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Der phonografische Markt in den USA, 2000-2013

Vor kurzem hat die Recording Industry Association of America (RIAA) die Umsatzzahlen (shipment figues) für das Jahr 2013 veröffentlicht. Die Umsätze mit digitalen Musikverkäufen sind zwischen 2012 und 2013 um 7,6 Prozent auf US$ 4,36 Mrd. gestiegen. Dennoch sind die Gesamtumsätze (digital & physisch) leicht um 0,3 Prozent von US$ 7,016 Mrd. auf US$ 6,996 Mrd. im Jahr 2013 gefallen. Das bedeutet, dass der Umsatzrückgang beim physischen Produkt (CD, Vinyl, DVD, SACD) von 12,3 Prozent oder US$ -325,7 Mio. nicht ganz durch den Zuwachs im Digitalsegment kompensiert werden konnte. Insgesamt machen die Umsätze mit digitalen Musikverkäufen 2013 bereits rund 64 Prozent vom Gesamtumsatz aus.

Der Treiber hinter dieser Entwicklung ist das boomende Streaming- und Subskriptionssegment, das im Vergleich zum Vorjahr um 39 Prozent auf US$ 1,4 Mrd. zugelegt hat. Gleichzeitig sind aber die Single-Track-Verkäufe um 3,3 Prozent oder US$ ‑54,6 Mio. zurückgegangen. Bei den digitalen Alben-Downloads konnte ein leichter Zuwachs von 2,4 Prozent oder US$ 28,7 Mio. verzeichnet werden. Insgesamt scheint es aber so zu sein, dass Streaming- und Subskriptionsangebote einen negativen Einfluss auf die Download-Verkäufe haben, auch dann, wenn Preissenkungen der großen Anbieter wie iTunes und Amazon berücksichtigt werden.

Die nachfolgende Detailanalyse zeigt nicht nur, wie sich in den USA der phonographische Markt in den letzten dreizehn Jahren digitalisiert hat, sondern auch wie sich das digitale Marktsegment seit 2005 grundlegend verändert hat.

 

Der phonographische Markt in den USA, 2000-2013

Die Entwicklung des US-Musikmarkts seit dem Jahr 2000 spiegelt die dramatischen Umwälzungen wider, die sich aufgrund der Digitalisierung ereignet haben. Lagen 2000 die CD-Albenumsätze noch bei US$ 13,36 Mrd., so sind sie dreizehn Jahre später auf US$ 2,12 Mrd. regelrecht abgestürzt – ein Minus von 83,9 Prozent (Abb. 1).

Allein diese Zahl zeigt bereits, dass sich der phonografische Markt von einem Alben- hin zu einem Single-Markt gewandelt hat. Im gleichen Zeitraum sind die Umsätze von Single-Produkten (physisch und digital) um 669 Prozent oder US$ 1,16 Mrd. gestiegen. Rechnet man zu den CD-Alben noch die Umsätze der digitalen Albenverkäufe hinzu, so ergibt sich immer noch ein Rückgang von 74 Prozent oder US$ -10,3 Mrd. für den gesamten Albenmarkt (Abb. 1).

 

Abb. 1 - US-Alben- und Singleumsätze

 

Dabei zeigen die digitalen Albenverkäufe mittlerweile sinkende Zuwachsraten auf, was auf eine gewisse Sättigung des Marktes schließen lässt. Lagen die Zuwächse 2007 und 2008 im Vergleich zum Vorjahr bei um die 50 Prozent und 2009 bzw. 2010 noch um die 20 Prozent, so konnte 2013 nur mehr ein leichter Anstieg von 2,4 Prozent gegenüber 2012 verzeichnet werden. Die Single-Track-Downloadumsätze sind 2013 gegenüber dem Vorjahr überhaupt um 3,3 Prozent gesunken (Abb. 2).

 

