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Jan
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Die Musikwirtschaftsforschung 2014 – ein Jahresrückblick

Liebe Leserinnen und Leser des Blogs zur Musikwirtschaftsforschung,

aus österreichischer Sicht stand das Musikwirtschaftsjahr 2014 im Zeichen von Conchita Wurst, die für Österreich den Eurovision Song Contest das zweite Mal gewonnen. Welche wirtschaftliche Relevanz dieser Sieg hat, wurde in einem Blogbeitrag bereits aufgearbeitet. 2015 werden zum Song Contest, der ja in Wien ausgetragen wird, wohl noch weitere musikwirtschaftliche Reflexionen am Blog angestellt werden.

Ansonsten hat aber das Thema Musikstreaming die musikwirtschaftliche Diskussion bestimmt. Taylor Swift hat weltweit mit ihrer Entscheidung, ihren gesamten Katalog vom Musikstreamingservice Spotify abzuziehen, weil sie mit den Tantiemenzahlungen der schwedischen Firma unzufrieden war, die öffentliche mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Sie stimmte damit in die Klage anderer MusikerInnen wie z.B. Thom Yorke von Radiohead, ein, die zuvor schon die geringen Auszahlungen der Musikstreamingservices angeprangert hatten – einer Frage, der ich auch im Blogpost „Is Streaming the Next Big Thing? – Die KünstlerInnen-Perspektive“ nachgegangen bin.

Nichtsdestotrotz hat sich der Siegeszug von Musikstreaming auch 2014 fortgesetzt. Die Einnahmen aus dem Streamingbusiness haben in fast allen Märkten z.B. in den USA, Japan, Deutschland, Brasilien und auch in Österreich deutlich zugenommen. Auch neue Plattformen wurden 2014 eröffnet. Man denke nur an Amazons Prime Music oder YouTubes Music Key. Das Streamingservice Beats war zudem Teil der größten Firmenübernahmen des Jahres in der Musikindustrie, als Apple, vor allem wegen der angesagten Kopfhörersparte, Beats Electronics aufgekauft hat. Der Computerhersteller kam erneut in die Schlagzeilen, als er ankündigte, dass das neue U2-Album „Songs of Innocence“ gratis an alle Apple-NutzerInnen über den iTunes-Store abgegeben werden sollte – eine US $100-Millionen schwere Marketingkampagne, mit zweifelhaftem Ergebnis.

Musikstreaming war auch eines der zentralen Themen der 5. Vienna Music Business Research Days zur Frage “How to Monetize Music in the Digital Age” (1.-3. Oktober 2014), die zum ersten Mal in Kooperation mit dem Waves Vienna Festival & Conference an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien stattfanden. Die Konferenz wurde erstmals durch einen Conference-Track-Tag ergänzt, an dem MusikwirtschaftsforscherInnen aus Australien, Brasilien, Deutschland, Großbritannien, Kroatien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich, Schweden, Spanien und Ungarn ihre aktuellen Forschungsergebnisse präsentierten. Der Young Scholars‘ Workshop war ebenfalls international besetzt und der Best Paper Award ging dieses Mal an Jordana Viotto da Cruz von der Université 13 in Paris und an Esther Bishop von der Zeppelin Universität Friedrichshafen. Beide Paper sind für die Publikation im International Journal of Music Business Research (IJMBR) vorgesehen.

 

Die Musikwirtschaftsforschung 2014 – ein Jahresrückblick

2014 erschien der nunmehr dritte Band des IJMBR mit zwei Ausgaben im April und Oktober.

