Archive for the 'Analyse' Category

25
Jan
19

Der Weg zur Musikstreamingökonomie – eine internationale Marktanalyse

Das Jahr 2018 stand aus musikwirtschaftlicher Perspektive ganz im Zeichen des Musikstreamings. Anfang April 2018 ging Spotify an die Börse und kurz danach vermeldete die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI), dass 2017 die Einnahmen aus dem Musikstreaming weltweit um 41,1 Prozent auf US $6,6 Mrd. gewachsen sind. Musikstreaming ist mit einem Marktanteil von 38 Prozent zur wichtigsten Einnahmequelle der phonografischen Industrie geworden (im Vergleich dazu: physisch 30 Prozent, Download 16 Prozent, Leistungsschutzrechtsentgelte 14 Prozent und Entgelte für Synchronisationsrechte 2 Prozent).

2011 fielen die globalen Einnahmen aus dem Musikstreaming mit US $600 Mio. und einem Marktanteil von 4,1 Prozent noch vergleichsweise bescheiden aus. Allerdings haben sich nicht alle Märkte, für die die IFPI Zahlen erhebt, seit 2011 gleichförmig entwickelt, wie die nachfolgende Analyse zeigt.

Weiterlesen ‚Der Weg zur Musikstreamingökonomie – eine internationale Marktanalyse‘

Werbeanzeigen
31
Dez
18

Die Musikwirtschaftsforschung 2018 – ein Jahresrückblick

Liebe Leserinnen und Leser des Blogs zur Musikwirtschaftsforschung,

Das Highlight aus musikwirtschaftlicher Perspektive war 2018 sicherlich der Börsengang von Spotify am 3. April, der von der Investoren anfänglich euphorisch begrüßt wurde. Spotify übertraf mit einem Börsenkurs von US $166 und einer Marktkapitalisierung von US $26,5 Mrd. alle Erwartungen.[1] In weiterer Folge kletterte der Aktienkurs des schwedischen Musikstreamingdienstes bis Ende Juli auf einen historischen Höchstwert von US $196 pro Aktie, was einer Marktkapitalisierung von US $35,3 Mrd. entsprach. In der Zwischenzeit ist allerdings der Kurs der Spotify-Aktien um mehr als 40 Prozent eingebrochen und derzeit ist das Unternehmen an der Börse „nur“ noch US $20,6 Mrd. wert.[2] Dieser Wertverlust kann allerdings nur teilweise auf das allgemein schlechte Börsenumfeld sinkender Kurse zurückgeführt werden. So hat der Standard & Poors-Aktienindex im selben Zeitraum lediglich 11,7 Prozent an Wert verloren. Es scheint, dass die Investoren Zweifel am Spotifys Geschäftsmodell haben. Trotz eines Anstiegs der Zahl der Premium-Abos auf 83 Mio. und der monatlich aktiven NutzerInnen auf 109 Mio. am Ende des 3. Geschäftsquartals, weist der Streamingdienst einen steigenden Jahresverlust aus.[3] Die Musik-Majors (ausgenommen die Universal Music Group) sowie die Indie-Label-Lizenzagentur MERLIN haben jedenfalls schon knapp nach dem Börsengang ihre Unternehmensanteile an Spotify mit Gewinn verkauft. Es sind also vor allem die Major Companies sowie die großen Indie-Labels, die vom Boom am Musikstreamingmarkt profitieren, der 2017 weltweit um 41,1 Prozent auf US $6,6 Mrd. angewachsen ist.[4] Ausführliche Analysen der wirtschaftlichen Performance der Universal Music Group und der Warner Music Group zeigen jedenfalls steigende Umsätze und Gewinne, die in erster Linie auf das Musikstreaming zurückzuführen sind.

Abseits von Spotify und dem Musikstreamingboom, möchte ich noch an folgende relevanten Musikbusiness-Themen des Jahres 2018 erinnern:

  • Vivendis Pläne, zumindest 50 Prozent der Universal Music Group an Liberty Media (Eigentümerin der Sirius XM Radio Inc.) zu verkaufen, die 2018 einen Kontrollanteil am US-Musikstreamingdienst Pandora erworben hat,
  • die Ankündigung der chinesischen Tencent Holdings, ihr Tochterunternehmen Tencent Music Entertainment Group an die New York Stock Exchange zu bringen,
  • die In-Kraft-Setzung des US Music Modernization Acts
  • und der andauernde Kampf zu Artikel 13 der noch nicht beschlossenen EU Copyright Directive.

