Archive for the 'Analyse' Category

31
Jan
23

Musik als Investment – Teil 9: Ein Erklärungsansatz

Der Boom am Musikrechtemarkt setzt sich auch 2023 unvermindert fort. Schon im Januar des neuen Jahres verkündete Primary Wave, dass es sämtliche Masterrechte und daraus fließende Einkommensströme der Rockband YES aus ihrer Zeit bei Atlantic Records sowie die Musikrechte der beiden ehemaligen Mitglieder der US-Rockband, The Doors, Robby Krieger und Ray Manzarek, erworben hat.[1] Kurz danach wurde bekannt, dass Justin Bieber um geschätzte US $200 Mio. seine gesamten Musikverlagsrechte inklusive des Autorenanteils sowie den Künstleranteil an den Leistungsschutzrechten an den von Blackstone finanzierten, privaten Hipgnosis Songs Capital Fund verkauft hat.[2]

Damit wird die Aktualität der Serie „Musik als Investment“ noch einmal unterstrichen, die sich zum Ziel setzt, den aktuellen Boom am Markt für Musikrechte zu untersuchen und einen Erklärungsansatz dafür zu finden.

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29
Dez
22

Musik als Investment – Teil 8: Reservoir Media Management

Reservoir Media ist eines jener musikbezogenen Unternehmen, das mithilfe einer Special Purpose Acquisition Company 2021 an die Börse gebracht wurde, wie im Teil 7 der Serie bereits beschrieben wurde. Reservoir wurde 2007 von der ausgebildeten Pianistin Golnar Khosrowshahi, die eine Zeitlang als Direktorin der vom Star-Cellisten Yo-Yo Ma ins Leben gerufenen Non-Profit Organisation Silkroad gearbeitet hat, als Musikverlag in New York City gegründet.[1] Reservoir hat mit seinen aggressiven Akquisitionen von Verlags- und Masterrechten in den letzten Jahren mediales Aufsehen erregt. Highlights sind dabei der Kauf Muttergesellschaft von Chrysalis Records, Blue Raincoat Music, im Jahr 2019, wodurch der Katalog an Masterrechten schlagartig um rund 20.000 Aufnahmen gewachsen ist[2] und der Erwerb des Musikverlags Shapiro Bernstein im Mai 2020, womit 16.000 Copyrights, darunter zu Songs von Michael Jackson, den Beatles, Frank Sinatra, Ella Fitzgerald, Bob Dylan und Elton John, den Besitzer wechselten.[3] Zum Zeitpunkt des Börsengangs 2021 ist Reservoir kein klassischer Musikverlag, sondern ein Unternehmen zur Musikrechteverwertung, das mittlerweile Milliarden Dollar in den Erwerb von Musikkatalogen gesteckt hat, um entsprechende Rückflüsse zu erzielen, mit denen AnlegerInnen befriedigt werden sollen. Der Aufstieg von Reservoir von einem Musikverlag zu einem Musikrechteverwerter und die dahinter liegenden wirtschaftlichen Strukturen werden in diesem Blogbeitrag dargestellt.

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23
Dez
22

Musik als Investment – Teil 7: SPACs

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SPAC steht für Special Purpose Acquisition Company und ist ein börsennotiertes Unternehmen, welches das Ziel verfolgt, Anlegerkapital für Investitionen an der Börse zu akquirieren. SPACs sind in den letzten beiden Jahren auch für die Musikindustrie relevant geworden, nachdem einige musikbezogene Unternehmen mithilfe von diesen Finanzkonstrukten an die Börse gebracht worden waren, so der französische Musikstreamingdienst Deezer, das arabische Pendant Anghami mit Sitz in Abu Dhabi und die US-Musikrechteagentur Reservoir. Aber auch die 10 Prozentbeteiligung des Hedgefonds Pershing Square Capital Management an der Universal Music Group wurde über eine SPAC finanziert.

Nach einem SPAC-Boom in den letzten beiden Jahren hat das Interesse an dieser speziellen Form von Aktiengesellschaft nachgelassen und es werden zahlreiche Unternehmen – auch mit Musikbezug – rückabgewickelt und das Anlagekapital den InvestorInnen zurückgezahlt. In diesem Beitrag wird die Funktionsweise dieser Finanzvehikel näher erläutert sowie der Aufstieg und Fall von musikbezogenen SPACs analysiert.

