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Der Kampf der Musikindustrie gegen Filesharing & Co. – Teil 7: Usenet

Ziemlich genau vor 15 Jahren hat die erste Musiktauschbörse, Napster, zu ihrem Höhenflug angesetzt und die VertreterInnen der phonografischen Industrie in Angst und Schrecken versetzt (Geschichte von Napster Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5). In dieser sommerlichen Blog-Serie möchte ich allerdings die Geschichte des Kampfes der Musik- und Filmindustrie gegen Filesharing, Filehosting und das Usenet in der Nachfolge von Napster in ausführlichen Beiträgen nachzeichnen. Dabei wird sichtbar, welche Strategie die Industrieverbände dabei eingeschlagen und welchen Erfolg sie dabei hatten. Es wird aber auch gezeigt, wie sich die Rechtsprechung in den USA und in Europa über die Zeit hinweg geändert hat und welche zusätzlichen legistischen Maßnahmen dagegen getroffen wurden. Insgesamt entsteht ein Bild eines “Wettrüstens” zwischen Unterhaltungsindustrien und Softwareanbietern, die die Verbreitung urheberrechtlich geschützter Mediendateien ermöglichen.

Im Teil 7 der Serie wird der Kampf der Musik- und Filmindustrie gegen Usenet-Clients wie Usenet.com in den USA und UseNeXT in Deutschland thematisiert.

 

Da das Filesharing anfällig für Schadsoftware ist und der Datenverkehr über IP-Adressen nachverfolgt werden kann, wurden schon früh alternative Wege des Austauschs von Musikfiles gesucht. Fündig wurde man dabei im Usenet.

Das Usenet ist eines der ältesten noch bestehenden Computernetzwerke der Welt und wurde 1979 von Tom Truscott und Jim Ellis, zwei Absolventen der Duke University, in den USA entwickelt, um elektronische Nachrichten verbreiten und lesen zu können (siehe dazu Lueg und Fisher 2003).[1] Das Usenet ist somit älter das World Wide Web (WWW) und verlor mit dessen Aufstieg auch an Popularität. Dafür wurde es immer stärker zum Tausch von Dateien, darunter vermehrt urheberrechtlich geschützter Mediendateien, genutzt. Der Vorteil des Usenets gegenüber den heute beliebten Web-Foren ist, dass es ohne zentralen Server und grundsätzlich auch ohne Systemadministratoren auskommt. Das Usenet gleicht einem sich ständig ändernden Organismus, dessen Grenzen nicht eindeutig zu ziehen sind. Aufgrund der Dezentralität des Netzwerks ist es daher so gut wie unmöglich, Urheberrechtsverletzungen wirksam zu bekämpfen. Sobald eine Usenet-UserIn, die Urheberrecht verletzt hat, identifiziert und aufgefordert werden kann, eine inkriminierte Datei zu löschen, hat sich diese bereits über andere Server verbreitet. Zudem ist es aufgrund der Anonymität des Systems sehr schwierig die Identität der NutzerInnen festzustellen. Im Gegensatz zu Peer-to-Peer Filesharing-Netzwerken (P2P), ist es nicht möglich, den Weg einer Datei zum Ausgangspunkt zurückzuverfolgen, da sich ein Downloader nur zum nächstbesten Server, der den gewünschten Inhalt anbietet, verbindet und nur dieser Server die IP-Adresse des Anbieters der Datei kennt (siehe dazu Pfaffenberger 2003: 20-44).

