Posts Tagged ‘Musikindustrie

31
Dez
18

Die Musikwirtschaftsforschung 2018 – ein Jahresrückblick

Liebe Leserinnen und Leser des Blogs zur Musikwirtschaftsforschung,

Das Highlight aus musikwirtschaftlicher Perspektive war 2018 sicherlich der Börsengang von Spotify am 3. April, der von der Investoren anfänglich euphorisch begrüßt wurde. Spotify übertraf mit einem Börsenkurs von US $166 und einer Marktkapitalisierung von US $26,5 Mrd. alle Erwartungen.[1] In weiterer Folge kletterte der Aktienkurs des schwedischen Musikstreamingdienstes bis Ende Juli auf einen historischen Höchstwert von US $196 pro Aktie, was einer Marktkapitalisierung von US $35,3 Mrd. entsprach. In der Zwischenzeit ist allerdings der Kurs der Spotify-Aktien um mehr als 40 Prozent eingebrochen und derzeit ist das Unternehmen an der Börse „nur“ noch US $20,6 Mrd. wert.[2] Dieser Wertverlust kann allerdings nur teilweise auf das allgemein schlechte Börsenumfeld sinkender Kurse zurückgeführt werden. So hat der Standard & Poors-Aktienindex im selben Zeitraum lediglich 11,7 Prozent an Wert verloren. Es scheint, dass die Investoren Zweifel am Spotifys Geschäftsmodell haben. Trotz eines Anstiegs der Zahl der Premium-Abos auf 83 Mio. und der monatlich aktiven NutzerInnen auf 109 Mio. am Ende des 3. Geschäftsquartals, weist der Streamingdienst einen steigenden Jahresverlust aus.[3] Die Musik-Majors (ausgenommen die Universal Music Group) sowie die Indie-Label-Lizenzagentur MERLIN haben jedenfalls schon knapp nach dem Börsengang ihre Unternehmensanteile an Spotify mit Gewinn verkauft. Es sind also vor allem die Major Companies sowie die großen Indie-Labels, die vom Boom am Musikstreamingmarkt profitieren, der 2017 weltweit um 41,1 Prozent auf US $6,6 Mrd. angewachsen ist.[4] Ausführliche Analysen der wirtschaftlichen Performance der Universal Music Group und der Warner Music Group zeigen jedenfalls steigende Umsätze und Gewinne, die in erster Linie auf das Musikstreaming zurückzuführen sind.

Abseits von Spotify und dem Musikstreamingboom, möchte ich noch an folgende relevanten Musikbusiness-Themen des Jahres 2018 erinnern:

  • Vivendis Pläne, zumindest 50 Prozent der Universal Music Group an Liberty Media (Eigentümerin der Sirius XM Radio Inc.) zu verkaufen, die 2018 einen Kontrollanteil am US-Musikstreamingdienst Pandora erworben hat,
  • die Ankündigung der chinesischen Tencent Holdings, ihr Tochterunternehmen Tencent Music Entertainment Group an die New York Stock Exchange zu bringen,
  • die In-Kraft-Setzung des US Music Modernization Acts
  • und der andauernde Kampf zu Artikel 13 der noch nicht beschlossenen EU Copyright Directive.

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30
Okt
18

International Journal of Music Business Research – Oktober 2018, Vol. 7, No. 2

Marie Connolly & Alan B. Krueger eröffnen die Oktober-2018-Ausgabe des International Journal of Music Business Research (IJMBR) mit ihrem Beitrag “The secondary market for concert tickets: theory and evidence”. Darin modellieren sie den sekundären Markt für Konzerttickets auf Basis der Annahme, dass “performers do not want to be perceived as gouging fans, they choose to underprice tickets and provide consumer surplus to customers” (S. 6).

Im zweiten Beitrag von Sarita M. Stewart “The development of the artist-fan engagement model” entwickelt die Autorin ein Modell zum besseren Verständnis der Fan-KünstlerInnen-Beziehung basierend auf der hedonistischen Konsumtheorie und der parasozialen Interaktionstheorie.

