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Mai
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Der phonografische Markt in Österreich, 2001-2013

Der Marktbericht der IFPI Austria für das Jahr 2013 weist einen Gesamtumsatz von EUR 150 Mio. aus. Verglichen mit 2001 entspricht das einem Umsatzrückgang von EUR 132,8 Mio., womit sich der phonografische Markt seit 2001 nahezu halbiert hat.[1] Die Ursache dafür sind vor allem die rückläufigen CD-Verkäufe. Während 2002 noch CD-Alben im Wert von EUR 245,8 Mio. verkauft wurden, waren es 2013 nur mehr EUR 77,5 Mio. – ein Minus von 68,5 Prozent. Die Talfahrt konnte bislang auch durch den boomenden digitalen Musikmarkt nicht gestoppt werden. Betrug 2004 der Umsatz mit digital distribuierter Musik lediglich EUR 1,6 Mio., so ist dieser 2013 auf EUR 31,0 Mio. gestiegen. Dabei hat sich der Umsatzmix im Digitalsegment stark verändert. Während 2008 die Umsätze mit Master- und Ringtones mit 35 Prozent oder EUR 4,0 Mio. die zweit wichtigste Position hinter den Single-Track-Downloads (38 Prozent) waren, so spielen Klingeltöne gegenwärtig mit 3 Prozent (EUR 1,0 Mio.) nur mehr eine untergeordnete Rolle. Hingegen sind die Umsätze aus Alben-Downloads mit EUR 12,7 Mio. (41 Prozent) und Single-Track-Downloads mit EUR 10,6 Mio. (34 Prozent) dominant. Das Musikstreaming-Geschäft hat aber stark auf EUR 6,7 Mio. (22 Prozent Digitalmarkt-Anteil) zugenommen. Insgesamt konnten aber die Zuwächse im Digitalsegment die Verluste beim physischen Verkauf nicht kompensieren, sodass – auf Basis der GfK-Kassendaten – der Gesamtumsatz am phonografischen Markt in Österreich im Vergleich zu 2012 um rund 2 Prozent zurückgegangen ist.

Eine detaillierte Marktanalyse kann nun in der Folge nachgelesen werden:

 

Der phonografische Markt in Österreich, 2001-2013

Der phonografische Markt in Österreich ist trotz der starken Rückgänge im physischen Marktsegment – minus 68,9 Prozent seit 2001 – immer noch vom Verkauf von Tonträgern (CDs, DVDs und Vinyl-Schallplatten) dominiert. 2013 lag der Anteil physischer Musikverkäufe bei 58,7 Prozent. Der Digitalanteil am Gesamtmarkt ist auf 20,7 Prozent angestiegen, ist aber im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich. Die Einnahmen, die die Labels über die Verwertung von Leistungsschutzrechten auf Tonaufnahmen über die zuständige Leistungsschutzgesellschaft (LSG) erzielen, machen 2013 mehr als 15 Prozent aus und die Einnahmen aus der Verwertung von Synchronisationsrechten und Merchandising kamen auf 5,3 Prozent des Gesamtumsatzes (Abb. 1 und 2).

 

Abbildung 1: Die Entwicklung des phonografischen Marktes in Österreich, 2001-2013[2]

Abbildung 1 - Österreichischer Musikmarkt, 2001-2013

 

Abbildung 2: Die Umsatzverteilung für verschiedene Formate, 2013

Abbildung 2 - Die Umsatzverteilung für verschiedene Formate, 2013

 

Der Einbruch am physischen Markt ist vor allem auf die Verkaufsrückgänge bei CD-Alben um 68,5 Prozent auf EUR 77,5 Mio. im Jahr 2013 zurückzuführen. Aber auch die DVD-Verkäufe sind um fast die Hälfte im Vergleich zu den besten Jahren eingebrochen. Lediglich die Vinyl-Schallplatte erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance, die sich in einer 2,5fachung der Umsätze seit 2010 niederschlägt. Allerdings ist der Vinyl-Umsatz von EUR 2,5 Mio. im Jahre 2013 mit einem Marktanteil von 1,7 Prozent so gut wie irrelevant.

Der digitale Musikmarkt ist unterdessen stark gewachsen – von EUR 1,6 Mio. im Jahr 2004 auf EUR 31,0 Mio. 2013. Dabei hat sich aber der Umsatzmix in diesen zehn Jahren grundlegend verändert. Noch 2008 lagen die Einnahmen von EUR 4,0 Mio. aus dem Klingeltongeschäft mit einem Anteil von rund 35 Prozent am Digitalmarkt klar an zweiter Stelle. Mit 38 Prozent Digitalmarktanteil war der Single-Track-Downloadumsatz von EUR 4,3 Mio. im Jahr 2008 am wichtigsten. Alben-Downloads erreichten mit EUR 2,2 Mio. einen Marktanteil von 19 Prozent. Das Streaming-Geschäft steckte 2008 mit einem Anteil von 1 Prozent noch in der Kinderschuhen (Abb. 3-4).

