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Mai
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Der phonografische Markt in Brasilien, 2000-2013

Brasilien ist nach der jüngsten IFPI-Statistik der achtgrößte phonografische Markt der Welt und mit Abstand der größte in Lateinamerika. Zwischen 2000 und 2013 sind die Umsätze um 58 Prozent zurückgegangen, wobei sich der Markt ab 2007 stabilisieren konnte. Das ist vor allem auf das internationalen Vergleich starke Marktsegment der Musikvideos und in den weiteren Jahren vor allem auf die Zuwächse im Digitalmusikmarkt zurückzuführen. Letztere sind seit 2007 um 82,2 Prozent von Real 24,3 Mio. auf Real 136,7 Mio. gestiegen, wobei Musikstreaming seit 2011 eine immer wichtigere Rolle zukommt.

In weiterer Folge wird nun die Entwicklung des brasilianischen Musikmarktes seit 2000 genauer auf Basis der von der Associação Brasileira dos Produtores de Discos (ABPD) publizierten Marktdaten nachgezeichnet und interpretiert.

 

 

Der phonografische Markt in Brasilien, 2000-2013

Noch um 2000 waren die Umsätze der phonografischen Industrie in Brasilien noch sehr stark von Verkäufen physischer Audioprodukte (vor allem CDs) geprägt[1], die mit einem Umsatz von Real 878 Mio. einen Marktanteil von 98,5 Prozent aufwiesen. Im darauffolgenden Jahr brach der Umsatz für Audioprodukte massiv um Real 239,0 Mio. oder 27,2 Prozent ein. Die Talfahrt hielt ununterbrochen bis zum aktuellen Jahr 2013 an, in dem nur mehr Real 157,8 Mio. mit Verkäufen diverser Audioformate generiert werden konnten – ein Rückgang von 82,0 Prozent. Dass der phonografische Markt in Brasilien insgesamt nicht so stark geschrumpft ist und sich seit 2007 stabilisieren konnte, ist vor allem auf die Popularität von Musikvideos zurückzuführen. Während mit diversen Videoformaten 2000 lediglich Real 13 Mio. erzielt werden konnten, waren es 2004 Real 180,0 Mio., was einer fast Vervierzehnfachung der Umsätze entspricht. Zwar gingen die Musikvideoverläufe bis 2007 auf rund Real 100 Mio. zurück, verblieben dann aber konstant auf diesem Niveau bis 2013 dann ein Rückgang auf Real 80 Mio. festzustellen war.

 

Abb. 1 - Phonografischer Markt Brasilien, 2000-2013

 

Abb. 2 - Markt für Audio- und Videoprodukte in Brasilien, 2000-2013

 

In der Zwischenzeit konnte sich aber der Digitalmarkt entfaltet, der anfänglich stark von Umsätzen mit mobilen Musikverkäufen (in erster Linie Klingeltöne) geprägt war. 2008 konnten Real 33,8 Mio. in diesem Segment verdient werden, was einem Anteil am gesamten digitalen Musikmarkt von 77,7 Prozent entsprach. Aufgrund der sinkenden Popularität der Klingeltöne, die 2010 den mobilen Musikumsatz auf Real 11,9 Mio. fielen ließen, kam der digitale Markt nicht so recht vom Fleck.

 

Abb. 3 - Mobiler und Internet-Musikmarkt in Brasilien, 2006-2013

 

Erst mit der zunehmenden Popularität von Musikverkäufen über das Internet, setzte der Boom ein. Während Musik-Downloads aus dem Internet 2011 lediglich einen Umsatz von Real 2,4 Mio. erzielen, waren es 2012 schon Real 23,7 Mio. und 2013 Real 44,4 Mio. Noch stärker fielen die Umsätze für Musikstreaming ins Gewicht. Seit diese von der ABPD 2011 erstmals separat ausgewiesen wurden, liegen sie stets höher als die Downloadumsätze. 2013 konnte mit Audio- und Musikvideo-Streamingangeboten (exkl. YouTube und Vevo) Real 59,7 Mio. erzielt werden.