Der dritte und abschließende Artikel dieser Ausgabe “Blockchain for Music Business: Preventing the Threat of Disruption” von Wolfgang Senges beschreibt die disruptiven Effekte der Blockchain-Technologie für die Musikindustrie und entwickelt dafür einen Ansatz, mit dem die negativen Effekte der Disruption in der Musikindustrie abgefedert werden können.

 

Volume 7, no 2, October 2018

Editorial von Peter Tschmuck, S. 4-5

Marie Connolly & Alan B. Krueger: The secondary market for concert tickets: theory and evidence, S. 6-51

Sarita M. Stewart: The development of the artist-fan engagement model, S. 52-82

Wolfgang Senges: Blockchain in the music business: preventing the threat of disruption, S. 83-106

 

 

09
Mai
18

Rezension: Musikwirtschaftsforschung. Die Grundlagen einer neuen Disziplin

Die Musikwirtschaftsforschung ist der nicht ganz unbescheidene Versuch, eine neue wissenschaftliche Disziplin an der Schnittstelle der Sozial-, Wirtschafts- und Kulturwissenschaften zu entwickeln, um die Produktion, Verbreitung und Rezeption von Musik als Kulturgut besser verstehen zu können. Die Musikwirtschaftsforschung versteht sich dabei nicht als Substitut für schon bestehende wissenschaftliche Disziplinen wie die Kunst- und Kulturökonomie oder die Musikwissenschaft, sondern als wertvolle Ergänzung schon bestehender Disziplinen.

 

Die Beiträge in diesem Sammelband spiegeln daher die Bemühungen wider, die Musikwirtschaftsforschung als Inter-Disziplin zu etablieren und sowohl wissenschaftstheoretisch zu fundieren als auch methodisch zu verorten. In diesem Sinn gliedert sich der Sammelband in zwei große Abschnitte. Im ersten Teil stellen die AutorInnen Überlegungen zur methodologischen Grundlage der neuen Disziplin an; im zweiten Abschnitt werden dann methodische Fragen erörtert, die für die Musikwirtschaft relevant sein können.

 

Peter Tschmuck, Beate Flath & Martin Lücke (Hrsg.), 2018, Musikwirtschaftsforschung. Die Grundlagen einer neuen Disziplin, Wiesbaden: Springer VS, 175 Seiten, Preis: 27,21 € für Softcover (ISBN 978-3-658-19398-0) und 19,99 € für eBook (ISBN 978-3-658-19399-7).

 

 

 

 

 

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23
Nov
17

Musikwirtschafts-Jour-fixe am 30.11.2017: Die Blockchain – Neue Perspektiven in der Musikverwertung

Am 30. November 2017 findet ab 18:00 im Kleiner SE-Raum am Institut für Kulturmanagement und Gender Studies (IKM, Anton-von-Webern-Platz 1. 1030 Wien) der nächste Musikwirtschafts-Jour-fixe zum Thema „Die Blockchain – Neue Perspektiven in der Musikverwertung“ statt.  Johannes Schönbichler wird dabei die wessentlichen Erkenntnisse aus seiner Masterarbeit „Perspektiven in der Musikverwertung – Eine Analyse von Geschäftsmodellen angesichts technologischer Trends“ präsentieren, die an der FH Kufstein entstanden ist. Eine inhaltliche Ankündigung kann hier nachgelesen werden:

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01
Aug
17

Der phonografische Markt in Großbritannien, 1975-2016

Der britische Musikindustrieverband BPI (British Phonographic Industry) hat solide Zuwächse für das gesamte phonografische Business von 2015 auf 2016 bekanntgegeben. Nach der BPI ist das Gesamtmarktwachstum vor allem auf den Boom des Musikstreamingmarktes zurückzuführen, der im Jahresvergleich um 61,0% gewachsen ist. Die BPI (2017) führt dazu aus: „(…) streaming accounted for 30 per cent of overall label revenues in 2016 (compared to physical at 32 per cent).  Such a rate of growth will undoubtedly see the format overtake physical to become the leading contributor to label revenues in 2017.“

Es zeichnet sich also eine Trendwende ab, die den phonografischen Markt in Großbritannien zu einer Musikstreamingwirtschaft macht, womit das Land den USA folgt, was ich in einem früheren Blog-Beitrag bereits näher ausgeführt habe. In der nun folgenden Langfristanalyse möchte ich nicht nur die zuletzt berichteten Zuwächse genauer unter die Lupe nehmen, sondern den gesamten Konjunkturzyklus, der mit dem Marktwachstum in den 1970er Jahren seinen Ausgang genommen hat und ab dem Millenium in eine Rezession gemündet ist, analysieren.

