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Das Musikbusiness in der Blockchain – die Blockchain als Neustart für eine globale Musikrechtedatenbank?

Am 3. März 2017 fand am Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft (IKM) der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien in Kooperation mit dem Music Information Center Austria (MICA) der interationale Workshop „The Blockchained Music Business“ mit den Workshop-LeiterInnen Carlotta De Ninni (Mycelia for Music Foundation, London), Peter Jenner (Sincere Management, London) und Benji Rogers (PledgeMusic & Dot Blockchain Music, New York) statt. Im dritten Teil der Zusammenfassung des Blockchain-Workshops dreht sich alles um die Frage, ob die Blockchain der Ausgangspunkt für die Entwicklung einer globalen Musikrechtedatenbank sein könnte? Diese Frage wurde ausführlich von der von Peter Jenner (Sincere Management, London) geleiteten Arbeitsgruppe diskutiert und die Ergebnisse können hier nachgelesen werden:

 

Die Blockchain als Neustart für eine globale Musikrechtedatenbank?

Zusammenfassung auf der Basis der Mitschrift von Michael Fink

 

Workshop-Leiter Peter Jenner (Sincere Management, London) zeigte sich eingangs optimistisch, dass die Blockchain eine gute technologische Basis für eine globale Musikrechtedatenbank liefern würde, wodurch jede/r Berechtigte nutzungsgerecht Zahlungen erhalten könnte. In diesem Zusammenhang sind aber Codes wie der International Standard Recording Code (ISRC) oder der International Standard Musical Work Code (ISWC) von großer Bedeutung, die bei jeder technologischen Datenbanklösung Berücksichtigung finden müssen. Darin war sich die Arbeitsgruppe einig. Allerdings sind damit auch Probleme verbunden, weil zahlreiche Songs den gleichen Titel aufweisen und es zu Verwechslungen kommt. Aber auch wenn die Codes korrekt vergeben wurden, besteht immer noch das Problem von Tippfehlern, die dann verhindert, dass RechteinhaberInnen zu ihrem Geld kommen. Diese Probleme kann auch die Blockchain-Technologie nicht ändern.

 

Längere Zeit drehte sich die Diskussion in der Arbeitsgruppe auch um die Frage, wie mit Mash-ups, Cover-Versionen und Samplings in einer Blockchain-basierten Datenbank zu verfahren sei? Stünde auch der UrheberIn der Originalversion eine Vergütung zu und wenn ja, wie hoch müsste dieses sein? Sind die Credits tatsächlich gesichert und wer entscheidet das in der Blockchain? Solange es sich um neue Songs handelt, ließe sich das Problem wohl lösen, aber was ist mit Material aus den Backkatalogen? Hier besteht bereits in vielen Fällen Unklarheit über die Rechte und wie kann hier die Blockchain helfen? – mehr Fragen als Antworten. In einer Frage war sich die Arbeitsgruppe aber einig, dass nämlich die Blockchain als Teil der Lösung für korrekte Daten und unmittelbare Zahlungsvorgänge ist.

 

Ein weiteres Thema in der Diskussion war, ob die Blockchain dazu führt, dass Intermediäre (z.B. Verwertungsgesellschaften) und ihre derzeitigen Aufgaben nicht mehr gebraucht werden. Es bestand aber Konsens, dass Verwertungsgesellschaften weiterhin nötig sind, sie sich aber den technologischen Änderungen anpassen müssten. Sie könnten Serviceleistungen anbieten, die vor allem im Monitoring der Datenströme auf der Blockchain liegen könnten. Die Verwertungsgesellschaften sollten daher die Blockchain als Technologie nützen, um sie zum Vorteil ihrer Bezugsberechtigten einsetzen. So könnte mit Hilfe einer Blockchain-basierten Musikdatenbank, YouTube besser monetarisiert werden. Bislang erfolgt in den meisten Fällen, wen Material auf YouTube hochgeladen wird, kein Rechteclearing. Damit bleiben Lizenzzahlungen aus. Wenn aber Musiktracks über die Blockchain leicht identifiziert werden können, dann ließen sich auch die RechteinhaberInnen leichter feststellen und es könnten zielgenau Auszahlungen vorgenommen werden. Derzeit ist es nämlich sehr schwierig in allen Fällen die Berechtigten eines Musikvideos auf YouTube festzustellen.

 

Dennoch blieben für die Arbeitsgruppe viele Fragen offen: Was passiert, wenn das Minimal Viable Dataset (MVD) nicht korrekt ist – werden die KünstlerInnen trotzdem irgendwie bezahlt? Ist das System wirklich vor Hacker-Angriffen 100% sicher? Ist die mit der Blockchain verbundene Transparenz tatsächlich so wünschenswert – insbesondere für die KünstlerInnen? Fragen also, die noch ausführlich diskutiert werden müssen.

 

Workshop-Teilnehmer:

Alexander Kukelka (Österreichischer Komponstenbund)

Alexander Schindler (Austrian Institute of Technology)

Andreas Mahringer (Record Bird)

Roman Oslansky (AKM)

Felix Schmalek (Die Grünen)

 

Siehe auch:

Teil 1: Die Blockchain im Musikbusiness – die KünstlerInnen-Perspektive

Teil 2: Die Blockchain im Musikbusiness – die Perspektive der Intermediäre

 

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