Das Usenet wurde und wird immer noch für die Verbreitung von Kinderpornografie und urheberrechtlich geschützter Mediendateien wie Musik- und Film-Files genutzt. 2008 eröffnete der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, eine Kampagne gegen das Usenet, nachdem in zahlreichen Newsgroups, die Verbreitung von kinderpornografischen Darstellungen nachgewiesen werden konnte. Am 10. Juni 2008 gab Cuomo bekannt, dass die drei großen US-amerikanischen Internetservice-Provider Verizon Communications Inc., Time Warner Cable Inc. und Sprint Nextel Corp. keine bzw. die größten Newsgroups nicht mehr hosten würden.[2] Dieser Schlag gegen die Verbreitung von Kinderpornographie rückte das gesamt Usenet in ein schlechtes Licht und hatte den Nebeneffekt, dass durch das Blocken entweder aller bzw. der wichtigsten Newsgroups auch der Tausch urheberrechtlich geschützter Files verhindert wurde. In einem Interview mutmaßt einer der Board Member des Quasi-„Aufsichtsrates“ über die acht größten Newsgroups des Usenets, Jeremy Nixon, dass der vermeintliche Schlag gegen Kinderpornographie eigentlich dem Tausch von Film- und Musikdateien gegolten hat: „(…) the biggest usage of bandwidth is nonporn video content, followed by music and software. Pornography is a relatively small portion of it.“[3]

Wie dem auch sei, das Usenet hat durch diesen Schlag keineswegs an Funktionalität eingebüßt. Zum einen sind nicht alle ISPs in den USA dem Vorbild der genannten gefolgt und zum anderen kann der Zugang zum Usenet auch über Newsgroup Service Provider (NSPs) hergestellt werden. Die Wachstumswachsraten des Traffics, der über die Usenet-Newsgroups läuft, zeigen, dass das Usenet bis heute sogar an Bedeutung gewonnen hat.

 

Abbildung 1: Der jeweils im Januar eines Jahres im Usenet gemessene tägliche Datentraffic (in Gigabytes) von 1998-2014

Usenet-Traffic 1998-2014

Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Usenet (letzter Zugriff am 4. Juli 2014).

 

Abbildung 1 belegt, dass das tägliche Datenvolumen, das über das Usenet läuft, seit 1998 exponentiell gewachsen ist. Das ist zum einen auf die automatisierten Spam-Mails aber zum anderen vor allem auf die Zunahme des Austauschs von Mediendateien in den so genannten Binaries-Newsgroups zurückzuführen. Zwar hatte das energische Vorgehen des New Yorker Generalstaatsanwalts gegen das Usenet im Jahr 2008 einen vorübergehend dämpfenden Effekt, aber das verhinderte keineswegs das starke Wachstum der Datenmengen in den Folgejahren. Im Januar 2014 betrug die gesamte Datenmenge, die im Usenet pro Tag umsetzt wurde, 15,5 Terabytes. Das größte Datenvolumen entfällt dabei auf die Binaries-Newsgroups, die nach aktuellen Statistiken[4] mehr als 99 Prozent des Usenet-Traffics ausmachen. Mit 58,5 GB pro Tag ist die Newsgroup alt.binaries.dvd die mit Abstand größte und beansprucht 11,2 Prozent des gesamten über das Usenet abgewickelten Datenvolumens. Weitere 33,1 GB pro Tag entfallen auf die Newsgroup alt.binaries.dvdr, was einem Anteil von 6,3 Prozent am gesamten Datenvolumen entspricht. DVD- bzw. Film-Newsgroups beanspruchen das größte Datenvolumen am Usenet, gefolgt von Software – und Multimedia-Newsgroups. Aber auch Newsgroups, die sich mit Musik beschäftigen, liegen in der Datenstatistik im oberen Bereich. Unter den gemessen am Datenvolumen Top-30-Newsgroups befinden sich auch fünf musikbezogene Newsgroups – alt.binaries.sounds.mp3, alt.binaries.beatles, alt.binaries.mpeg.video.music, alt.binaries.sounds.mp3.complete_cd, alt.binaries.sounds.lossless –, die zusammen ein tägliches Datenvolumen von 24,6 GB verbrauchen, was einem Anteil von 4,7 Prozent am Usenet-Traffic entspricht.