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24
Mai
17

Rezension: The Economics of Music

„The Economics of the Music“ ist das erste wissenschaftlich fundierte Lehrbuch, in dem die ökonomischen Grundlagen der Musikwirtschaft im Allgemeinen und der Musikindustrie im Besonderen abgehandelt werden. Ausgangspunkt ist die Analyse von Musik als ökonomisches Gut, das durch das Urheberrecht in seiner Nutzung geschützt wird. Kapitel 2 beschäftigt sich daher mit der Mikroökonomik der Musik, das zu „Economics of Music Copyright“ überleitet, wobei in diesem Kapitel institutionenökonomische Erklärungsansätze zur Anwendung kommen. Der Hauptteil des Buches besteht aber in der ausführlichen Analyse der unterschiedlichen Sektoren der Musikindustrie – Musikverlagswesen, phonografische Industrie, Live-Musiksektor und sekundäre Musikmärkte –, in der das Interaktionsnetzwerk in den einzelnen Sektoren und zwischen den Sektoren analysiert werden.

Den verschiedenen Arbeitsmärkten in der Musikwirtschaft ist ein eigenes Kapitel gewidmet, wobei die unterschiedlichen Einkommensströme für Musikschaffende genauer untersucht werden. In diesem Zusammenhang werden verschiedene Superstartheorien zur Erklärung der großen Einkommensungleichheiten wie auch Arbeitsmarkttheorien für den Kunst- und Kulturbereich für die Analyse fruchtbar gemacht.

Da die Digitalisierung schon früh einen massiven Einfluss auf das Musikbusiness hatte, wird diesem Thema ein eigenes Kapitel gewidmet. Darin werden die neuen Regeln, Strukturen und Prozesse, die im Zuge der digitalen Revolution entstanden sind, dargestellt und durchleuchtet werden. Neue Ansätze wie Medienkonvergenz, Disintermediation, Prosumption und Artepreneurship werden dabei erläutert und hinterfragt. Dabei schließt das letzte Kapitel zum digitalisierten Musikbusiness den Kreis zum Beginn des Buches, in dem in einer “Short Economic History of the Music Business” ein Überblick über die wirtschaftlichen Prozesse in der Musikproduktion, ‑distribution und -rezeption seit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert bis zur digitalen Revolution seit 2000 geboten wird.

 

Peter Tschmuck, 2017, The Economics of Music. Newcastle-upon-Tyne: Agenda Publishing.

Hardback £55.00 | $70.00 ISBN 9781911116073
Paperback £16.00 | $23.00 ISBN 9781911116080
e-book £16.00 | $23.00 ISBN 9781911116097
Buy a book copy here: Agenda Publishing

 

 
 
 
 
 

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11
Jan
17

Musikwirtschafts-Jour-fixe am 18.01.2017: Determining Factors on Digital Change in the Music Industries

Am Mi., 18. Januar 2017 findet im Kleinen SE-Raum des IKM (Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien) ab 18:30 der erste Musikwirtschafts-Jour-fixe des Jahres statt. Daniel Nordgård von der University of Agder/Norwegen wird ausgehend vom norwegischen Musikmarkt, der vom Musikstreaming dominiert wird, die zentralen Thesen seiner soeben fertig gestellten Dissertation „Determining Factors on Digital Change in the Music Industries“ präsentieren. Er hat dazu die seit 2007 von ihm mitorganisierten Kristiansand Roundtable-Gespräche wissenschaftlich ausgewertet, in denen MusikindustrieexpertInnen jährlich die Entwicklungen im Musikbusiness abseits der Öffentlichkeit und somit (selbst-)kritisch diskutieren. Dabei wurden nicht nur die unterschiedlichen Interessenlagen zwischen der Musikindustrie und Telekommunikations- sowie Technologiefirmen im digitalen Zeitalter, sondern auch zwischen den Akteuren des Musikbusiness selbst sichtbar.

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