 

Abbildung 3: Der digitale Musikmarkt in Österreich, 2008-2013

Abbildung 3 - Der digitale Musikmarkt in Österreich, 2008-2013

 

Abbildung 4: Die Anteile digitaler Formate am Digitalmusik-Markt in Österreich, 2008 und 2013

Abbildung 4 - Die Anteile digitaler Formate am Digitalmusik-Markt in Österreich, 2008 und 2013

In den Folgejahren ist das Geschäft mit Master- und Ringtones um 75 Prozent bis 2013 eingebrochen und macht derzeit nur mehr 3 Prozent des Digitalmarktes aus. Die Umsätze mit Musikdownloads sind hingegen seit 2008 um das 3,6fache explodiert. Bis 2011 lagen die Umsätze mit Einzeltrack-Downloads noch vor den digitalen Albenumsätzen. 2012 legten aber die digitalen Albenverkäufe von EUR 9,8 Mio. auf EUR 12,5 Mio. um fast 30 Prozent zu, um sich 2013 auf diesem Niveau zu stabilisieren. Demgegenüber sind die Umsätze aus Single-Track-Downloads von 2012 auf 2013 erstmals um 10,4 Prozent auf EUR 10,6 Mio. markant zurückgegangen.

Der gleichzeitige Anstieg der Einnahmen aus dem Musikstreaming-Markt von EUR 1,5 Mio. auf EUR 6,7 um das 4,5fache könnte ein Hinweis darauf sein, dass es einen Kannibalisierungseffekt von Downloadverkäufe durch Streaming geben könnte – Studien dazu stehen aber noch aus. Der Streaming-Markt in Österreich ist zudem noch ausbaufähig. 2013 lag der Anteil von Musikstreaming-Einnahmen aus dem Musikstreaming am Digitalmarkt bei 22 Prozent, was etwas höher ist als der Streaming-Anteil am deutschen wie auch US-amerikanischen Markt.

Insgesamt liegt der Digitalanteil unter Berücksichtigung von Einnahmen aus der Verwertung von Leistungsschutzrechten (LSG-Einnahmen) und Synchronisationsrechte bzw. Merchandising-Einnahmen bei 22 Prozent, was einem Umsatz von EUR 31,0 Mio. entspricht. Die Umsätze aus dem Verkauf von Tonträgern liegt mit 59 Prozent oder EUR 88,0 Mio. deutlich höher, wobei der Rückgang vor allem bei CD-Verkäufen sich in den nächsten Jahren fortsetzen wird. Eine relevante Position sind auch die LSG-Einnahmen, die rund 15 Prozent oder EUR 23,0 Mio., ausmachen. Im aktuellen IFPI Austria Marktbericht (2014: 13) wird erstmals auch aufgeschlüsselt, aus welchen Quellen die Einnahmen stammen: 50 Prozent oder EUR 11,6 Mio. aus der Sendung von Tonaufnahmen im Rundfunk, 35 Prozent oder EUR 8,1 Mio. aus der öffentlichen Wiedergabe, 8,3 Prozent oder EUR 1,9 Mio. aus der Vergütung für Privatkopien (der so genannten Leerkassettenvergütung) und jeweils 3 Prozent oder EUR 0,7 Mio. aus der Nutzung von Masterrechten im Internet sowie in Musikvideos. Und schließlich haben sich Einnahmen aus der Verwertung von Synchronisationsrechten in Filmen und Werbeclips sowie Merchandisingeinnahmen von EUR 4,0 auf EUR 8,0 Mio. im Jahr 2013 verdoppelt.

Insgesamt kann also konstatiert werden, dass das Lizenzierungsgeschäft in Österreich in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Zudem haben die digitalen Umsätze weiter zugelegt, was vor allem auf das Musikstreaming zurückzuführen ist, da der Downloadmarkt in die Sättigungsphase eingetreten ist und seit 2012 stagniert. Da sich der Umsatzrückgang im Tonträgergeschäft weiter fortsetzen wird, stellt sich die Frage, ob der phonografische Markt in Österreich weiter schrumpfen wird oder aber durch die Zuwächse im digitalen Marktsegment – vor allem beim Streaming – ins Plus drehen wird. Die österreichischen MusikkonsumentInnen werden darüber 2014 entscheiden.

 

 

 

[1] Es gilt allerdings zu berücksichtigen, dass die IFPI Austria 2013 die Umsätze nicht mehr über KonsumentInnen-Befragungen erheben lässt, sondern auf Basis die media control-GfK-Kassendaten. Die Daten für physische Musikverkäufe im Jahr 2013 sind daher nicht direkt mit jenen der in den Vorjahren berichteten vergleichbar. Eine Tendenz lässt sich aber dennoch ablesen

[2] Die Einnahmen aus Leistungsschutzrechten für Tonaufnahmen wurden erstmals 2006 und jene aus Synchronisationsrechten und Merchandising erst seit 2012 ausgewiesen.

 

 


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