 

Der Usenet.com-Fall

Da das Usenet in seiner Gesamtheit nicht kontrollierbar ist, sind die großen Rechteinhaber dazu übergangen, einzelne Clients, die sich des Usenets bedienen, wegen urheberrechtlicher Vergehen gerichtlich zu belangen. Die Recording Industry Association of America (RIAA) wählte sich Usenet.com, Inc. als Ziel für die gerichtliche Verfolgung aus, da Usenet.com besonders dreist den NutzerInnen seine Dienstleistungen für monatlich US$ 4,95 bis US$ 18,95 offerierte.[5] Usenet.com richtete sich vor allem an jugendliche FilesharerInnen mit dem Slogan: „A safe alternative to peer-to-peer file sharing programs they were getting shut down.“ Und auf der Website ware zu lesen: „(…) also had pages devoted to certain popular recording artists and expressly promoted the availability of ‚free music‘ and MP3 files for download.“[6]

Der Usenet.com-Fall war deshalb so brisant, da die NutzerInnen bereit waren, monatliche Zahlungen für einen Á-la-carte-Musikdownload-Zugang zu bekommen, wobei ihnen im Gegenzug völlige Anonymität und Schutz vor Strafverfolgung zugesichert wurde. Das Beispiel zeigt, dass durchaus eine Zahlungsbereitschaft für ein monatliches All-you-can-it-Dowloand-Angebot bestand, das allerdings von den Labels bis heute nicht durch eine entsprechende Lizenzierungspolitik ermöglicht wird.

In der am 12. Oktober 2007 federführend von der RIAA eingereichten Klage[7] gegen Usenet.com, Inc. wird dem Unternehmen vorgeworfen, Newsgroups auf den firmeneigene Server zu laden, auf denen massenhaft Urheberrechtsverletzungen begangen werden. Damit weise Usenet.com die gleiche Funktionalität wie die P2P Filesharing-Services auf, ginge aber darüber hinaus, weil eine höhere Download-Geschwindigkeit ermöglicht wird und die inkriminierten Files länger für den Download bereit gehalten würden als das beim Filesharing der Fall ist. Darüber hinaus würde den UrheberrechtsverletzerInnen auch noch Anonymität bei ihrem Treiben zugesichert werden, da weder die IP-Adresse der DownloaderIn identifiziert noch der Download nachverfolgt werden könne. Auf diese Weise würden täglich tausende Urheberrechtsverletzungen begangen werden. Der Schaden, der den KlägerInnen, „(…) who invest millions of dollars and enormous creative energies to produce their creative copyrighted works, is manifest and irreparable“,[8] wie die Klagschrift ausführt, wäre immens.

Besonders sauer stieß den KlägerInnen auf, dass Usenet.com ein monatliches Abo-Modell anbiete, das den Zugriff auf Milliarden Sound-Files ermögliche.[9] Die beklagte Firma wende sich bewusst an Personen, die gratis Musik im MP3-Format herunterladen wollen und bewirbt das auch noch auf seiner Webpage: „The number of mp3s you can download depends on your daily download limits, of course, which depends on the type of account you have. Usenet.com, for example, offers an ‚Unlimited‘ membership account which allows member to download all the mp3s they want without worrying about reaching or exceeding their download limits.“[10] Für die klagende Seite war damit klar, dass Usenet.com nicht nur den Urheberrechtsverletzungen tatenlos zusehe, sondern diese begünstige und aktiv fördere. Auf insgesamt acht Seiten der Klagschrift[11] legten die RechtvertreterInnen der klagenden Labels dar, dass Usenet.com direkt das exklusive Verbreitungs- wie auch das Vervielfältigungsrecht ihrer MandantInnen verletzte und zudem Vorschub und Beihilfe zu Urheberrechtsverletzungen leiste und indirekt diesen Rechtsbruch ermögliche. Dafür stehe den KlägerInnen das Maximum der gesetzlich zulässigen Strafhöhe (statutory copyright damages) von US $150.000 zu.[12]

