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Dez
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Die Musikwirtschaftsforschung 2013 – ein Jahresrückblick

Liebe Leserinnen und Leser des Blogs zur Musikwirtschaftsforschung,

2013 waren noch die Nachwirkungen der Übernahme der EMI Recorded Music durch die Universal Music Group geprägt. Die Universal musste nämlich aufgrund der Auflagen der EU Wettbewerbsbehörde die EMI Recording Ltd. (mit Parlophone Music, aber ohne den Beatles Katalog), Chrysalis (ohne den Robbie Williams Katalog) und Mute Records, EMI und Virgin Classical sowie weitere kleine Label und die Niederlassungen in Belgien, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Norwegen, Portugal, Spanien, Slowakei, Polen, Schweden und Universal Griechenland verkaufen. So ging die Parlophone Music Group um GBP 487 Mio. an die Warner Music Group. Der Deal wurde im Mai von der EU Kommission genehmigt.

2013 war aber auch das Jahr der Musikstreaming-Services, die, angeführt von Spotify, mit stark wachsenden NutzerInnen- und Umsatzzahlen weltweit für Schlagzeilen sorgten. Nicht zuletzt der Einstieg Apples mit dem iTunes Radio und Googles mit dem All Access in den Musikstreaming-Markt schürte die Erwartungen auf eine Trendwende in der phonografische Industrie. Ob diese Erwartungen berechtigt sind, habe ich der sechsteiligen Serie „Is Streaming the Next Big Thing?“ aus Sicht der Labels, KünstlerInnen, der KonsumentInnen und der Musikstreaming-Services selbst vor dem Hintergrund einer internationalen Marktanalyse zu ergründen versucht.

Vor diesem Hintergrund des boomenden Musikstreamingmarktes war auch die Thematik der 4. Vienna Music Business Research Days „The Future of Music Licensing“ (20.-21. Juni 2013) gewählt. Dabei wurde die Frage nach der Rolle der Verwertungsgesellschaften im digitalen Zeitalter vor allem im Zusammenhang mit der EU-Richtlinie zum kollektiven Rechtemanagement diskutiert und die Notwendigkeit einer umfassenden Datenbank für Musikrechte erörtert. Zum zweiten Mal wurde der Best Paper Award für TeilnehmerInnen des Young Scholars‘ Workshop vergeben, den dieses Mal Sisley Maillard von der Université Telecom ParisTech für ihr Paper „Consumer Information in the Digital Age: Empirical Evidence from the Spillovers in the Music Industry“ und Francisco Bernardo/Luis Gustavo Martins der Katholischen Universität von Portugal in Porto für „Disintermediation Effects in the Music Business – A Return to Old Times“ mit nach Hause nehmen durften. Für beide Paper besteht die Möglichkeit, im International Journal of Music Business Research (IJMBR) publiziert zu werden.

Das IJMBR erlebte 2013 seine zweite Ausgabe mit zwei Heften, die im April und Oktober erschienen sind. Die Oktober-Sonderausgabe war ganz der australischen Musikwirtschaft gewidmet:

Volume 2, no 2, October 2013 – special issue on the Australian Music Economy

Editorial by Patrik Wikström and Peter Tschmuck

Guy Morrow: Regulating Artist Managers: An Insider’s Perspective, pp. 8-35

Phillip McIntyre and Gaye Sheather: The Newcastle Music Industry: An Ethnographic Study of a Regional Creative System in Action, pp. 36-60

Diane Hughes, Sarah Keith, Guy Morrow, Mark Evans and Denis Crowdy: What constitutes artist success in the Australian music industries? pp. 60-80

Volume 2, no 1, April 2013

Editorial by Dennis Collopy and Peter Tschmuck

Michael Huber: Music Reception in the Digital Age – Empirical Research on New Patterns of Musical Behaviour, pp. 6-34

Juan D. Montoro-Pons, Manuel Cuadrado García and Trinidad Casasús-Estellés: Analysing the Popular Music Audience. Determinants of Participation and Frequency of Attendance, pp. 35-62

John Fangjun Li: The Development of the Digital Music Industry in China during the First Decade of the 21st Century with Particular Regard to Industrial Convergence, pp. 63-86

 

In weiterer Folge sollen noch jene wissenschaftlichen Arbeiten, die in den Blog aufgenommen wurden sowie neue Studien und Buchpublikationen zu musikwirtschaftlichen Themen kurz dargestellt werden.