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14
Dez
22

Musik als Investment – Teil 6: Round Hill Music

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Hipgnosis war nicht das erste Unternehmen, das sich als eine Art Investmentfonds auf den Erwerb und die Monetarisierung von Musikrechten spezialisiert hat. 2010 gründete der ehemalige Hedgefonds-Manager Josh Gruss gemeinsam mit Neil Gillis und Richard Rowe in New York City den Musikverlag Round Hill Music mit dem Ziel Musikcopyrights zu erwerben und wirtschaftlich auszuwerten.[1] Wie Round Hill Music als Musikverlag, der über Investmentfonds über die letzten zehn Jahre hunderte Millionen Dollar eingesammelt hat, um Musikrechte zu erwerben, zu einem wichtigen Player im Musikrechtemarkt geworden ist, wird nun in dieser Folge der Serie „Musik als Investment“ genauer dargestellt.

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22
Nov
22

Musik als Investment – Teil 5: Hipgnosis Songs Fund (2. Teil)

Im zweiten Teil der Analyse zum Hipgnosis Songs Fund soll dessen wirtschaftliche Performance seit dem Börsengang im Jahr 2018 genauer unter die Lupe genommen werden. Dazu betrachten wir zuerst das Erlösmodell, das auf den Ankauf und die Verwertung von Musikrechten beruht, um dann die Kostenstruktur genauer zu analysieren.

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06
Okt
22

Musik als Investment – Teil 4: Hipgnosis Songs Fund (1. Teil)

Der 11. Juli 2018 war ein außergewöhnlicher Tag für die altehrwürdige Londoner Börse. Mit einem Volumen von GBP 202 Mio. ging der größte Börsengang des Jahres über die Bühne. Es handelte sich dabei nicht um ein Tech-Startup oder um ein Pharma-Unternehmen, das einen neuen Corona-Impfstoff auf den Markt gebracht hat, sondern um einen Investmentfonds, der sich auf den Erwerb und die wirtschaftliche Auswertung von Musikrechten spezialisiert hat – den Hipgnosis Songs Fund.[1]

Hipgnosis ist eine auf der Kanalinsel Guernsey eingetragene Firma, die vom altgedienten Musikmanager Merck Mercuriadis, der unter anderem Beyoncé, Elton John, Iron Maiden, Morrissey und Nile Rodgers betreut hat, gegründet wurde. Mercuriadis war zuvor auch der CEO der Sanctuary Group, die 2007 um GBP 44,5 Mio. an die Universal Music Group verkauft worden war.[2]

Das Geschäftsmodell von Hipgnosis besteht darin, Musikkataloge zu erwerben, um sie in Form unterschiedlichster Nutzungen zu monetarisieren. Verantwortlich für die Auswahl der zu kaufenden Kataloge ist die Family (Music) Ltd., die ebenfalls von Merck Mercuriadis gegründet und mittlerweile in die Hipgnosis Song Management Ltd. umgewandelt wurde. Sie fungiert als Investment Adviser Board, dem neben dem Gründer Mercuriadis die Songwriter und Produzenten Nile Rodgers, The-Dream, David A. Stewart, Starrah, Giorgio Tuinfort, Poo Bear und Rodney Jerkins sowie die beiden Rechtsexperten Bill Leibowitz und Ian Montone angehören.[3]

Die Investmentstrategie wird im Geschäftsbericht für das 2020/21 als [f]ocuses on proven Songs and Artists of great cultural importance“ beschrieben. Dabei sieht sich Hipgnosis nicht als klassischer Musikverlag, sondern als „Song Manager, (…) who can protect the meaning and secure the financial future of the creator’s songs“. In diesem Sinn möchte Hipgnosis unterbewertete Songs identifizieren und die Erlöse durch Intensivierung der verschiedenen Möglichkeiten zur Rechtsauswertung steigern.[4]

Welche Musikkataloge wurden nun auf Anraten des Investment Adviser Boards zwischen Juli 2018 und März 2022 angekauft und wie wurden diese Akquisitionen finanziert? Diese und weitere Fragen werden nun im ersten Teil der Analyse des Hipgnosis Songs Fund ausführlich beantwortet.

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28
Sept
22

Musik als Investment – Teil 3: Primary Wave

Primary Wave ist ein neuartiger Musikverlag, der im Januar 2006 in New York City vom früheren Virgin Records CEO, Larry Mestel, gegründet wurde, der nicht den Erwerb und die Auswertung klassischer Verlagsrechte von Musikwerken verfolgt, sondern sich den Künstleranteil an den Verlagsrechten bzw. Masterrechten sichert, um vor allem deren Nutzung in TV, Film und Werbung (Synchronisationsrechte an Musikwerken) zu monetarisieren. Die Entwicklung von Primary Wave zu einem einflussreichen Player am internationalen Musikrechtemarkt soll in weiterer Folge nachgezeichnet und analysiert werden.