Weiterlesen ‚Die Musikwirtschaftsforschung 2018 – ein Jahresrückblick‘

02
Jul
18

Musik-Majors in der Streaming-Ökonomie: Universal Music Group

Vivendi, die Muttergesellschaft der Universal Music Group, wälzt Pläne, das weltweit größte Unternehmen der phonografischen Industrie an die Börse zu bringen bzw. zu verkaufen. Es ist kein Zufall, dass der französische Medien- und Telekommunikationskonzern einen solchen strategischen Schritt erwägt. Der Börsengang von Spotify Anfang April dieses Jahres war ein finanzieller Erfolg und es scheint, als ob Investoren derzeit in Musik ein gutes Investment sehen. Das Börsenumfeld ist zudem aktuell sehr positiv und die Universal Music Group (UMG) war in den letzten Jahren wirtschaftlich sehr erfolgreich, was vor allem auf die stark steigenden Umsätze von Musikstreaming zurückzuführen ist. Im Jahresbericht für 2017 weist die UMG einen Gesamtumsatz von € 5,67 Mrd. (+ 25 Prozent verglichen mit 2012) und einen Gewinn (gemessen als EBITA) von € 761 Mio. (+ 45 Prozent verglichen mit 2012) aus. Musikstreaming ist dabei der Hauptgrund für die Umsatz- und Gewinnzuwächse. So stiegen die Einnahmen aus dem Musikstreaming um fast 33 Prozent allein zwischen 2016 und 2017 auf € 1,97 Mrd., womit Streaming bereits ein Drittel des gesamtes Umsatzes des Konzerns 2017 ausmacht.[1] Eine vertiefende Analyse auf Basis der Auswertung der Jahresberichte von 2000-2017 zeigt, dass die UMG sich in diesem Zeitraum als Musikdienstleistungsunternehmen neu erfunden hat. Es richtet seinen Fokus nunmehr auf das Streamingbusiness, bietet aber auch Dienstleistungen an, die weit über das traditionelle Geschäftsmodell eines Unternehmens der phonografischen Industrie hinausgehen.

Weiterlesen ‚Musik-Majors in der Streaming-Ökonomie: Universal Music Group‘

03
Apr
18

Spotify geht an die Börse – eine ökonomische Hintergrundanalyse

Der 3. April 2018 ist ein historischer Markstein in der Entwicklung der digitalen Musikindustrie, wenn Spotify an diesem Tag an der New Yorker Börse gelistet und öffentlich für den Handel verfügbar sein wird. Spotifys Börsegang wird nicht nur zum Prüfstein für das Musikstreaming-Businessmodell, sondern für die gesamte Musikindustrie, die den Wachstumspfad nach langen Jahren der Rezession wieder eingeschlagen hat. Spotify ist der Liebling der großen Musikkonzerne geworden, weil das schwedische Unternehmen ein legales und bei den Musikfans beliebtes Onlinemusikangebot bietet, das über Vorschusszahlungen und Umsatzbeteiligungen einfach für die Majors zu monetarisieren ist. Es erlaubte zudem Universal & Co. zu guten Konditionen Unternehmensanteile im Tausch für Vorschussverpflichtungen zu erhalten. So kann der Wert des 5,7-Prozentanteils, den Sony Music Entertainment an Spotify hält (Spotify 2018: 148) mit US $500m bis 1.3bn veranschlagt werden.[1] Die folgende Hintergrundanalyse beleuchtet das Erfolgsmodell Spotify, zeigt aber auch potenzielle Risikofaktoren des Börsegangs auf. Der Beitrag spürt auch der Frage nach, wer nun eigentlich von Spotifys Gang an die Wall Street profitiert.