 

Folgende akademischen Abschlussarbeiten zur Musikwirtschaft stehen seit 2013 im Blog zum Download bereit:

Auer, Manuel, 2013, Musikverwertung im Internet. Diplomarbeit, Karl-Franzens-Universität Graz.

Böttcher, Martin, 2013, Szenario-Analyse zur Entwicklung physischer und non-physischer Musikverwertung. Masterarbeit, Studiengang: Medienmanagement an der Media Design Hochschule Berlin.

Fischer, Georg, 2013, Jäger und Sampler. Kreativität und Innovation am Beispiel des Samplings. Diplomarbeit, Technische Universität Berlin.

Heger, Katherina, 2013, Das Konzert (als musikalische Veranstaltung) und sein Publikum: Wandel und neue Modelle. Masterthesis, Kulturmanagement-Lehrgag am Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft Wien.

Kleinberger, Stefan, 2013, Neue Konzertformate im Bereich klassischer Musik – Über die Notwendigkeit einer Modernisierung der Aufführungspraxis. Masterthesis, Kulturmanagement-Lehrgang am Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft Wien.

Matoušek, Daniel, 2013, Gramofonový průmysl v komunistickém Československu se zaměřením na dobu tzv. normalizace. Diplomarbeit, Masaryk Universität Brno.

Moyon, Emilien, 2011, Le changement du business model de l’entreprise: Une étude des majors de l’industrie phonographique (1998-2008). Dissertation, Université Lille I. (60seitige Zusammenfassung in Englisch)

Palmsteiner, Florian und Gabriel Wöginger, 2013, Crowdfunding. Ein Finanzierungsinstrument für Necomer-Bands?, Bachelorarbeit, Wirtschaftsuniversität Wien.

 

Folgende Studien und Working Paper zu musikwirtschaftlichen Themen sind 2013 erschienen:

Bourreau et al., Making Money for Giving it for Free. Radiohead’s In Rainbows, Working Paper Université ParisTech.

BPI, Digital Music Nation 2013.

Cammaerts, Bart, Robin Mansell und Bingchun Meng, Copyright and Creation. A Case for Promoting Inclusive Online Sharing. Media Policy Brief 9 of London School of Economics.

DiCola, Peter, Money from Music: Survey Evidence on Musicians’ Revenue and Lessons About Copyright Incentives, Working Paper, Law and Economics Series 13/01, Northwestern University School of Law.

Eisenach, Jeffrey A., Understanding Webcaster Royalties, Navigant Economics LLC.

Forsa, Webmonitor: Online Musikquellen 2013 im Auftrag der BITKOM.

GfK, Studie zur digitalen Content Nutzung (DCN-Studie) 2013 im Auftrag des Bundesverband Musikindustrie, der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

GfK, Konsumstudie zum Veranstaltungsmarkt in Deutschland 2012, herausgegeben vom Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (bdv) und dem Branchenmagazin Musikmarkt.

IPSOS Media CT, Digital Music Consumer – A Global Perspective, im Auftrag der International Federation of the Phonographic Industry (IFPI).

Montoro-Pons, Juan D., The Determinants of Profits in the Recorded Music Sector, Working Paper, Universität Valencia.

Mulligan, Marc, Making Freemium Add Up. An Assessment of Content Monetization. MIDiA Consulting.

Ofcom, The digital radio report 2013 for the United Kingdom.

PriceWaterhouseCoopers, Media Trend Outlook: Musikstreaming – das verheißungsvolle Potenzial der Musik on demand.

Spindler, Gerald, Rechtliche und ökonomische Machbarkeit einer Kulturflatrate. Gutachten erstellt im Auftrag der Bundestagsfraktion „Bündnis 90/DIE GRÜNEN“.