Volume 3, no 2, Oktober 2014

Editorial von Peter Tschmuck

Francisco Bernardo & Luís Gustavo Martins: Disintermediation Effects on Independent Approaches to Music Business, S. 7-27

Ben O’Hara: Creativity, Innovation and Entrepreneurship in Music Business Education, S. 28-59

Beatrice Jetto: Music Blogs and the Music Industry: Collusion or Independence?, S. 60-80

 

Volume 3, no 1, April 2014

Editorial von Peter Tschmuck

Adolf Dietz: The European Commission’s Proposal for a Directive on Collecting Societies and Cultural Diversity – a Missed Opportunity, S. 7-26

David Allan: Turn It Up: That’s My Song in That Ad, S. 26-51

Steven C. Brown: ‘With a Little Help from My Friends‘: Peer Production and the Changing Face of the Live Album, S. 52-66

 

Im nächsten Abschnitt sind jene wissenschaftlichen Abschlussarbeiten aufgelistet, die 2014 dem Blog dankenswerter Weise von den AutorInnen für den Download zur Verfügung gestellt wurden:

Punzengruber, Roland, Auswirkungen von On-Demand-Musikstreaming auf die Wertschöpfungsprozesse der Musikindstrie. Masterarbeit, Johannes-Kepler-Universität Linz. (mit einem Link zu Interviewpartner Dr. Jonathan Dörr)

Schwetter, Holger, Teilen – und dann? Kostenlose Musikdistribution, Monetarisierung und Selbstmanagement unter besonderer Berücksichtigung von Creative-Commons-Lizenzen. Eine empirische Studie unter unabhängigen Musikern. Eingereichte Version der Doktorarbeit an der  Universität Kassel.

 

Folgenden Studien, Forschungsberichte, wissenschaftliche Artikel und Working Paper zur Musikwirtschafts- und -industrieforschung wurden 2014 veröffentlicht:

Bazen, Stephen, Laurence Bouvard & Jean-Benoit Zimmermann, ‚Jamendo: The Heartbeat of Free Music!‘: Musicians and the Creative Commons. Working Paper, Aix-Marseille School of Economics.

Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (bdv) & Branchenmagazin Musikmarkt, GfK-Konsumstudie zum Veranstaltungsmarkt in Deutschland 2013, Starnberg: Josef-Keller-Verlag.

Bürkner, Hans-Joachim & Bastian Lange, Wertschöpfung in der Szenewirtschaft – Elektronische Clubmusikproduktion in Deutschland. Working Paper 2014.

Edison Research & Triton Digital, The Infinite Dial 2014. Online Radio and Music Discovery.

Galuszka, Patryk & Victor Bystrov, Crowdfunding: A Case Study of a New Model of Financing Music Production, Journal of Internet Commerce, 13(3-4), 233–252.

Goldmedia, Webradiomonitor 2014 im Auftrag der Bayrischen Landeszentrale für Neue Medien und dem Bundesverband Digital Wirtschaft.

Guerzoni, Marco & Massimiliano Nuccio, Music Consumption at the Dawn of the Music Industry: The Rise of a Cultural Fad, Journal of Cultural Economics, Vol. 38, No. 2, 2014.

Hiller, R. Scott & Kim Jin-Hyuk, Online Music, Sales Displacement, and Internet Search: Evidence from YouTube, CAPRI Publication 13-2.

Linde, Frank, Ist Schwarzkopieren eine Altersfrage? Eine Untersuchung zum Beschaffungsverhalten von digitalen Gütern in Abhängigkeit vom Alter. Kölner Arbeitspapiere zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft, Oktober 2014, Band 74.

Lunney, Jr., Glynn S., Empirical Copyright: A Case Study of File Sharing and Music Output. Tulane Public Law Research Paper No. 14-2, January 2014.

McBride, Steven, Written Direct Testimony of Steven McBride on Behalf of Pandora, Inc. before the US Copyright Royalty Judges, the Library of Congress, Washington D.C.

Mulligan, Mark & Alun Simpson, The Streaming Effect. Assessing The Impact Of Streaming Music Behaviour, Executive Summary, MEDiA Research, August 2014.

Ofcom, The Communications Market: The Digital Radio Report for the UK.

Sinnreich, Aram, Slicing the Pie: The Search for an Equitable Recorded Music Economy. Working Paper, Rutgers University New Jersey.

 

Bücher zur Musikwirtschaft und Musikindustrie aus dem Jahr 2014:

Barnet, Richard & Dicky Dixon, Directory of Music Business Degrees: Undergraduate and Graduate College Music Industry Degree Programs. Createspace Amazon.

Büchele, Manfred & Markus Albrecht, Content Flatrate & Urheberrecht. Wien: Jan Sramek Verlag

Collins Steve & Sherman Young, Beyond 2.0. The Future of Music. Sheffield: Equinox Publishing.

