disruptions in the Music Industries vor. Ihm folgte Phil Graham von der University of the Sunshine Coast/Australien, der den zweiten Reihenband Music, Management, Marketing, and Law. Interviews Across the Music Business Value Chain der Öffentlichkeit präsentierte. Im Anschluss daran diskutierten die beiden Autoren mit der Wiener Start-up-Unternehmerin Nermina Mumic und dem Musikmanager Peter Jenner, die Herausforderungen von „Big Data in the Music Business“.

 

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