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Ökonomische Effekte der Musikwirtschaft in Wien

In der vom Institut für Höhere Studien (IHS) erstellten und von der Wirtschaftskammer Wien in Auftrag gegebenen Studie „Ökonomische Effekte der Musikwirtschaft in Wien und Österreich„, wurde eine Gesamtwertschöpfung der Musikwirtschaft in Österreich im Jahr 2010 von EUR 3,35 Mrd. errechnet, wobei EUR 1,03 Mrd. auf Wien entfallen. Da in einem vor Kurzen erschienen Blog-Beitrag die Zahlen für Österreich dargestellt wurden, soll es dieses Mal um die Musikwirtschaft in Wien gehen.

 

1. Die Anzahl musikzentrierter Unternehmen und Einrichtungen in Wien

In Wien wurden insgesamt 1.142 Unternehmen erfasst, deren geschäftlicher bzw. inhaltlicher Schwerpunkt im Musikbereich liegt. Den größten Anteil (32,9%) machen 376 Discos und Bars aus, gefolgt von Tonstudios, Labels und Musikverlage, von denen 212 (18,6%) in Wien erfasst wurden. 144 Handelsunternehmen bilden die drittgrößte Gruppe (12,6%) und erst dann folgen die 111 Musikausbildungs- und Weiterbildungseinrichtungen (9,7%). Gemessen an der Anzahl fallen auch noch die 82 Künstleragenturen (7,2%) und die die 80 Hersteller und Reparaturunternehmen von Audiogeräten (7,0%) ins Gewicht. Im Vergleich zu Gesamtösterreich fällt aber auf, dass sich mehr als 60% aller Künstleragenturen und fast 40% der Tonstudios, Label und Musikverlage in Wien angesiedelt haben, wohingegen lediglich 5,7% der Musikausbildungseinrichtungen in der Bundeshauptstadt zu finden sind – darunter aber sehr große Institutionen wie die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und das Konservatorium Wien. Insgesamt befinden sich 20,7% der musikzentrierten Unternehmen und Einrichtungen in Wien.
 

Tabelle 1: Die Anzahl musikzentrierter Unternehmen in Wien

Musikzentrierte Unternehmen in Wien
 
2. Die Beschäftigungseffekte in der Wiener Musikwirtschaft

In der Wiener Musikwirtschaft konnten 2010 insgesamt 15.697 Vollzeit-Arbeitsplätze gesichert werden. Der größte Beschäftigungseffekt geht dabei vom Musikveranstaltungsbereich mit 6.830 Vollzeitarbeitsplätzen, gefolgt von den MusikerInnen & KomponistInnen mit 4.008 Vollzeitjobs und der Musikausbildung mit 2.499 Arbeitsplätzen aus. Diese drei Kategorien schaffen zusammen rund ¾ aller Vollzeitarbeitsplätze in der Wiener Musikwirtschaft. Am unteren Ende der Liste finden sich die Hersteller von Musikinstrumenten, Musikalien und Musikliteratur mit 167, die Produzenten von Audiogeräten mit 126 und die Unternehmen zur Vervielfältigung von Tönträgern mit nur 9 Vollzeitarbeitsplätzen wieder. Bemerkenswert dabei ist, dass fast exakt die Hälfte aller MusikerInnen & KomponistInnen in Wien ansässig ist. Aber auch mehr als 40% der Vollzeit-Arbeitsplätze, die von Verwertungsgesellschaften, von Hörfunk- und TV-Unternehmen sowie Tonstudios, Labels und Musikverlage geschaffen werden, finden sich in Wien. Hingegen entfallen 32,2% der Vollzeitjobs im Musikaufführungs- und -veranstaltungsbereich und überhaupt nur 20,9% der Arbeitsplätze im Ausbildung- und Weiterbildungsbereich auf die Bundeshauptstadt.
 
Tabelle 2: Beschäftigungseffekte in Vollzeitäquivalenten in der Wiener Musikwirtschaft

Beschäftigungseffekt in Wien
 
3. Die Wertschöpfungseffekte der Wiener Musikwirtschaft

Der Gesamteffekt an Wertschöpfung der Wiener Musikwirtschaft beträgt EUR 1,03 Mrd. Davon sind EUR 719,8 Mio. direkt, 158,4 Mio. indirekt, was eine primäre Wertschöpfung von EUR 878,2 Mio. ergibt, die nun eine weitere Wertschöpfung von 150,9 Mio. induziert.

