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Ökonomische Effekte der Musikwirtschaft in Österreich

Am 26. November 2012 wurde die zentralen Ergebnisse der vom Institut für Höhere Studien (IHS) erstellten und von der Wirtschaftskammer Wien in Auftrag gegebenen Studie „Ökonomische Effekte der Musikwirtschaft in Wien und Österreich“ in einer Pressekonferenz präsentiert. In der Studie wurde eine Gesamtwertschöpfung der Musikwirtschaft in Österreich im Jahr 2010 von EUR 3,35 Mrd. errechnet, wobei EUR 1,03 Mrd. auf Wien entfallen. Das entspricht 1,29% an der Gesamtwertschöpfung in Österreich bzw. 1,52% der gesamten Wertschöpfung in Wien. Weiters zeigt die Studie, dass in der österreichischen Musikwirtschaft 2010 insgesamt 61.511 Arbeitsplätze (in Vollzeitäquivalenten) gesichert wurden. 19.582 Arbeitsplätze entfielen dabei auf die Wiener Musikwirtschaft. Der Nettokonsum in Österreich belief sich auf rund EUR 908 Mio. und jener in Wien auf EUR 292 Mio. und schließlich ist noch zu erwähnen, dass die öffentliche Hand von der österreichischen Musikwirtschaft rund EUR 1,35 Mrd. an Sozialabgaben und Steuern einheben konnte. Es wurde auch ein Vergleich mit der im Jahr 2000 veröffentlichten Studie zur Wertschöpfung der österreichischen Musikwirtschaft, die von Prof. Scheuch erstellt wurde, angestellt und dabei der Schluss gezogen, dass die Musikwertschöpfung in Österreich real um 18,5 Prozent zwischen 1998 und 2010 abgenommen hat.

Dies sind durchaus interessante Ergebnisse, die aber der Detailanalyse bedürfen, um sie entsprechend auch einordnen zu können. Dies möchte ich nun in weiterer Folge unternehmen.




1. Kurze Erläuterung der Untersuchungsmethode

Als Instrument der Berechnung der Wertschöpfung in der österreichischen und Wiener Musikwirtschaft wurde die Input-Output-Analyse herangezogen. Damit wird es möglich, die Verflechtung zwischen einzelnen Sektoren der Volkswirtschaft darzustellen und zu quantifizieren. Jeder Ausgabe, die getätigt wird, so die grundsätzliche Überlegung, beruht zu einem auf Vorleistung, die selbst wiederum auf Vorleistungen beruhen, verursacht aber zum anderen auch nachfolgende Ausgaben an anderer Stelle in der Volkswirtschaft. Ein Beispiel: Ein Tonstudio benötigt Audiogeräte und diverses technische Equipment, das als Vorleistung bezogen wird. Damit wird eine Leistung erstellt, wobei nicht nur diese Leistung verkauft wird, sondern auch noch Löhne und Gehälter ausbezahlt, Steuern und Abgaben entrichtet werden. Die Lohn- und Gehaltsempfänger ihrerseits werden einen Teil ihres Einkommens für Konsumausgaben einsetzen. Die Ausgaben führen also zu einem Multiplikatoreffekt, der sich in der Volkswirtschaft in weitere Wertschöpfung an anderen Stellen niederschlägt. Um nun diesen Multiplikatoreffekt und damit entstehende Wertschöpfung errechnen zu können, gibt Input-Output-Tabellen, die die Verflechtung der einzelnen Produktionsbereiche darstellen. Wenn diese dann auch noch regionalisiert sind, dann können sogar Aussagen über die Wertschöpfung in einzelnen Regionen wie Bundesländern oder Städten gemacht werden. Es können nun direkte, indirekte und induzierte ökonomische Effekte errechnet werden. Die direkte Effekte werden unmittelbar durch Personalausgaben und Gewinne der Unternehmen wirtschaftlich wirksam. Aufgrund der Verflechtung (Kette von Vorleistungen) werden aber auch indirekte Effekte ausgelöst. Wenn z.B. von Unternehmen der Musikwirtschaft Leistungen wie Gebäudereinigung, Wasser, Energie, Abfallentsorgung aber auch Investitionsgüter zugekauft werden, kommt es bei den Lieferanten zu Beschäftigungs- und Wertschöpfungseffekte. Die direkten und indirekten Effekte werden auch Primäreffekte bezeichnet. Die Primäreffekte bewirken eine Veränderung der Beschäftigung, die sich in Einkommens-, Kaufkraft- und Konsumeffekten – so genannten induzierten Effekten – niederschlägt.

Ausgangspunkt der Berechnung ist der Bruttoproduktionswert, der die gesamte Wirtschaftsleistung z.B. einer Branche darstellt. Zieht man davon nun die Vorleistungen, die zur Leistungserstellung nötig waren ab, so ergibt sich die Bruttowertschöpfung eines Wirtschaftszweiges, die in Marktpreisen ausgedrückt wird. Zusätzlich können auch noch Beschäftigungseffekte, Konsumeffekte wie auch fiskalische Effekte in Form von Sozialabgaben und Steuern berechnet werden. Über entsprechende Multiplikatoren können dann in weiterer Folge die indirekten und induzierten Wertschöpfungseffekte errechnet werden. Mit Hilfe dieses Instrumentariums wurden nun die direkten, indirekten und induzierten Wertschöpfungs-, Beschäftigungs-, Konsum- und Fiskaleffekte der österreichischen und Wiener Musikwirtschaft berechnet.