Zhang. Laurina, Intellectual Property Strategy and the Long Tail: Evidence from the Recorded Music Industry, Working Paper, Rotman School of Management, University of Toronto.

 

Buchpublikationen zu musikwirtschaftlichen Themen 2013:

Cummings, Alex S., Democracy of Sound: Music Piracy and the Remaking of American Copyright in the Twentieth Century. Oxford: Oxford University Press.

Davis, Clive, The Soundtrack of My Life. New York: Simon & Schuster.

Flath, Beate (Hg.), Musik/Medien/Kunst. Wissenschaftliche und künstlerische Perspektiven. Gewidmet Werner Jauk. Zum 60. Geburstag.

Jachim, Alexandra, Erfolgreiches Chormanagement. Ein Leitfaden. Wien: facultas.

Lange Bastian, Hans-Joachim Bürkner und Elke Schüßler (Hg.), Akustisches Kapital. Wertschöpfung in der Musikwirtschaft. Bielefeld: transcript.

Rogers Jim, The Death & Life of the Music Industry in the Digital Age. New York: Bloomsbury.

Seliger Berthold, Das Geschäft mit der Musik: Ein Insiderbericht. Berlin: Verlag Klaus Bittermann.

Tschmuck Peter, Philip L. Pearce und Steven Campbell (Hg.), Music Business and the Experience Economy. The Australasian Case. Heidelberg & New York: Springer.

 

Ich möchte mich schließlich bei allen Leserinnen und Lesern bedanken, die 2013 den Blog 39.054 Mal besucht haben, was immerhin 107 pro Tag bedeutet. Die meisten Besuche kamen aus Deutschland, Österreich und Schweiz, aber auch aus den USA, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden, Italien, Luxemburg, Spanien, Kroatien, Tschechien, Lettland, Schweden, Australien, Slowakei, Ungarn, Rumänien Dänemark und 59 weiteren Ländern.

 

Die 10 meistbesuchten Blogbeiträge waren 2013:

1. Die Rezession in der Musikindustrie – eine Ursachenanalyse mit 1.431 Visits

2. Is Streaming the Next Big Thing? – das Geschäftsmodell der Musikstreamingdienste mit 959 Visits

3. Is Streaming the Next Big Thing? – eine internationale Marktanalyse mit 891 Visits

4. Woodstock: Mythos und historische Fakten. Eine Spurensuche von Sabine Nikolay mit 708 Visits.

5. Geldverdienen mit Musik – eine neue US-amerikanische Studie mit 550 Visits

6. Die ökonomischen Folgen der Musik-”Piraterie” mit 418 Visits

7. 40 Jahre Woodstock – Wirtschaftsdebakel und Mythos mit 357 Visits

8. Die Musiknutzung deutscher Teenager – eine Studie mit 355 Visits

9. 4. Wiener Tage der Musikwirtschaftsforschung im Rückblick mit 343 Visits

10. Wie böse ist das Musik-Filesharing – und das Musikstreaming? mit 337 Visits

 

Seit Beginn des Blogs im März 2009 wurden die Artikel 175.492 Mal angeklickt und 2014 werden es dann wohl schon mehr als 200.000 Besuche sein. Ich hoffe, dass ich durch meine Beiträge zur Musikwirtschaftsforschung wieder viele interessierte Leserinnen und Leser auf den Blog locken kann und es wird auch nächstes Jahr allen Grund dazu geben. Vom 1.-3. Oktober 2014 finden an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien die 5. Wiener Tage der Musikwirtschaftsforschung zum Thema „Monetizing Music in the Digital Age“ (Konferenz-Call und Call-for-Papers für den Young Scholars‘ Workshop) statt, die erstmals in Kooperation mit dem Waves Festival Wien & Bratislava abgehalten werden. Zudem wird die dritte Ausgabe des International Journal of Music Business Research mit einem Frühjahrs- und Herbstheft online gehen und natürlich wird es wieder viele Veranstaltungshinweise, Buchbesprechungen und Analysen zur Musikwirtschaft geben.

Aufwiederlesen im Neuen Jahr und alles Gute wünscht Euch,

PETER


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