Im darauffolgenden Gerichtsverfahren bezogen sich die Rechtsanwälte der KlägerInnen auf das aus ihrer Sicht erfolgreich abgeschlossene Grokster- bzw. KaZaA-Verfahren. Zwar versuchte Usenet.com sich auf „Fair Use“- und die „Safe Habor“-Bestimmungen im Digital Millenium Copyright Act zu beziehen, was aber letztendlich scheiterte. Erschwerend kam hinzu, dass die EntscheidungsträgerInnen von Usenet.com MitarbeiterInnen, die als ZeugInnen vor Gericht aussagen sollten, just zum Zeitpunkt der Einvernahme nach Europa auf Dienstreise schickte. Entlassenen Mitarbeitern wurde erlaubt, firmeneigene Computer, die für die Beweissicherung beschlagnahmt werden sollten, mit nach Hause zu nehmen und schließlich wurden die Inhalte von sieben Computerfestplatten, die beschlagnahmt wurden, gelöscht. Dieses Verhalten war nicht gerade dazu angetan, das Gericht zu besänftigen. Bezirksrichter Harold Bear verurteilte am 30. Juni 2009[13] Usenet.com, deren Muttergesellschaft Sierra Corporate Design, Inc. sowie den Firmengründer und CEO Gerald Reynolds wegen aktiver und indirekter Urbeberrechtsverletzungen sowie wegen Vorschubleistung und Beihilfe zu derselben. Angesichts des groben Fehlverhaltens („strong evidence of extreme wrongdoing“[14]) der Beklagten im Gerichtsverfahren ließ der Richter eine Bezugnahme auf die „Safe Habor“-Bestimmung im Digital Millenium Copyright Act (DMCA) erst gar nicht zu. Damit hatte sich Usenet.com die Verteidigungslinie, die LimeWire solange aufrechterhalten konnte, verbaut.

Für die Bemessung der Höhe des zu entrichtenden Schadenersatzes verwies Richter Bear den Fall an das Magistratsgericht des Staates New York. Der zuständige Richter (Magistrate Judge Katz) lehnte zwar die von der klagenden Seite erhobenen Forderungen von US $150.000 für 878 nachgewiesene Urheberrechtsverletzungen, was einem Schadenersatzanspruch von US$ 131,7 Millionen entsprach, ab, errechnete aber seinerseits einen Schaden in der Höhe von US$ 6,585,000, d.h. US$ 750 pro Rechtsverletzung. Alle von Usenet.com-CEO Gerald Reynolds erhobenen Einwände lehnte Bezirksrichter Harold Bear ab und folgte in seinem abschließenden Urteil am 16. September 2010[15] dem Magistratsgericht, womit der Usenet.com-Fall endgültig zugunsten der Musikindustriekonzerne abgeschlossen wurde.

 

Der UseNeXT-Fall

Auch in Europa, vor allem in Deutschland, gerieten Usenet-Clients ins Visier der Rechteverwerter. Die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA erwirkte am 18. Januar 2007 beim Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen UseNeXT. Der von der in München ansässigen Firma Aviteo Ltd. betriebene Dienst versprach für eine monatliche Gebühr den unlimitierten High-Speed-Zugang zu Millionen Musiktitel im MP3-Format, der noch dazu die Anonymität der NutzerInnen wahre und den herkömmliche P2P-Tauschbörsen überlegen sei. In der einstweiligen Verfügung wurde dem Dienst untersagt, von der GEMA lizenzierte Werke zugänglich zu machen und deren Nutzung zu bewerben.[16] Der Dienstbetreiber Aviteo hielt dem entgegen, dass UseNeXT lediglich den Zugang zu den Usenet-Newsgroups ermögliche und keinerlei Datenfiles hoste. Der Dienstbetreiber beteuerte auch, dass NutzerInnen nicht zur Urheberrechtsverletzung ermutigt würden. Allerdings könne man Urheberrechtsverletzungen auch nicht zu 100 Prozent ausschließen, da man nicht in der Lage sei, die Aktivitäten in den Newsgroups zu kontrollieren.[17] Der zuständige Richter wies aber den Widerspruch von Aviteo zurück und bestätigte die einstweilige Verfügung.

