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Musikwirtschafts-Jour-fixe am 19. Mai 2016: Die Entstehung eines Marktes für „World Music“

Am 19. Mai 2016 findet ab 19:00 im Kleinen SE-Raum am IKM (Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien) der nächste Musikwirtschafts-Jour-fixe zum Thema „Wie klingt die globale Ordnung? Die Entstehung eines Marktes für ‚World Music'“ statt. Die aus Brasilien stammende Soziologin der Universität Duisburg-Essen, Dr. Glaucia Peres da Silva, wird in ihrem Vortrag den Entwicklungsprozess des „World Music“ Marktes beleuchten. Der Vortrag basiert auf ihrer jüngst im VS Verlag erschienen Dissertation mit dem gleichen Titel.

Glaucia_Peres_Wie_klingt_die_globale_Ordnung_Cover Glaucia Peres da Silva, 2016, Wie klingt die globale Ordnung. Die Entstehung eines Marktes für „World Music“, VS Verlag, ISBN: 978-3-658-11812-9, EUR 51,39.

Alle weiteren Details zum Vortrag können in weiterer Folge nachgelesen werden.

 

Wie klingt die globale Ordnung? Die Entstehung eines Marktes für „World Music“ von Glaucia Peres da Silva

Im diesem Vortrag wird die Entstehung eines transnationalen Marktes für „World Music“ näher betrachtet. Im Zuge der Debatten über Globalisierung gewann die Kategorie „World Music“ an Bedeutung auf dem Musikmarkt, obwohl keine klare Definition dieses Begriffs vorhanden war. Verschiedene Disziplinen konkurrierten dabei, dieses Phänomens zu erfassen: Musikethnologie, Cultural Studies, Jazz, Musikwissenschaft und auch die Presse. „World Music“ wurde innerhalb von kürzerer Zeit zu einem politisch umstrittenen Begriff. Trotzdem etablierte sich seit Ende der 1980er Jahre ein Markt für „World Music“ in verschiedenen Ländern. Wie konnte ein transnationaler Markt für so einen beinahe „undefinierbaren“ Gegenstand entstehen?

 

Um diese Frage zu beantworten, wird der Entstehungsprozess des „World Music“-Marktes anhand der Methode der Process Tracing rekonstruiert. Der Fokus der Forschung liegt an der Praktiken der Akteure des Musikmarktes, die sich mit „World Music“ beschäftigen. Ausgehend von einer Londoner Marketing-Kampagne des Jahres 1987 wurden die Erzählungen, die sich damit im Verlauf der Zeit verknüpfen, sowie die Projekte, die daraus entstanden sind, aus wirtschaftssoziologischer Perspektive analysiert. Die Verschränkung des Kulturellen auf seiner symbolischen und praktischen Ebene mit dem Sozialen steht dabei im Mittelpunkt der Analyse.

 

Die Teilnehmer der besagten Kampagne bildeten ein Netzwerk von Plattenfirmen, Radiomoderatoren, Journalisten, Vertriebsunternehmen, Plattenläden und Musikethnologen, das sich auf Grundlage eines ökonomischen Ethos‘ aus London hinaus verbreitete. In Verbindung mit einer Identität unabhängiger Liebhaber, der Ethik musikethnologischer Forschung und einer grundsätzlichen moralischen Haltung im Kontext des Kulturimperialismus und einer transnationalen Debatte über Rassismus schuf dieses Ethos die Basis für die Reproduktion der Kategorie „World Music“ als einen Nischenmarkt. Innerhalb dieses Netzwerks wurden die „World Music“ Charts Europe, das European Forum of Worldwide Music Festivals und auch die Musikmesse WOMEX – The World Music Expo etabliert. Zugleich entstand eine Wahrnehmung der „World Music“ als Musikgenre, die sich mit einer bestimmten Ästhetik und einer Rhetorik verknüpfte. Ein hervorragendes Beispiel für diesen Prozess liefert das Projekt „Buena Vista Social Club“.

 

Seit Ende der 1990er Jahre reproduziert sich „World Music“ als Musikgenre mit klarem Bezug auf das Projekt „Buena Vista Social Club“ auf dem Musikmarkt. Die Musikmesse WOMEX steht dabei als Ort, von dem der Markt als Ganzer besonders gut beobachtbar ist, im Zentrum der Untersuchung. Nach einem Disput zweier Parteien um die Kontrolle des Marktes – die einen verstanden “World Music” als europäisches Projekt und die anderen als globales Phänomen – wurde die WOMEX zu einem globalen Marktplatz. Es wird daher gezeigt, wie der “World-Music”-Markt als Exportmarkt gestaltet wurde, auf dem sich zwar die Musik der ganzen Welt vermarkten ließ, jene aber eher in Europa und in Nordamerika konsumiert wurde.

 

Diese Analyse macht deutlich, dass ein Markt für „World Music“ innerhalb gesetzlichen, technischen und moralischen Rahmen entstand. Trotz der schwierigen Definition des Begriffs „World Music“ wurde ein Netzwerk auf Grundlage von gemeinsamen geteilten Werten gebildet, das sich sowohl die Schaffung und Etablierung der Kategorie „World Music“ angestrebt hat, als auch Kenntnisse über die Funktionsweise des Musikmarktes mobilisierte, um einen Nischenmarkt zu bilden. Die Marktinstitutionen für „World Music“ resultiert hiernach aus der Verschränkung der ästhetischen Werte der Marktakteure und ihrer kommerziellen Abmachungen im Kontext der transnationalen Musikindustrie.


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