Feist, Jonathan, Music Industry Forms: The 75 Most Important Documents for the Modern Musician. Boston: Berklee Press.

Höhne, Steffen, Matthias Maier & Wolf-Georg Zaddach (eds.), Musikwirtschaft 2.0. Bestandsaufnahmen und Perspektiven. Weimarer Studien zu Kulturpolitik und Kulturökonomie Band 8, Leipzig: Leipziger Universitätsverlag.

Johnson Jason A., Sell Out in the Music Business! Kindle Edition.

Mazor, Barry, Ralph Peer and the Making of Popular Roots Music. Chicago: Chicago Review Press.

Murphy, Gareth, Cowboys and Indies: The Epic History of the Record Industry. New York: Thomas Dunn Books.

Owsinski, Bobby, Music 4.0: A Survival Guide for Making Music in the Internet Age. Milwaukee: Hal Leonard Books.

Steiner Paul, Sound Branding, 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. Berlin etc.: Springer.

 

Abschließenden möchte ich mich bei allen Leserinnen und Lesern bedanken, die dem Blog 2014 insgesamt 47.320 Besuche beschert haben – das sind rund 130 Besuche pro Tag. Die meisten BesucherInnen kamen aus Deutschland, gefolgt von Österreich und der Schweiz. Es gab aber auch zahlreiche Zugriffe aus den USA, Großbritannien, Spanien, Frankreich, Italien, Australien, Russland und weiteren 76 Ländern dieser Welt – darunter auch aus Argentinien, Ecuador, Kambodscha, Venezuela, Angola, Georgien, Kasachstan, Saudi Arabien, Jordanien, Syrien, Palästina und Hong Kong.

 

Die Top-10 meist besuchten Blogbeiträge 2014 waren:

  1. Die Rezession in der Musikindustrie – eine Ursachenanalyse mit 1.392 Besuchen
  2. Der Kampf der Musikindustrie gegen Filesharing & Co. – Teil 1: KaZaA und Grokster mit 1.012 Besuchen
  3. Der Wurst-Faktor – die wirtschaftliche Relevanz des Eurovision Song Contest-Siegs mit 1.010 Besuchen
  4. Rezension: “Das Geschäft mit der Musik – Ein Insiderbericht” von Berthold Seliger mit 883 Besuchen
  5. Is Streaming the Next Big Thing? – Was die KonsumentInnen wollen mit 789 Besuchen
  6. Is Streaming the Next Big Thing? – das Geschäftsmodell der Musikstreamingdienste mit 772 Besuchen
  7. Is Streaming the Next Big Thing? – eine internationale Marktanalyse mit 769 Besuchen
  8. Woodstock: Mythos und historische Fakten. Eine Spurensuche von Sabine Nikolay mit 608 Besuchen
  9. Wie böse ist YouTube? mit 589 Besuchen
  10. Der phonografische Markt in Deutschland – 2003-2013 mit 588 Besuchen

 

Unterm Strich haben, seit der Blog im März 2009 online gegangen ist, insgesamt 222.825 Zugriffe stattgefunden. Somit konnte 2014 die 200.000-Marke mit Hilfe der LeserInnen geknackt werden. Ich hoffe daher, dass auch 2015 weiterhin viel Interesse am Blog und den neuen Beiträgen bestehen wird. Gründe für einen Besuch gibt es jedenfalls zur Genüge. Vom 29. September bis 1. Oktober 2015 finden die 6. Vienna Music Business Research Days zum Thema „Financing Music in the Digital Age“ (Conference call und Call-for-Papers für den Young Scholars’ Workshop) erneut an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und wieder in Kooperation mit dem Waves Vienna Festival & Conference statt. Der vierte Band des International Journal of Music Business Research wird in einer April- und Oktober-Ausgabe erscheinen und natürlich wird es wieder viele neue Blogbeiträge, Buchrezensionen, Veranstaltungshinweise und einiges mehr geben.

Ich hoffe daher, Euch alle wieder 2015 am Blog begrüßen zu dürfen und sende meine besten Neujahrswünsche,

PETER

 


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