 

Abb. 4 - Digitaler Musikmarkt in Brasilien, 2011-2013

 

Die steigende Beliebtheit von Musiksubskriptions-Services aber auch werbefinanzierten Plattformen führte dazu, dass auch der mobile Musikmarkt in Brasilien wieder zu wachsen begonnen hat und sich zwischen 2011 und 2013 von Real 15,1 Mio. auf Real 32,3 Mio. fast verdoppeln konnte.

Der brasilianische Musikmarkt weist also Besonderheiten auf, die ab 2007 zu einer Stabilisierung der Umsätze führten. So stellen die Verkäufe von Musikvideos auf diversen physischen Formaten einen verhältnismäßig hohen Anteil am Gesamtumsatz dar, der seit 2004 konstant über 25 Prozent lag und erst im letzten leicht auf 21,4 Prozent zurückging. Dafür fiel der digitale Umsatzanteil in den letzten Jahren dank starken Einnahmen aus dem Musikstreaming immer stärker ins Gewicht. Lag der Digitalanteil 2007 bei lediglich 7,2 Prozent, so ist er in der Zwischenzeit auf 36,5 Prozent gestiegen.

 

Abb. 5 - Digitaler und physischer Musikmarkt in Brasilien, 2000-2013

 

Dabei nimmt aber die Bedeutung der Umsätze aus dem Streaminggeschäft (Abo und Videostreaming ohne YouTube und Vevo) seit 2011 ab, da das Geschäft mit Musikdownloads aus dem Internet erst in den letzten beiden Jahren an Fahrt gewonnen hat. Derzeit stagnieren die Umsätze aus Musikstreaming bei rund Real 60,0 Mio., wohingegen die Download-Umsätze zwischen 2012 und 2013 um 87,2 Prozent gewachsen sind, was wohl damit zu tun hat, dass iTunes in Brasilien erst seit Dezember 2011 verfügbar ist.

 

Diese Zahlen zeigen, dass der brasilianische Digitalmarkt den Übergang vom physischen zum Musikdownload-Markt übersprungen und gleich zu einem Streamingmarkt geworden ist. Angesichts der 23 im aktuellen IFPI Digital Music Report (S. 44) in Brasilien aktiven legalen digitalen Musikplattformen, scheint noch Wachstumspotenzial vorhanden. So ist Deezer erst seit Januar 2013 und Spotify vorerst noch gar nicht in Brasilien verfügbar. Es wird also sehr stark davon abhängen, ob und in welchem Ausmaß das Streaminggeschäft in Brasilien in den nächsten Jahren wachsen kann, was unbedingt vonnöten sein wird, wenn das seit 2007 gehaltene Umsatzniveau bei weiter sinkenden Umsatzzahlen im physischen Segment gehalten werden soll. Dabei kommt auch dem mobilen Musikkonsum eine zentrale Rolle zu, der noch Wachstumschancen hat, wobei bei dem immer wieder erratische Sprünge machenden brasilianischen Musikmarkt Trends schwer vorherzusagen sind.

 

Quellen:

ABPD, Berichte zum phonografischen Musikmarkt in Brasilien, Jg. 2000 bis 2013.

Apple Pressemitteilung vom 13.12.2011: „Apple Launches iTunes Store in Brazil & Latin America“ (letzter Zugriff am 09.05.2014).

Deezer Blog vom 18.01.2013: „Deezer brings its musical revolution to Brazil“ (letzter Zugriff am 09.05.2014)

IFPI Digital Music Report 2014 (letzter Zugriff 09.04.2014)

 

[1] Da in den Marktberichten der ABPD die Umsätze nicht nach einzelnen physischen Formaten differenziert werden, können keine Aussagen über deren Relevanz im Umsatzmix getroffen werden.

 

 


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