Der größte Wertschöpfungsbereich ist der Aufführungs- und Veranstaltungssektor mit einer Gesamtwertschöpfung von EUR 460,6 Mio., gefolgt von den MusikerInnen & KomponistInnen mit EUR 287,1 Mio. und der Musikausbildung und -weiterbildung mit EUR 171,4 Mio. Zusammengerechnet decken diese drei Bereiche bereits mehr als 77% der Gesamtwertschöpfung der Wiener Musikwirtschaft ab. Größere Wertschöpfungsbereiche sind dann noch die Verwertungsgesellschaften mit EUR 59,3 Mio., der Handel mit Tonträgern und Audiogeräten mit EUR 50,6 Mio. und der Hörfunk und TV-Bereich mit EUR 43,9 Mio. Andere Bereiche wie beispielsweise die Tonstudios, Labels und Musikverlage (EUR 26,9 Mio.), der Handel mit Musikinstrumenten (EUR 17,0 Mio.), die Produktion von Audiogeräten (EUR 11,8 Mio.) und die Produktion von Musikinstrumenten (EUR 10,4 Mio.) haben vergleichsweise geringere Wertschöpfungseffekte.

 

Tabelle 3: Die Wertschöpfung der Wiener Musikwirtschaft gegliedert nach Wertschöpfungsbereichen

Wertschöpfungseffekt in Wien
 
4. Einordnung der Wertschöpfung der Wiener Musikwirtschaft in die Gesamtwirtschaft

In Summe erzeugt die Wiener Musikwirtschaft 2,30% der Vollzeitjobs in der Stadt und bewirkte einen Bruttowertschöpfungsanteil von 1,52% an der gesamten Wertschöpfung in Wien. Dabei profitierte der Sektor Kultur-, Sport und Unterhaltungsdienstleistungen mit EUR 403,1 Mio. von der Wiener Musikwirtschaft, gefolgt von den Erziehungs- und Unterrichtsdienstleistungen (EUR 121,9 Mio.), dem Einzelhandel (EUR 80, 1 Mio.) und dem Beherbergungs- und Gaststätten-Gewerbe (EUR 62,0 Mio.). Das bedeutet zugleich, dass die Wiener Musikwirtschaft im Kultur- Sport- und Unterhaltungsbereich 2010 insgesamt 6.108, in Einzelhandelsunternehmen 1.974, im Erziehungs- und Unterrichtsbereich 1.871 und im Beherbergungs- und Gaststättengewerbe 1.054 Vollzeitarbeitsplätze gesichert hat (IHS 2012: 88).

Der direkte Konsum durch Einkommen aus der Wiener Musikwirtschaft betrug zudem EUR 228,9 Mio., wobei zusätzlich noch indirekte Konsumeffekte von EUR 31,6 Mio. und induzierte Konsumeffekte von EUR 31,2 Mio. zu berücksichtigen sind, was einen Gesamtkonsum für Österreich von EUR 291,7 Mio. ergibt, den die Musikwirtschaft des Bundeshauptstadt 2010 ausgelöst hat. Von den EUR 1,3 Mrd. durch die österreichischen Musikwirtschaft erbrachten Steuern und Sozialversicherungsabgaben entfielen schließlich noch EUR 55,6 Mio. auf Wien (IHS 2012: 78, 82).

 

Ökonomische Effekte der Musikwirtschaft in Wien und Österreich, Projektbericht des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien.

Projektleitung: Alexander Schnabl

weitere Studienautoren: Hermann Kuschej, Liliana Mateeva, Gerlinde Titelbach, Barbara Zucker

unter der Mitarbeit von Brigitte Hochmuth, Julia Janke, Sarah Lappöhn und Alina Pohl.


1 Response to “Ökonomische Effekte der Musikwirtschaft in Wien”


  1. 12. Dezember 2012 um 11:39 pm

    Danke für diesen tollen Blogeintrag bzw. sehr gut aufbereitete Zusammenfassung der IHS Studie!


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