Der Dienstbetreiber kam der gerichtlichen Verfügung allerdings nur zögerlich und nach Ansicht der GEMA sehr lückenhaft nach und erwirkte Anfang März 2010 eine erneute einstweilige Verfügung[18], wonach UseNeXT den Zugang zu hundert Werken des GEMA-Repertoires sperren müsse. Nach Ansicht der GEMA hätte UseNeXT eine erweitere Haftung für Zugangsvermittler, die nicht nur darin bestünde, auf die illegalen Nutzungsmöglichkeiten des Angebots hinzuweisen, sondern es müsse der Dienst selbst so modifiziert werden, dass keine Urheberrechtsverletzungen mehr möglich sind, d.h. es muss eine entsprechende Filterung der Inhalte vorgenommen werden.[19] Aviteo gestaltete daraufhin das UseNeXT-Angebot um, allerdings ging diese Umgestaltung der GEMA nicht weit genug, sodass sie im März 2014 erneut eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Hamburg erwirkte. Für zehn exemplarisch ausgewählte Werke des GEMA-Repertoires wurde Aviteo die Nutzung untersagt. Die Haftung des Dienstanbieters, so das Gericht, begründe sich nicht allein durch die explizite Bewerbung illegaler Nutzungsmöglichkeiten, sondern allein durch die Ausgestaltung des Angebots.[20] Die GEMA schloss daraus: „In einem solchen Fall ist der Dienstbetreiber in der Pflicht, die von ihm geschaffene Gefahr für illegale Nutzung geschützter Rechtsgüter zu beseitigen, etwa durch den Einsatz einer geeigneten Filtersoftware, oder notfalls sogar den Dienst einzustellen.“[21] Die Aviteo Ltd. ließ sich aber auch durch diese dritte einstweilige Verfügung nicht beeindrucken und ließ wissen, „(…) dass UseNeXT grundsätzlich nicht verhindert, dass urheberrechtlich geschützter Inhalte heruntergeladen werden können. Im Gegenteil ist es gängige Praxis, dass beanstandetet Inhalte im Rahmen des Notice-and-Takedown grundsätzlich bei den einzelnen Serverbetreibern gemeldet und von diesen aus dem usenet entfernt werden.“ Dieser wesentlich kostengünstigere Weg stünde der GEMA immer offen und es bedürfe keineswegs der Anrufung der Gerichte.[22] Es scheint also so zu sein, dass der nunmehr sieben Jahre lang anhaltende Kampf der GEMA gegen UseNeXT immer noch nicht zu Ende ist.

Die GEMA war davor durchaus erfolgreich gegen Usenet-Clients vorgegangen. Nachdem die GEMA der französischen Betreiberfirma des Usenet-Diensts Usepirat eine Abmahnung für die unlizenzierte Nutzung von GEMA-Werken im Streitwert von EUR 750.000 zukommen hat lassen, stellte Usepirat seine Tätigkeit am 1. August 2007 ein.[23] Am 18. Juni 2007 erwirkte die GEMA beim Landgericht Hamburg gegen den Usenet-Client Alphaload eine einstweilige Verfügung, wonach der Zugang zu Musikwerken aus dem GEMA-Repertoire zu unterbinden sei. Alphaville bewarb seinen Dienst mit der Verfügbarkeit von 300 Terabyte an Mediendateien, die noch dazu sicher und schnell heruntergeladen werden könnten. Alphaville sei jedem Filesharing-System überlegen. Den Zugang zum Usenet bot Alphaville in einer Preisspanne von EUR 7,95 für ein Datenvolumen von 10 GB bis 19,95 EUR für 50 GB an. Im Mai 2007 hatte die GEMA 139 Werke aus ihrem Repertoire identifiziert, die unzulässiger Weise über Alphaville zugänglich gemacht wurden. Auf eine entsprechende Abmahnung reagierte die Schweizer Betreiberfirma Walea nicht. Das löste die angesprochene einstweilige Verfügung aus, gegen die Walea am 26. Oktober 2007 berief. Diese Berufung wurde am 28. Januar 2009 mit einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg abgelehnt. Darin wurde nicht nur die einstweilige Verfügung bestätigt, sondern auch Walea jegliche Werbung für die Nutzung des Dienstes untersagt. Zudem musste die Schweizer Firma 70 Prozent des Streitwertes von EUR 695.000 bezahlen.[24] Walea stellte schließlich Alphaload ein und wurde selbst im August 2010 liquidiert und aufgelöst.[25]

