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Die Blockchain. Neue Perspektiven in der Musikverwertung – Zusammenfassung des Musikwirtschafts-Jour-fixe am 30.11.2017

Am 30. November 2017 fand am IKM ein Musikwirtschafts-Jour-fixe zum Thema „Blockchain. Neue Perspektiven der Musikverwertung“ statt. Johannes Schönbichler hat dabei aus seiner Masterarbeit, die an der FH Kufstein entstanden ist, die Kernaussagen präsentiert.

Hier können die Präsentationsfolien nachgelesen werden: Blockchain. Neue Perspektiven der Musikverwertung

 

Die Blockchain. Neue Perspektiven in der Musikverwertung – Zusammenfassung von Johannes Schönbichler

Eine Blockchain ist die Basis und grundlegende Technologie hinter digitalen Währungen wie beispielsweise Bitcoin, welche Verschlüsselungen nutzen, um Transaktionen durchzuführen. Blockchains agieren als dezentralisierte, transparente Datenbanken. Dies bedeutet, dass eine Blockchain nicht von einer einzigen Person oder Institution kontrolliert wird und dass immer viele identische Kopien davon existieren. Das große revolutionäre Potential hinter der Blockchain entsteht des Weiteren durch die Tatsache, dass Peer-to-Peer-Transaktionen nicht von Dritten verifiziert werden müssen.

Unter anderem konnten die folgenden Potentiale der Blockchain in der Musikindustrie identifiziert werden: Die wichtigste Anwendungsmöglichkeit ist ein Datenbank-Netzwerk für Urheberrechtsinformationen. Damit wären die Informationen für alle Benutzer/innen zugänglich, und nicht nur für Gatekeeper, die aus einem Informationsungleichgewicht Kapital schlagen wollen. Die mittels der Musikdatenbank geschaffene Transparenz vereinfacht und beschleunigt schließlich die Tantiemenzahlungen an die Künstler/innen, welche gegenwärtig teilweise sehr lange auf diese Zahlungen warten müssen. Eine erfolgreich implementierte Musikdatenbank würde infolgedessen zu einer vollständigen Transparenz in der Musik-Wertschöpfungskette führen. Im Moment stehen viele Künstler/innen vor dem Problem, dass sie nicht als legitime Urheberrechtsinhaber/innen identifiziert werden können und somit gewisse Einnahmen sich außerhalb ihrer Reichweite befinden, oftmals aufgrund von unklaren Vertragsbestimmungen.

Anschließend wurde eine qualitative Studie durchgeführt, um die theoretischen Erkenntnisse in Kontext setzen zu können. Dazu wurden insgesamt acht Experteninterviews durchgeführt. Die Experten/innen setzen sich aus Musikern/innen und Vertretern der österreichischen Musikwirtschaft zusammen, um einen möglichst umfassenden Einblick zu gewähren. Die Musiker/innen identifizierten Praktiken der Verwertungsgesellschaften als größte Problematik, bei der die Blockchain Abhilfe leisten könnte. Besonders intransparente und verspätete Abrechnungen, aber auch der hohe bürokratische Aufwand werden genannt. Diese bürokratischen Hürden scheinen für Musiker/innen ohne professionelles Management kaum zu schaffen zu sein. Dies lässt des Weiteren darauf schließen, dass Intermediäre wie Musiklabels auch bei erfolgreicher Implementierung der Blockchain nicht überflüssig werden würden.

Die Experten aus der Musikwirtschaft sehen grundsätzlich ein großes Potential für die Blockchain, trotzdem lässt sich eine eher pessimistische Prognose der Experten hinsichtlich des Erfolgs der Technologie erkennen. Dies lässt sich auf die bestehenden Strukturen der Musikindustrie zurückführen. Der Status Quo begünstigt die ohnehin mächtigen Player der Major-Labels und der Verwertungsgesellschaften, welche sich auf gemeinsame Ziele einigen müssten. Nur dadurch kann in weiterer Folge eine kritische Masse an Nutzer/innen (sprich: Musiker/innen und Konsumenten/innen) erzeugt werden.

 

 

 

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