Weiterlesen ‚Spotify geht an die Börse – eine ökonomische Hintergrundanalyse‘

09
Mrz
18

Musik-Majors in der Streaming-Ökonomie: Warner Music Group

Im aktuellen Jahresbericht der Warner Music Group (WMG) wird ein Gesamtumsatz von US $3,58 Mrd. ausgewiesen – der höchste Umsatz, seit die Investor Group 2003 das Unternehmen vom Time-Warner-Konzern gekauft hat. Gleichzeitig sind auch die Gesamtkosten auf US $3,15 Mrd. gestiegen (WMG 2017: 38-39), was aber immer noch einen operativen Gewinn von US $222 Mio. ermöglicht. (WMG 2017: 40), vor allem im Vergleich zu den Rekordverlusten von mehr als US $1,0 Mrd. Anfang der 2000er-Jahre. Mittlerweile ist das Musikstreaming der Hauptfaktor für den Umsatz- und Gewinnzuwachs bei der WMG. Im Recorded-Music-Sektor des Konzerns konnte der Streamingumsatz allein von 2016 auf 2017 um US $434 Mio. auf US $1,34 Mrd. gesteigert werden. Der konzerneigene Musikverlag steuerte weitere US $58 Mio. an zusätzlichen Streamingeinnahmen bei (WMG 2017: 36). Insgesamt hat die WMG 2017 um knapp eine halbe Milliarde US$ mehr Umsatz im Jahr 2017 aus Musikstreaming generiert als noch im Vorjahr. Die folgende Analyse zeichnet den Wandel des Geschäftsmodells der WMG von einem Tonträger herstellenden Unternehmen zu einem Rechteverwertungskonzern im Streaming-Zeitalter nach.

Weiterlesen ‚Musik-Majors in der Streaming-Ökonomie: Warner Music Group‘

02
Feb
18

Die MusikerInnen in der Musikstreaming-Ökonomie – eine Fallstudie

Am 24. Januar 2018 hat der Latin-Superstar Enrique Iglesias Klage gegen Universal International Music wegen zu niedriger Tantiemenzahlungen aus Streamingerlösen eingebracht (Klageschrift Enrique Iglesias vs. Universal International Music, 24. Januar 2018). Die Rechtsanwälte des Künstlers argumentieren, dass Universal ihrem Mandanten 50 Prozent der Netto-Einnahmen aus dem Streaminggeschäft hätten zahlen müssen. Stattdessen hat die Plattenfirma nur einen Bruchteil davon ausbezahlt und zwar in der Höhe der Vergütung für physische und digitale Albumverkäufe. Dieser Fall ist bemerkenswert, weil dabei die vertraglichen Usancen in der phonografischen Industrie sichtbar werden und einen Erklärungsbeitrag dafür liefert, warum vertraglich an Label gebundene KünstlerInnen nicht wirklich von der boomenden Streaming-Ökonomie profitieren.

Weiterlesen ‚Die MusikerInnen in der Musikstreaming-Ökonomie – eine Fallstudie‘

26
Jan
18

Rezension: Klassikkampf von Berthold Seliger

Es ist wohl kein Zufall, dass Berthold Seliger 150 Jahre nach der Erstveröffentlichung von Karl Marx‘ „Das Kapital“ sein neuestes Buch dem „Klassikkampf“ gewidmet hat. Vier Jahre, nachdem er sich mit „Das Geschäft mit der Musik – ein Insiderbericht“ kritisch mit der von Konzernstrukturen geprägten Musikindustrie auseinandergesetzt hat, rückt Seliger nunmehr aus, um die „Ernste“ Musik zu retten – und zwar vor den herrschenden Bildungs- und Wirtschaftseliten. Auf fast 500 Seiten zeigt Berthold Seliger in seiner unnachahmlichen Rhetorik auf, dass die „klassische“ Musik als Statussymbol vereinnahmt und zur Konvention erstarrt ist, die nur mehr ein Publikum 60+ in die Opern- und Konzerthäuser lockt. Wie das geschehen konnte und was dagegen unternommen werden kann, davon handelt dieses Buch.

 

Berthold Seliger, 2017, Klassikkampf. Ernste Musik, Bildung und Kultur für alle. Berlin: Matthes & Seitz, 496 Seiten, € 24,00; E-Book: € 20,99

 

Die Termine seiner Lesetour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz können auf der Klassikkampf-Seite nachgelesen werden.

 

 

Weiterlesen ‚Rezension: Klassikkampf von Berthold Seliger‘




März 2019
M D M D F S S
« Jan    
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
25262728293031

Archive

Twitter

Kategorien

Blog Stats

  • 393.892 hits
Werbeanzeigen