 

Siehe auch:

Teil 1: KaZaA und Grokster

Teil 2: LimeWire

Teil 3: Finreactor, Suprnova und Elite Torrent

Teil 4: TorrentSpy und isoHunt

Teil 5: The Pirate Bay

Teil 6: Mininova

 

Fußnoten

[1] Zur Funktionsweise des Usenet siehe http://www.livinginternet.com/u/u.htm (letzter Zugriff am 3. Juli 2014) sowie http://www.usenet-guide.de/Was_ist_das_Usenet.htm (letzter Zugriff am 4. Juli 2014). Hier wird vor allem auf den Austausch über wissenschaftliche Themen über das Usenet verwiesen.

[2] Siehe dazu Computerworld vom 10. Juni 2008: „3 Top ISPs to Block Access to Sources of Child Porn“ (http://www.computerworld.com/s/article/9095778/3_top_ISPs_to_block_access_to_sources_of_child_porn, letzter Zugriff am 3. Juli 2014).

[3] Siehe dazu PC World vom 7. Oktober 2008: Usenet: Not Dead Yet (http://www.pcworld.com/article/151989/usenet_not_dead_yet.html?page=0, letzter Zugriff am 3. Juli 2014).

[4] Der täglich aktuellste Stand des Daten-Traffics im Usenet kann auf http://usenetstats.com/top100bytes.php abgerufen werden (letzter Zugriff am 4. Juli 2014).

[5] Siehe dazu ArsTechnica.com vom 1. Juli 2009: „Judge throws book at Usenet.com in RIAA lawsuit“ (http://arstechnica.com/tech-policy/2009/07/judge-throws-book-at-usenetcom-in-riaa-lawsuit/, letzter Zugriff am 4. Juli 2014).

[6] Ibid.

[7] Arista Records LLC v. Usenet.com, Inc., October 12, 2007, No. 07 Civ. 8822, complaint for damages and for declaratory and injunctive relief, U.S. District Court for the Southern District of New York (http://politechbot.com/docs/riaa.usenet.complaint.101607.pdf, letzter Zugriff am 6. Juli 2014).

[8] Ibid.: 4.

[9] Ibid.: 11.

[10] Zitiert ibid.: 10.

[11] Ibid.: 16-

[12] Ibid.: 18-24.

[13] Arista Records LLC v. Usenet.com, Sierra Corporate Design, Inc. und Gerald Reynolds Inc., June 30, 2009, No. 07 Civ. 8822, opinion and order (http://www.loeb.com/~/media/Files/Publications/2009/02/Arista%20Records%20LLC%20et%20al%20v%20Usenetcom%20Inc%20et%20al/Files/Arista%20Records%20v%20Usenet%20SDNY%20Jan%202009/FileAttachment/Arista%20Records%20v%20Usenet%20SDNY%20Jan%202009.pdf, letzter Zugriff am 6. Juli 2014).

[14] Ibid.: 17.

[15] Arista Records LLC v. Usenet.com, Sierra Corporate Design, Inc. und Gerald Reynolds Inc., September 16, 2010, No. 07 Civ. 8822, opinion and order (http://www.loeb.com/~/media/Files/Publications/2010/09/Arista%20Records%20LLC%20v%20Usenetcom%20Inc/Files/Arista%20Records%20v%20Usenet%20SDNY%20Sept%202010/FileAttachment/Arista%20Records%20v%20Usenet%20SDNY%20Sept%202010.pdf, letzter Zugriff am 6. Juli 2014).