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15
Sept
22

Musik als Investment – Teil 2: BMG Rights Management

Die Bertelsmann Music Group – kurz BMG – ist ein interessanter Fall vom Ausstieg aus dem Musikbusiness in den 2000-er Jahren und dem erneuten Einstieg ab 2009, als zahlreiche Verlags- und Masterkataloge aufgekauft wurden, um durch Milliardeninvestitionen zum viert größten Musikunternehmen der Welt hinter den drei Majors – Universal, Sony und Warner – aufzusteigen. Der Wiedereinstieg der BMG in die Musikindustrie markiert somit die erste Phase des Booms um den Kauf von Musikrechten, die in dieser Fallstudie der BMG genauer unter die Lupe genommen wird.

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08
Sept
22

Musik als Investment – Teil 1: Ein Überblick

Das Musikverlagswesen galt bis vor wenigen Jahren als ein eher verschnarchtes Geschäftsfeld, in dem Musikrechte akquiriert und für unterschiedliche Nutzungen direkt z.B. in Form von Synchronisationsrechten oder indirekt über Verwertungsgesellschaften lizenziert werden. An diesem Geschäftsmodell hat sich zwar grundsätzlich nichts geändert, aber die letzten Jahre haben Musikrechte im Allgemeinen und Verlags- sowie Urheberrechte im Besonderen zu einem spekulativen Anlagegut gemacht, nachdem neue Player wie Hipgnosis, Primary Wave oder Round Hill sowie große Investmentfonds in den Musikrechtemarkt mit spektakulären Katalogaufkäufen in mehrstelliger Millionenhöhe eingestiegen sind.

Dieser Beitrag zeichnet die Entwicklung des Musikrechtemarkts und der wichtigsten Akteure der letzten Jahre nach und ist der Auftakt für eine mehrteilige Blog-Serie zum Thema „Musik als Investment“.

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13
Jan
22

Endbericht: „Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Musikarbeitsmarkt in Österreich“

Corona-Pandemie und MusikarbeitsmarktDie Corona-Pandemie hat die österreichische Musikwirtschaft, wie nie zuvor nach dem 2. Weltkrieg, erschüttert. Insbesondere der Musikveranstaltungsbetrieb ist national und international in den letzten beiden Jahren so gut wie zum Erliegen gekommen. Dadurch ist die wichtigste Einkommensquelle für Musiker_innen – das Konzertieren im In- und Ausland – versiegt.

Die vom Institut für Kulturmanagement und Gender Studies (IKM) vom Februar bis März 2021 durchgeführte Online-Befragung, an der 1.777 in Österreich tätige Musikschaffende[1] teilgenommen haben, belegt das drastische Ausmaß der finanziellen Verluste der Befragten. Im Zeitraum vom 15.03.2020 bis 14.03.2021 haben 86% Einkommensverluste aus musikbezogenen Tätigkeiten erlitten. 31% jener, die in der Umfrage Auskunft über ihre Verluste gemacht haben, verloren mehr als € 10.000. Als Hauptgrund für die Einkommensverluste wurde von 91% der Befragten die Absage und Verschiebung von Konzerten in Österreich aber auch im Ausland genannt. Es ist vor allem die Kombination von Verlusten aus mehreren Tätigkeiten, die sehr hohe Einkommenseinbußen verursacht hat. Besonders viel haben die freischaffenden Musiker_innen, die die Hälfte der Befragten ausmachen, verloren. 45% der ausschließlich freischaffend Tätigen haben mehr als € 10.000 pro Jahr an Einkommen eingebüßt. Ein zusätzliches Anstellungsverhältnis dämpft zwar die Höhe der Verluste, dies ändert aber nichts daran, dass auch diese Gruppe zu einem hohen Anteil – 93% der Befragten – Einkommenseinbußen hat. Lediglich die ausschließlich im Musiksektor angestellten Musiker_innen sind weniger oft von Einkommenseinbußen betroffen und auch die Höhe der Verluste hält sich in Grenzen.

Hier kann der Bericht im pdf-Format heruntergeladen werden:

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Musikarbeitsmarkt in Österreich

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