26
Feb
15

YouTube – 10 Jahre Verlustgeschäft

Das Wall Street Journal zitierte in einem vor Kurzem erschienen Bericht einen Unternehmensinsider, dass YouTube 2014 zwar US $4 Mrd. an Umsatz für die Konzernmutter Google Inc. generierte, aber keinen Beitrag zum Konzerngewinn leisten konnte. Mit anderen Worten: YouTube schreibt 10 Jahre nach seiner Gründung im Februar 2005 immer noch keine Gewinne. Für Google hat sich also der Kauf von YouTube im Jahr 2006 um US $1,65 Mrd. alles andere als gerechnet. Warum das so ist, soll in weiterer Folge kurz analysiert werden.

 

YouTube – 10 Jahre Verlustgeschäft

Es klingt paradox, aber YouTube, das wohl weltweit beliebteste Videoportal schreibt trotz einer Milliarde NutzerInnen und einem Ertragszuwachs von US $3 Mrd. im Jahr 2013 auf US $4 Mrd. im Jahr 2014 immer noch keinen Gewinn. Seit seiner Gründung im Februar 2005 konnte YouTube in seiner 10jährigen Existenz noch keinen einzigen Dollar Gewinn erwirtschaften Das trübt natürlich die Geburtstagsfeierlichkeiten und es stellt sich die Frage, warum YouTube trotz seiner Popularität immer noch nicht profitabel ist?

Im Wall Street Journal werden folgende Gründe genannt:

  • YouTube verdient nur dann Werbegelder an den hochgeladenen Videos, wenn die NutzerInnen direkt die YouTube-Seite ansteuern. Wenn aber die YouTube-Videos, wie das oft der Fall ist, in anderen Seiten eingebettet sind, dann kann YouTube daran auch nichts verdienen.
  • Die Investitionen in den Aufbau von gebrandeten Kanälen waren zwar beträchtlich, haben aber bislang noch nicht den gewünschten finanziellen Erfolg gebracht.
  • Zudem wurde die Homepage mit viel Geld umgebaut und neue Suchalgorithmen eingeführt.
  • Aber ein wesentlicher Grund, der auch mit den vielen Musikvideos, die auf YouTube zu finden sind, zu hat, ist, dass nach Angaben des Wall Street Journals YouTube hunderte Millionen Dollar pro Jahr an Content Produzenten in Form von Lizenzgebühren bezahlt

Damit kommen wir zu einem Kernproblem von YouTube, das auch für andere Content-Distributoren wie z.B. Musikstreamingservices à la Spotify zutrifft – die hohen Kosten für die Beschaffung digitaler Entertainment-Inhalte. Im jüngst publizierten Jahresbericht der Google Inc. werden starke Steigerungen bei den „Cost of Revenues“ zwischen 2013 und 2014 von fast 17 Prozent von US $22,0 Mrd. auf US $25,7 Mrd. ausgewiesen. Ein Teil der Steigerungen (US $1,24 Mrd.) ist auf den Anstieg jener Werbeumsätze zurückzuführen, die an Google Network Members und mit andere Distributionspartner weitergeleitet werden. Ein wesentlich höherer Anstieg – und zwar um fast 25 Prozent von US $9,8 Mrd. auf US $12,2 Mrd. – ist bei den sonstigen „Cost of Revenues“ festzustellen. Darunter fallen unter anderem auch jene Zahlungen an Content-Lieferanten „(…) from whom we license their video and other content for distribution on YouTube and Google Play“. Das sind nicht zuletzt die (Major-)Labels und Musikverlage. Diese lassen sich ihre Rechte zu einem entsprechend hohen Lizenzentgelt abkaufen, was sich ungünstig auf die Kostenstruktur von YouTube auswirkt. Auch wenn keine konkreten Zahlen im Google-Jahresbericht genannt werden, kann doch davon ausgegangen werden, dass die Lizenzzahlungen, die YouTube an die Musik- und natürlich auch Film- und TV-Industrie zu leisten hat, beträchtlich sind. Damit hat YouTube ähnliche Probleme wie Spotify & Co., deren Content-Beschaffungskosten um die 70-80 Prozent der Gesamtkosten ausmachen (siehe: Is Streaming the Next Big Thing? – Das Geschäftsmodell der Musikstreamingdienste).

Leider kann aufgrund des nicht vorliegenden Datenmaterials keine tiefer greifende Analyse durchgeführt werden, aber es zeigt sich, dass die reine Distribution von digitalen Entertainment-Inhalten, deren Rechte lizenziert werden müssen, (noch) kein profitables Geschäft darstellt. Es darf daher mit Spannung der Abo-Musikstreamingdienst von YouTube erwartet werden, für den wohl ebenfalls einiges an Lizenzentgelte zu zahlen ist, der aber bei einem monatlichen Preis von US $9,99 zumindest einen konstanten Einkommensstrom für YouTube generieren wird – mit einem solchen Modell verdient zumindest Spotify sein Geld (siehe dazu: Wer profitiert von Spotify & Co.?).

Das Mitleid mit Google/YouTube hält sich ohnehin in Grenzen, da der Gesamtkonzern weiterhin sein Geschäft mit Mikrowerbung machen wird und sich deshalb YouTube, das nach Angaben des Wall Street Journals lediglich 6 Prozent am Gesamtumsatz beiträgt, als unprofitables aber sehr populäres „Nebengeschäft“ auch langfristig leisten kann.

 


0 Responses to “YouTube – 10 Jahre Verlustgeschäft”



  1. Schreibe einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


Februar 2015
M D M D F S S
« Jan   Mrz »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
232425262728  

Archive

Facebook

Twitter

Kategorien

Blog Stats

  • 307,164 hits

%d Bloggern gefällt das: