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Der Kampf der Musikindustrie gegen Filesharing & Co. – Teil 5: The Pirate Bay

Ziemlich genau vor 15 Jahren hat die erste Musiktauschbörse, Napster, zu ihrem Höhenflug angesetzt und die VertreterInnen der phonografischen Industrie in Angst und Schrecken versetzt (Geschichte von Napster Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5). In dieser sommerlichen Blog-Serie möchte ich allerdings die Geschichte des Kampfes der Musik- und Filmindustrie gegen Filesharing, Filehosting und das Usenet in der Nachfolge von Napster in ausführlichen Beiträgen nachzeichnen. Dabei wird sichtbar, welche Strategie die Industrieverbände dabei eingeschlagen und welchen Erfolg sie dabei hatten. Es wird aber auch gezeigt, wie sich die Rechtsprechung in den USA und in Europa über die Zeit hinweg geändert hat und welche zusätzlichen legistischen Maßnahmen dagegen getroffen wurden. Insgesamt entsteht ein Bild eines “Wettrüstens” zwischen Unterhaltungsindustrien und Softwareanbietern, die die Verbreitung urheberrechtlich geschützter Mediendateien ermöglichen.

Im Mittelpunkt des fünften Teils der Serie steht der spektakuläre The Pirate Bay-Fall, der bis heute noch nachwirkt.

 

Nach den erfolgreichen Kampagnen gegen BitTorrent in den USA verlagerte sich daher diese Form des Filesharings verstärkt in jene Regionen, wo die rechtlichen Rahmenbedingungen weniger restriktiv waren als in den USA. Eines jener Länder war Schweden, wo zwar die Info-Richtlinie der EU aus dem Jahr 2001[1] umgesetzt worden war, nicht aber die Richtlinie zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums aus dem Jahr 2004.[2] Unter diesen rechtlichen Rahmenbedingungen wurde am 1. August 2003 „Piratbyrån“ (zu Deutsch „Piratenbüro“)[3] als eine Lobby-Organisation für den freien und ungehinderte Austausch von Informationen im Internet in Stockholm gründeten. Ein Mitglied von Piratbyrån, Per Gottfrid Svartholm Warg hatte im selben Jahr die BitTorrent-Seite The Pirate Bay programmiert.[4] 2004 stieß Fredrik Neij zu diesem Projekt, um sich um die technischen Aspekte der Seite zu kümmern. Schließlich schloss sich auch noch Peter Sunde Kolmisoppi The Pirate Bay an, der die Akquise von Geldgebern verantwortlich war und nach außen hin auch als Sprecher der Seite auftrat. Ein Jahr nach Inbetriebnahme der Seite wurden bereits 60.000 Torrent-Files gehostet, auf die von mehr als einer Million NutzerInnen zugegriffen wurde. Zu diesem Zeitpunkt begann sich der Unternehmer und Investor Carl Lundström[5] für The Pirate Bay zu interessieren. Lundström hatte im Herbst 2004 Neij während einer Messe in Jönköping kennen gelernt. Neij hatte ihn dabei auf Swartholm Warg und The Pirate Bay aufmerksam gemacht. Bei einem Treffen mit Swartholm führte ihm dieser die BitTorrent-Seite vor und versicherte ihm, dass zwar der Zugang zu urheberrechtlich geschützten Werken über die Seite ermöglicht wird, die Seite selbst aber keine Urheberrechtsverletzungen beging. Lundström und Neij vereinbarten daraufhin, dass Neij einen Job mit reduziertem Gehalt bei Lundströms Rix Telecom erhalten und The Pirate Bay kostenlos mit Bandbreite versorgt werden sollte. Die Pirate Bay-Server sollten in den Betriebsräumlichkeiten von Rix Telecom aufgestellt werden und auch dann dort verbleiben, wenn der The Pirate Bay profitabel arbeiten würde. Rix Telecom ging über eine Tochtergesellschaft zudem mit dem Internet Service Provider PRQ Internet, der die The Pirate Bay-Domain besaß und die Server für die BitTorrent-Seite betrieb, im Oktober 2004 eine Partnerschaft ein. In der Folge stellte Lundström zwei Computer im Wert von SEK 40.000 PRQ zur Verfügung, die als Server für The Pirate Bay dienten. Lundström regte Anfang 2005 auch ein Redesign der Seite, die ab Juni 2005 nicht nur in Schwedisch, sondern auch in zahlreichen anderen Sprachen verfügbar gemacht wurde. Davor hatte sich Lundström, wie der beschlagnahmte E-Mail-Verkehr belegt, die Rechtsauskunft eingeholt, dass The Pirate Bay sich auf nicht legalem Grund bewegte. Daraufhin versuchte Lundström The Pirate Bay nach Argentinien oder Russland zu verlagern, was allerdings misslang. Dennoch unterstütze Lundström weiterhin die BitTorrent-Seite mit Hardware und entsprechenden Serverkapazitäten. Er war sogar von Zahlungen in der Höhe von SEK 1,2 Millionen informiert, die die Transworld Advertising Agentur für verkaufte Werbeflächen an The Pirate Bay im Herbst 2005 und im Frühjahr 2006 nachweislich erhalten hatte.

Zwischen 2004 und 2006 entwickelte sich The Pirate Bay zur beliebtesten Tauschbörse für Musik, Filme, Software, Games und andere Mediendateien. Die Motion Picture Association of America (MPAA) war aber bereits im Herbst 2004 auf die BitTorrent-Seite aufmerksam geworden. Nach eigenen Angaben hatte die MPAA 2004 die schwedische Polizei aufgefordert, gegen The Pirate Bay vorzugehen.[6] In einem Brief, datiert mit 17. März 2006, wandte sich John J. Malcolm, für Anti-Pirateriefragen zuständiger Vizepräsident der MPAA, mit der Bitte an Dan Eliasson, Staatssekretär im schwedischen Justizministerium, gegen The Pirate Bay aktiv zu werden. In dem Schreiben verwies Malcolm auf dringliche Bitten der US-Botschaft an die schwedische Regierung gegen The Pirate Bay vorzugehen. Und er gab zu Bedenken, „(…) it is certainly not in Sweden’s best interests to earn a reputation among other nations and trading partners as a place where utter lawlessness with respect to intellectual property rights is tolerated. I would urge you once again to exercise your influence to urge law enforcement authorities in Sweden to take much-needed action against The Pirate Bay.“[7]

Am 31. Mai 2006 fanden an zehn verschiedenen Orten darunter auch beim Service Provider PRQ, der ebenfalls Server für die BitTorrent-Seite hostete, Polizeirazzien statt, in deren Verlauf alle Server und andere Hardware sowie Software beschlagnahmt wurden.[8] Gottfrid Svartholm, Fredrik Neij und Mikael Viborg, der als Rechtsberater von The Pirate Bay fungierte, wurden festgenommen und die The Pirate Bay-Seite vom Netz genommen. Allerdings musste die schwedische Polizei die drei nach einem ausführlichen Verhör noch am selben Tag auf freien Fuß setzen. Bereits am nächsten Tag war The Pirate Bay wieder online und ein paar Tage später wieder voll in Betrieb.[9] Die mediale Aufmerksamkeit, die das behördliche Vorgehen erregte, führte dazu, dass die NutzerInnen-Zahlen von The Pirate Bay explodierten. Die Anzahl der registrierten NutzerInnen stieg kurz nach der Wiederinbetriebnahme der Seite von rund 1 Million auf 2,7 Millionen und jene der Up- und Downloader (Peers) von rund 5 Millionen auf 12 Millionen. Auf der Internetstatistik-Seite Alexa stieß The Pirate Bay, die davor um den Platz 500 gerankt wurde, in die Liste der Top-100 meistbesuchten Seiten vor.[10]

In der Folgezeit hielt das Wachstum von The Pirate Bay weiter an. Anfang November 2008 wurden bereits 3,1 Millionen registrierte Nutzer und 20,4 Millionen Peer für rund 1,6 Millionen Torrent-Files gezählt.[11] Die Film- und Musikindustrieverbände wollten The Pirate Bay aber nicht nur juristisch das Handwerk legen, sondern versuchten auch, die Server der BitTorrent-Seite lahmzulegen. Im September 2007 wurde der gehackte E-Mail-Verkehr der Firma MediaDefender publik gemacht, wonach das Unternehmen im Auftrag seiner Kunden aus der Film-, Musik- und Softwareindustrie The Pirate Bay aber auch andere unliebsame Seiten zu hacken, mit Spy- und Trojanersoftware zu infizieren und so außer Gefecht zu setzen. Als dies bekannt wurde, reichten die Betreiber von The Pirate Bay Klage gegen diese Firma aber auch gegen EMI Music Sweden AB, Sony-BMG Music Entertainment (Sweden) AB, Universal Music Group Sweden AB und vier Filmstudios sowie drei Games-Entwickler ein, die allerdings von den zuständigen Behörden abgewiesen wurde.[12]

Die polizeilichen Untersuchungen gegen The Pirate Bay wurden hingegen fortgesetzt und im November 2007 kündigte die Staatsanwaltschaft an, gegen die Hauptverantwortlichen der BitTorrent-Seite Anklagen vorzubereiten.[13] Am 31. Januar 2008 wurde schließlich gegen Hans Fredrik Neij, Per Svartholm Warg, Peter Sunde Kolmisoppi und Carl Lundström Anklage wegen Beihilfe zur Begehung von Urheberrechtsverletzungen erhoben.[14]

Am 16. Februar 2009 begann das Verfahren in einem Stockholmer Bezirksgericht. Für die Kläger, darunter sechs schwedische Musikunternehmen[15], meist Tochtergesellschaften der Majors, zwei skandinavische Filmfirmen[16], fünf Hollywoodstudios[17] und zwei Games-Entwickler[18], war das Fall klar: The Pirate Bay hatte nicht nur Urheberrechtsverletzungen der NutzerInnen geduldet, sondern diesen bewusst Vorschub geleistet und einen massiven Schaden bei den Klägern verursacht. Für den Zeitraum vom 1. Juli 2005 bis zur Razzia am 31. Mai 2006 hatten die Kläger exemplarisch Musik- und Filmwerke, an denen sie die Leistungsschutzrechte besaßen, auf The Pirate Bay identifiziert und die Nutzungshäufigkeit erheben lassen. Die Plattenlabels argumentierten, dass ihnen pro illegalem Download je EUR 6,50 und pro illegalem Single-Track-Download EUR 0,70 entgangen wären. Für Titel, die vor dem offiziellen Erscheinungstermin in Schweden verfügbar gemacht wurden, multiplizierten die Labels diese Werte noch mit einem Faktor 10. Multipliziert mit den erfassten Downloads auf The Pirate Bay im Beobachtungszeitraum, würde sich daraus ein Schaden von EUR 2.188.071 plus Zinsen für den Zeitraum vom 31. Juni 2006 bis zum Zahlungszeitpunkt des Schadenersatzes ergeben. Die skandinavischen Filmfirmen reklamierten einen Schaden von SEK 6.750.000 (EUR 0,6 Mio. exkl. Zinsen) und die Hollywoodstudios von SEK 93.050.080 (EUR 8,5 Mio. exkl. Zinsen).

 

Abbildung 1: Liste der unautorisiert von The Pirate Bay heruntergeladenen Werke

Pirate Bay - 1.1Pirate Bay - 1.2Pirate Bay - 1.3

Die Prozessunterlagen zeigen, dass die Musikunternehmen jeden getätigten Download als entgangenen Verkauf ansahen. Der Schaden, der dadurch entstanden war, wäre auf die Vorbereitung und Vorschubleistung zur unautorisierten Zugänglichmachung von Film- und Musikwerken zurückzuführen bzw. hätten die Beschuldigten gegen ihre Pflicht verstoßen gegen die Urheberrechtsverletzungen vorzugehen, die ihnen hätten bekannt sein müssen. Da es sich um einen zivil- wie strafrechtlichen Prozess handelte, agierten auf der Seite der Kläger nicht nur die Anwälte der Film-, Musik- und Gamesfirmen, sondern auch ein Vertreter der schwedischen Staatsanwaltschaft. Dieser musste allerdings bereits am zweiten Prozesstag einen Rückschlag hinnehmen, da er das Gericht nicht davon überzeugen konnte, dass die als Beweismittel eingebrachten Mediendateien tatsächlich über einen Tracker von The Pirate Bay generiert wurden. Staatsanwalt Håkan Roswall ließ daraufhin die Anklage wegen Beihilfe zur Urheberrechtsverletzungen fallen und plädierte stattdessen auf Beihilfe zur Verfügbarmachung von urheberrechtlich geschützten Werken. Trotz dieser ungewöhnlichen Vorgehensweise wurde der Prozess, nicht wie von den Verteidigern der Angeklagten verlangt, abgebrochen, sondern weiter fortgesetzt (The Pirate Bay-Urteil: 15-16).

Im weiteren Prozessverlauf versuchten die Kläger zu belegen, dass die vier Angeklagten führend im Betrieb und verantwortlich für das Funktionieren der BitTorrent-Seite waren. Sie hätten zudem gewusst, dass über den Tracker massenhaft Urheberrechtverletzungen begangen würden und hätten diese sogar noch befördert. Zudem hätten sie versucht, ein werbefinanziertes Geschäftsmodell zu etablieren und verwiesen dabei auf die Zahlung von SEK 1,2 Millionen, die die Transworld Advertising Agentur für verkaufte Werbeflächen auf The Pirate Bay überwiesen hatte.[19] Die Betreiber der Seite hätten sich also an der illegalen Nutzung der Mediendateien auch noch bereichert.

Die Beklagten hielten dem entgegen, dass The Pirate Bay wie ein Internet Service Provider (ISP) funktioniere und deshalb nicht für die Urheberrechtsverletzungen der UserInnen verantwortlich gemacht werden dürfte. Immer wieder wurde auch auf die Internetsuchmaschine Google Bezug genommen, die wesentlich mehr Links zu urheberrechtlich geschütztem Material anzeigen wurde, als das bei der BitTorrent-Seite der Fall gewesen ist. Außerdem beträfe der Großteil der getauschten Dateien Werke, die urheberrechtlich nicht geschützt bzw. die frei verfügbar gemacht worden seien. Zudem verfolge The Pirate Bay keinerlei kommerzielle Ziele und die Urheberrechtsverletzungen wären zum Großteil auch nicht Schweden, sondern in anderen Ländern begangen worden und würden daher gar nicht der schwedischen Rechtsprechung unterliegen.

Peter Sunde und Carl Lundström versuchten zudem ihre Rolle bei The Pirate Bay herunter zu spielen. Sunde sah sich selbst nur als Unternehmenssprecher, der keinerlei Einfluss auf den Betrieb der BitTorrent-Seite hatte. Lundström hingegen führte seine Funktion als Investor ins Treffen, die mit keinerlei operativen Tätigkeiten bei The Pirate Bay verbunden war.

Als das Gericht am 17. April 2009 das Urteil sprach, schloss es sich voll und ganz der Argumentationslinie der Kläger an. Alle vier Beschuldigten wären gemeinschaftlich im Betrieb von The Pirate Bay eingebunden gewesen und hätten gewusst, dass die Seite im großen Umfang Urheberrechtsverletzungen ermögliche. Sie sind also der Beihilfe zur Verfügbarmachung von urheberrechtlich geschützten Werken schuldig. Auf Basis eines Sachverständigengutachtens, wonach die regelmäßige Überwachung des Datenverkehrs auf The Pirate Bay ergab, dass mehr als 96 der 100 am öftesten herunter geladenen Dateien urheberrechtlich geschützt waren, wurde die Behauptung der Angeklagte, es handle sich zum Großteil um urheberrechtlich unbedenkliche Dateien entkräftet.[20]

Die Frage, ob The Pirate Bay unter die Bestimmungen des Gesetzes zum elektronischen Handel falle und als Internet Service Provider anzusehen sei, bejahte das Gericht. Dennoch könnten die Beklagten nicht von Schadenersatzansprüchen befreit werden, weil sie nicht gegen die Urheberrechtsverletzungen eingeschritten wären und dabei sei es unerheblich, um welche konkreten Werke es sich gehandelt hat. Die Voraussetzungen zur Schadenersatzbefreiung für ISPs, die in den Paragrafen 16 bis 19 – insbesondere die §§ 18 und 19 – des schwedischen Gesetzes, waren aus Sicht des Gerichts nicht erfüllt (The Pirate Bay-Urteil: 54-56).

Auch der Einwand der Beklagten, dass ein Großteil der Urheberrechtverletzungen nicht in Schweden, sondern in anderen Ländern begangen worden wären, ließ das Gericht nicht gelten. Zwar stimme es, dass ein Vergehen nur dann in Schweden geahndet werden könne, wenn es dort begannen worden ist. Wenn allerdings nicht nachvollziehbar ist, wo ein Vergehen stattgefunden hat, gilt, dass allein die Intention, es in Schweden zu begehen, ausreicht, der schwedischen Rechtsprechung unterworfen zu sein. Da The Pirate Bay sich in erster Linie an in Schweden ansässige UserInnen gewendet hat, gelten alle Urheberrechtsverletzungen so als wären sie in Schweden begangen worden (The Pirate Bay-Urteil: 46).

Das Urteil fiel also eindeutig zuungunsten der Beklagten aus, deren Strategie sich als Provider-Betreiber, der keinen Einfluss auf den Datenverkehr hat, gescheitert war. Die vier Angeklagten waren aber vor allem an der eigenen Unverfrorenheit und mit Strategie, sich als Märtyrer und zu Unrecht durch die Unterhaltungskonzerne Verfolgte zu stilisieren, gescheitert. Das Berufungsgericht bestätigte am 21. Mai 2010 die Urteile. Die vom Bezirksgericht ausgesprochene Haftstrafe von einem Jahr wurde für Swartholm Ward aufrechterhalten, allerdings verkürzte es die Haftzeit für Neij auf zehn Monate, für Sunde auf acht Monate und für Lundström auf vier Monate.[21] Als dann am 1. Februar 2012 das schwedische Höchstgericht eine Befassung mit dem Fall ablehnte, wurden die Urteile rechtskräftig.[22] Die vom Gericht verhängten Strafzahlungen fielen zudem drakonisch aus. Gemeinsam wurden Neij, Swartholm, Sunde und Lundström zu gleichen Teilen zu Schadenersatzzahlungen in der Höhe von SEK 32,2 Millionen (EUR 2,9 Millionen) an die klagenden Musik- und Filmunternehmen sowie zur Erstattung der Verfahrenskosten in der Höhe von SEK 3,4 Millionen (EUR 308.000) verurteilt (siehe Abb. 2.3). Das Berufungsgericht erhöhte den zu leistenden Schadenersatz dann noch einmal auf SEK 46 Millionen (EUR 4,2 Millionen).

 

Abbildung 2: Schadenersatzforderungen der Rechteinhaber und gerichtlich festgesetzte Schadenersatz- und Verfahrenskostenzahlungen im Vergleich

Pirate Bay - 2

 

Mit der Verurteilung der maßgeblichen Protagonisten war aber das Kapitel The Pirate Bay noch nicht abgeschlossen. Die BitTorrent-Seite war trotz des Gerichtsbeschlusses weiterhin zugänglich und erfreute sich ungebrochener Beliebtheit. Die Industrieverbände erhöhten daher den Druck, das ISPs weltweit den Zugang zu The Pirate Bay blockieren sollten. Inzwischen kann die BitTorrent-Seite in zwanzig Ländern nicht mehr aufgerufen werden.[23] Die Blockade-Politik hatte aber den gegenteiligen Effekt. Nachdem der High Court in Großbritannien die führenden ISPs des Landes dazu angehalten hatte, den Zugang zu The Pirate Bay zu blockieren, kam es kurz danach zu einem Sprung in den Visitor-Zahlen um 12 Millionen.[24] Gleichzeitig versuchte sich The Pirate Bay dem Zugriff der Behörden dadurch zu entziehen, dass die Domain in anderen Ländern angemeldet wurde. Ab April 2013 setzte eine regelrechte Odyssee ein: Grönland, Island, St. Martin in der Karibik,[25] Ascension,[26] Peru[27] und Guyana[28]. Schließlich kehrte aber The Pirate Bay Ende 2013 wieder nach Schweden zurück.[29]

Trotz dieses Katz- und-Maus-Spiels mit den Behörden und den Industrieverbänden, scheint The Pirate Bay immer noch eine wichtige Quelle für das Filesharing zu sein. Zum Zeitpunkt der Untersuchung (August 2014) wies die Internet-Statistik-Seite Alexa.com die Domain „thepiratebay.se“ am 87. Rang der meistbesuchten Seiten weltweit aus. In den USA lag die BitTorrent-Seite auf dem 79. Rang. The Pirate Bay ist also mehr als lebendig und konnte trotz gerichtlichem Vorgehen und ISP-Sperren (noch) nicht in die Knie gezwungen werden.

 

Siehe auch:

Teil 1: KaZaA und Grokster

Teil 2: LimeWire

Teil 3: Finreactor, Suprnova und Elite Torrent

Teil 4: TorrentSpy und isoHunt

 

 Fußnoten

[1] Richtlinie 2001/29/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22.5.2001 zur Harmonisierung bestimmter Aspekte des Urheberrechts und der verwandten Schutzrechte in der Informationsgesellschaft (kurz Urheberrichtlinie oder Info-Richtlinie).

[2] Richtlinie 2004/48/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 29. April 2004 zur Durchsetzung der Rechte des geistigen Eigentums. Diese EU-Richtlinie wurde in Schweden erst am 1. April 2009 in Kraft gesetzt.

[3] Zur gemeinsamen Vorgeschichte von The Pirate Bay und Piratbyrån siehe TorrektFreak vom 23. Juni 2010: „Pirate Bay’s Founding Group ‚Piratbyrån‘ Disbands“ (http://torrentfreak.com/pirate-bays-founding-group-piratbyran-disbands-100623/, letzter Zugriff am 11. Juli 2014).

[4] Die Entstehung und weitere Entwicklung von The Pirate Bay wird anhand der Aussagen der Beklagten im Gerichtsverfahren von 2009 rekonstruiert. Diese finden sich im Originalwortlaut im Urteil des zuständigen Stockholmer Bezirksgerichts (http://static.vg.no/piratebay/dom.pdf, letzter Zugriff am 12. Juli 2014), das in einer unautorisierten Übersetzung ins Englische durch die IFPI vorliegt: http://www.ifpi.org/content/library/Pirate-Bay-verdict-English-translation.pdf (letzter Zugriff am 12. Juli 2014).

[5] Carl Lundström ist einer der Erben des Wasabröd-Konzerns und wurde nach dessen Verkauf als Investor für Telekommunikationsunternehmen tätig. Lundström hat sich zudem als Unterstützer rechtsradikaler Parteien in Schweden, wie z.B. der Schwedendemokraten (Sverigedemokraterna) hervorgetan. Ein ausführliches Porträt von Lundström findet sich im Svenka Dagbladet (http://www.svd.se/nyheter/inrikes/snedseglaren-del-1_2491563.svd, letzter Zugriff am 11. Juli 2014).

[6] Siehe dazu eine Pressemitteilung der MPAA vom 31. Mai 2006: „Swedish Authorities Sink Pirate Bay“ (http://web.archive.org/web/20060930174136/http://www.mpaa.org/press_releases/2006_05_31.pdf, letzter Zugriff am 11. Juli 2014).

[7] http://torrentfreak.com//images/pirate_mpa.pdf, letzter Zugriff am 11. Juli 2014.

[8] Ibid.

[9] Siehe dazu Wired.com vom 16. August 2006: „Secrets of the Pirate Bay“ (http://archive.wired.com/science/discoveries/news/2006/08/71543?currentPage=all, letzter Zugriff am 11. Juli 2014).

[10] Siehe dazu StartupMeme vom 12. Juli 2008: „Should The Pirate Bay thank MPAA for its cult following?“ (http://web.archive.org/web/20080719063921/http://startupmeme.com/should-piratebay-thank-mpaa-for-its-cult-following/, letzter Zugriff am 11. Juli 2014).

[11] Siehe dazu TorrentFreak vom 1. November 2008: „The Pirate Bay Tops 20 Million Peers“ (https://torrentfreak.com/the-pirate-bay-tops-20-million-peers-081101/, letzter Zugriff am 11. Juli 2014).

[12] Siehe dazu TorrentFreak vom 21. September 2007: „Pirate Bay Fires a Broadside of Complaints to Police“ (http://torrentfreak.com/piratebay-fires-a-broadside-of-complaints-to-police/, letzter Zugriff am 11. Juli 2014).

[13] Siehe dazu The Register vom 13. November 2007: „Prosecutor sets date for Pirate Bay showdown“ (http://www.theregister.co.uk/2007/11/13/pirate_bay_charges_dates/, letzter Zugriff am 11.Juli 2014).