[16] Siehe dazu heise.de vom 24. Januar 2007: „GEMA erwirkt einstweilige Verfügung gegen UseNeXT“ (http://www.heise.de/newsticker/meldung/GEMA-erwirkt-einstweilige-Verfuegung-gegen-UseNeXT-138277.html, letzter Zugriff am 7. Juli 2014).

[17] Siehe dazu heise.de vom 25. Januar 2007: „UseNeXT will Verfügung wegen Urheberrechtsverletzungen nicht hinnehmen“ (http://www.heise.de/newsticker/meldung/UseNeXT-will-Verfuegung-wegen-Urheberrechtsverletzungen-nicht-hinnehmen-138416.html, letzter Zugriff am 7. Juli 2014).

[18] Einstweilige Verfügung des Landgerichts Hamburg, Az. 308 O 698/09.

[19] Siehe dazu heise.de vom 8. März 2010: „Verwertungsgesellschaft GEMA meldet neuen juristischen Erfolg gegen UseNeXT“ (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Verwertungsgesellschaft-GEMA-meldet-neuen-juristischen-Erfolg-gegen-UseNeXT-948735.html, letzter Zugriff am 7. Juli 2014).

[20] Siehe dazu heise.de vom 24. März 2014: „GEMA setzt sich erneut gegen UseNeXT durch“ (http://www.heise.de/newsticker/meldung/GEMA-setzt-sich-erneut-gegen-UseNeXT-durch-2154404.html), letzter Zugriff am 7. Juli 2014).

[21] Pressemitteilung der GEMA vom 25. März 2014: „GEMA setzt sich erfolgreich gegen ‚UseNeXT‘ durch (https://www.gema.de/presse/pressemitteilungen/presse-details/article/gema-setzt-sich-erfolgreich-gegen-usenext-durch.html, letzter Zugriff am 7. Juli 2014).

[22] Siehe dazu Musikmarkt vom 24. März 2014: „GEMA vs. UseNeXT: ‚bahnbrechender gerichtlicher Erfolg gegen illegale Nutzung'“ (http://www.musikmarkt.de/Aktuell/News/GEMA-vs.-UseNeXT-bahnbrechender-gerichtlicher-Erfolg-gegen-illegale-Nutzung, letzter Zugriff am 7. Juli 2014).

[23] Siehe dazu heise.de vom 3. August 2007: „Usenet-Zugangsanbieter macht nach Abmahnung der GEMA den Laden dicht“ (http://www.heise.de/newsticker/meldung/Usenet-Zugangsanbieter-macht-nach-Abmahnung-der-GEMA-den-Laden-dicht-159126.html, letzter Zugriff am 8. Juli 2014).

[24] Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg vom 28. Januar 2009 im Fall GEMA gegen Walea GmbH Az. 5 U 255/07.

[25] Angaben nach: http://www.moneyhouse.ch/u/walea_gmbh_CH-140.4.002.859-4.htm?eid=828511 (letzter Zugriff am 8. Juli 2014).


1 Response to “Der Kampf der Musikindustrie gegen Filesharing & Co. – Teil 7: Usenet”


  1. 1 mandyreus
    1. März 2015 um 10:56 pm

    Ich mein, dass ist doch genau das gleiche wie mit dem Streaming. Immer mehr User Streamen illegale Kino Filme… statt also sich dagegen zu wehren, sollten doch lieber Strukturen geschaffen werden, damit mehr User legale Filme Streamen.

    Das Problem mit dem Usern ist ja auch schon ewig bekannt. Und da sprießen ja immer neue Anbieter auf dem Markt, sei es topusenet.de, Usenetserver.comm etc. Auch hier sollten lieber Maßnahmen getroffen werden, anstatt die Anbieter zu verklagen..


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