Abb. 2 - Veränderung US-Alben- und Singleumsätze

Ein tieferer Blick in die Entwicklung der digitalen Umsätze seit 2005 spiegelt die starke Veränderung des Musiknutzungsverhaltens der US-KonsumentInnen wider. Die grafische Auswertung (Abb. 3) zeigt, dass bis 2008 die Umsätze mit Ringtones und Ringbacktones das Digitalgeschäft bestimmt haben. Ab 2008 brachen die Mobile-Musikumsätze allerdings stark ein (-90 Prozent oder US$ -879,5 Mio. bis 2013), während die Download-Umsätze zu einem Höhenflug ansetzen, der aber 2013 gestoppt scheint. Die Umsätze mit werbefinanzierten Streaming- und Subskriptionsangeboten, die bis 2010 nahezu konstant um die US$ 200 Mio. im Jahr ausmachten, stiegen danach rasant an. In den letzten drei Jahren ist ein Zuwachs von 287 Prozent oder US$ 635,7 Mio. feststellbar (Abb. 3). Rechnet man die seit 2011 erstmals ausgewiesenen Ausschüttungen der für die Lizenzverwertung bei Internet- und Satellitenradios zuständigen Verwertungsgesellschaft SoundExchange hinzu, dann beträgt der Zuwachs sogar 577 Prozent oder US$ 1,2 Mrd. Die RIAA schätzt in ihrem aktuellen Geschäftsbericht, dass 2013 ca. 6,1 Mio. KonsumentInnen für On-Demand Streamingervices bezahlt haben, was einer fast Verdoppelung der NutzerInnenzahlen – 3,4 Mio. im Jahr 2012 – gleichkommt. Die Abo-Dienste allein trugen US$ 628,1 Mio. zum Gesamtumsatz bei, was einer Umsatzsteigerung von 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

 

Abb. 3 - Digitale US-Musikmarkt

Zweifellos hat der Markteintritt von Spotify im Juli 2011 zu diesem Boom wesentlich beigetragen und neue Services wie das iTunes Radio sowie Beats werden sicherlich den Digitalmarkt noch weiter ausdehnen. Es stellt sich aber die Frage, welche Folgen der Schwenk der KonsumentInnen hin zu Streaminganbietern haben wird. Kommt es zu einer weiteren Kannibalisierung der Download-Angebote, dann könnten die Gesamtumsätze trotz des boomenden Streamingsegments weiter sinken. Vor allem ist zu erwarten, dass die CD-Verkäufe weiter zurückgehen werden, was eine Stabilisierung des Marktes auf niedrigem Niveau erschweren wird.

Für das Gros der MusikerInnen stellt die jüngste Umsatzstatistik der RIAA kein Grund zum Jubeln dar. Wenn Streaming, Subskription und SoundExchange-Auszahlungen mittlerweile fast ein Drittel des digitalen Umsatzes im Musikgeschäft ausmachen, dann bedeutet das auch, dass die Einkommen aus dem digitalen und physischen Musikverkauf geringer ausfallen. Lediglich eine kleine Gruppe von Superstars, deren Songs millionenfach gestreamt aber auch noch gut auf CD und als digitaler Download verkauft werden, wird von dieser Entwicklung profitieren.

Für die Majors stellt sich die Situation anders dar. Aufgrund ihrer riesigen Kataloge, profitieren sie vom Lizenzgeschäft mit den Streamingdiensten. Und es kann ihnen auch egal sein, wenn die einzelnen Digitalmusikanbieter die Preise senken, da sie trotzdem eine Fixrate an Lizenzentgelt einstreifen können. Für die Anbieter der Streamingportale stellt sich aber die Frage, ob sich das derzeitige Verlustgeschäft insgesamt für sie lohnt und Aussicht auf langfristige Gewinne besteht. Ob der von Musikindustrie-VertreterInnen beschworene Turnaround geschafft werden kann, wird sehr davon abhängen, ob die Zahl zahlender AbonnentInnen für die Streamingangebote weiter so stark wächst und die damit verbundenen Umsatzzuwächse den Kannibalisierungseffekt beim physischen Produkt und im Downloadmarkt überkompensieren kann. Eines ist klar, die Vinyl-Schallplatte wird die Musikindustrie nicht retten. Auch wenn die Umsätze sich seit 2006 mehr als verachtfacht haben, so hat Vinyl 2013 trotzdem nur einen Marktanteil 3,14 Prozent (ohne Berücksichtigung der Einnahmen aus der Verwertung von Synchronisationsrechten).

Insgesamt dominieren 2013 die digitalen Musikumsätze mit einem Anteil von 64 Prozent, gefolgt von der CD mit 31 Prozent, der Vinyl-Schallplatte mit 3 Prozent und den Musikvideo-Formaten (vor allem DVD) mit rund 2 Prozent (Abb. 4).

 

Abb. 4 - Marktanteil Musikformate US

In der langfristigen Perspektive zeichnet sich der Trend zu einer weiteren Digitalisierung des phonografischen Marktes in den USA deutlich ab, wie aus Abb. 5 hervorgeht, wobei im Digitalsegment Streaming- & Subskriptionsumsätze an Bedeutung gewinnen, Download-Umsätze an Gewicht verlieren werden.

 

Abb. 5 - US-Musikmarkt 2000-2013

 

 


1 Response to “Der phonografische Markt in den USA, 2000-2013”


  1. 1 malue74
    31. März 2014 um 5:30 pm

    Hat dies auf klangtext blog rebloggt und kommentierte:
    Peter Tschmuck über den phonpgrafischen Markt in den USA im Vergleich 2000 bis 2013!!!


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