[14] Siehe dazu Wired.com: „Pirate Bay Future Uncertain After Operators Busted“ (http://www.wired.com/2008/01/pirate-bay-futu/, letzter Zugriff am 11. Juli 2014).

[15] Sony Music Entertainmenr (Sweden) AB, Universal Music AB, EMI Music Sweden AB, Warner Music Sweden AB, Playground Music Scandinavia AB und Bonnier Amigo Music Group AB.

[16] Yellow Bird Films AB und Nordisk Film Valby A/S.

[17] Warner Bros. Entertainment Inc., Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc., Columbia Pictures Industries Inc., Twentieth Century Fox Film Corporation, Mars Media Betreiligungs GmbH & Co. Film Productions,

[18] Blizzard Entertainment Inc. und Activision Publishing Inc.

[19] In den Medien wurden Spekulationen über die finanzielle Lage von The Pirate Bay angestellt. Svendska Dagbladet schätzte am 8. Juli 2006 die monatlichen Einnahmen aus Werbung für The Pirate Bay auf SEK 600.000 (siehe http://web.archive.org/web/20101002110851/http://www.svd.se/nyheter/inrikes/pirate-bay-drar-in-miljonbelopp_334410.svd, letzter Zugriff am 13. Juli 2014). Nach Polizeiangaben, die im Fria Tidningen am 2. März 2009 veröffentlicht wurden, beliefen sich Werbeeinahmen von The Pirate Bay auf SEK 1,2 Millionen pro Jahr (siehe http://www.fria.nu/artikel/78204).

[20] Urteil im The Pirate Bay-Urteil vom 17. April 2009: 52-53 (http://www.ifpi.org/content/library/Pirate-Bay-verdict-English-translation.pdf)

[21] Siehe dazu PC Pro vom 26. November 2010: „Pirate Bay trio lose appeal against jail sentences“ (http://www.pcpro.co.uk/news/363178/pirate-bay-trio-lose-appeal-against-jail-sentences, letzter Zugriff am 13. Juli 2014).

[22] Siehe dazu Wired.com vom 1. Februar 2012: „Supreme Court of Sweden Upholds Pirate Bay Prison Sentences“, http://www.wired.com/2012/02/supreme-court-of-sweden-upholds-pirate-bay-prison-sentences/, letzter Zugriff am 13. Juli 2014).

[23] Siehe dazu Wikipedia.org: http://en.wikipedia.org/wiki/Countries_blocking_access_to_The_Pirate_Bay (letzter Zugriff am 13. Juli 2014).

[24] Siehe dazu TorrentFreak vom 2. Mai 2012: „Pirate Bay Enjoys 12 Million Traffic Boost, Shares Unblocking Tips“, https://torrentfreak.com/pirate-bay-enjoys-12-million-traffic-boost-shares-unblocking-tips-120502/, letzter Zugriff am 13. Juli 2014).

[25] Siehe dazu International Business Times vom 30. April 2013: „Pirates Of The Caribbean: The Pirate Bay Moves To Island Of St. Martin“ http://www.ibtimes.com/pirates-caribbean-pirate-bay-moves-island-st-martin-1226787, letzter Zugriff am 13. Juli 2014).

[26] Siehe dazu TorrentFreak vom 10. Dezember 2013: „The Pirate Bay Moves to .AC After Domain Name Seizure“ https://torrentfreak.com/the-pirate-bay-moves-to-ac-after-domain-name-seizure-131210/, letzter Zugriff am 13. Juli 2014).

[27] Siehe dazu TorrentFreak vom 12, Dezember 2013: „Pirate Bay Docks in Peru: New System Will Make Domains “Irrelevant“ https://torrentfreak.com/pirate-bay-docks-in-peru-new-system-will-make-domains-irrelevant-131212/, letzter Zugriff am 13. Juli 2014).

[28] Siehe dazu TorrentFreak vom 18. Dezember 2013: „Pirate Bay Moves to Guyana After Domain Suspension, 70 Domains to Go“, letzter Zugriff am 13.Juli 2014).

[29] Siehe dazu TorrentFreak vom 19. Dezember 2013: „Pirate Bay Back in Sweden’s Calm Waters After .GY Suspension“, https://torrentfreak.com/pirate-bay-back-in-swedens-calm-waters-after-gy-suspension-131219/, letzter Zugriff am 13. Juli 2014).

 

 


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