2. Abgrenzung und Gliederung der österreichischen Musikwirtschaft

Die österreichische und Wiener Musikwirtschaft wurde in jeweils vier Teilbereiche untergliedert: (1) Produktion, (2) Aufführung, mediale Wiedergabe bzw. Verwertung, (3) Handel und (4) Musikausbildung und -weiterbildung. Aufgrund der Input-Output-Tabelle konnten diese vier Bereiche noch weitere untergliedert werden. So fallen in der Bereich Produktion (1.1) die Tätigkeit von MusikerInnen und KomponistInnen, (1.2) Tonstudios, Label und Musikverlage, (1.3) die Vervielfältigung von bespielten Tonträgern und (1.4) die Produktion von Musikinstrumenten, Musikalien und Musikliteratur. Im Bereich Aufführung, mediale Wiedergabe bzw. Verwertung werden (2.1) Musikaufführungen und Musikveranstaltungen, (2.2) Hörfunk und Fernsehen, (2.3) Verwertungsgesellschaften zusammengefasst. Der Handel umfasst (3.1) den Handel mit Tonträgern/digitalen Vertrieb und Audiogeräten der Unterhaltungselektronik sowie (3.2) der Handel mit Musikinstrumenten, Musikalien und Musikliteratur. Schließlich fasst der Bereich Musikausbildung und ‑weiterbildung (4.1) die Musikausbildung, (4.2) die Konsumausgaben ausländischer Studierender und (4.3) Tanzschulen und Museen mit Musikbezug zusammen. Nicht in die Berechnung eingeflossen sind touristische Effekte, die durch Musik in Österreich und Wien hervorgerufen werden, weil sich diese nur mit großem Erhebungsaufwand (qualitative Befragung der TouristInnen nach ihren primären Reisemotiven) feststellen lassen. Nicht erfasst wurden auch die Umsätze mit Merchandising-Produkten und musikzentrierten Games, da es dazu keinerlei brauchbaren Daten gab. Und schließlich wurden auch die Ausgaben für die An- und Abreise der BesucherInnen und KünstlerInnen zu bzw. von Musikveranstaltungen aufgrund des nötigen erhebungstechnischen Aufwandes ausgeklammert.


3. Die Anzahl musikzentrierter Unternehmen und Einrichtungen in Österreich

Auf dieser Basis wurden nun insgesamt 5.513 Unternehmen erfasst, deren geschäftlicher bzw. inhaltlicher Schwerpunkt im Musikbereich liegt. Den größten Anteil (35,0%) machen 1.932 die Musikausbildungseinrichtungen – Musikschulen, Konservatorien, Musikuniversitäten und musikzentrierte Museen – aus, gefolgt von Discos und Bars, von denen 1.677 (30,4%) erfasst wurden. 537 Tonstudios, Labels und Musikverlage bilden die drittgrößte Gruppe (9,7%), gefolgt von 522 Handelsunternehmen (9,5%). Weiters wurden 293 Unternehmen erfasst, die sich mit der Herstellung und Reparatur von musikzentrierten Gütern befassen (5,3%), sowie 173 Musikveranstalter (3,1%), 136 Künstleragenturen (2,5%), 121 Tanzschulen (2,2%) und 28 Merchandising-Unternehmen (0,5%). Schließlich wurden Rundfunk-, Verwertungs-, Ticketingunternehmen mit Opernhäuser und Theater in einer einzigen Kategorie von 94 Unternehmen (1,7%) zusammengefasst.


4. Die Beschäftigungseffekte in der österreichischen Musikwirtschaft

In der österreichischen Musikwirtschaft konnten 2010 insgesamt 50.592 Arbeitsplätze in Vollzeitäquivalenten gesichert werden. Der größte Beschäftigungseffekt geht dabei vom Musikveranstaltungsbereich mit 21.182 Vollzeitarbeitsplätzen, gefolgt von der Musikausbildung mit 11.952 Arbeitsplätzen und den MusikerInnen & KomponistInnen mit 8.010 Vollzeitjobs. Diese drei Kategorien schaffen zusammen rund ¾ aller Vollzeitarbeitsplätze in der österreichischen Musikwirtschaft. Am unteren Ende der Liste finden sich die Tonstudios, Labels und Musikverlage mit 737 Vollzeitarbeitsplätzen, die Hersteller von Musikinstrumenten, Musikalien und Musikliteratur mit 682 und Hersteller von Audiogeräten mit 630 Vollzeitarbeitsplätzen, die jeweils für knapp mehr als 1% der Vollzeitarbeitsplätze sorgten.


Tabelle 1: Beschäftigungseffekte in Vollzeitäquivalenten in der österreichischen Musikwirtschaft

Arbeistplätze


Die Beschäftigungszahlen dürfen aber nicht dahingehend missinterpretiert werden, dass in den angeführten Bereichen die genannte Anzahl von Vollzeitarbeitsplätzen vorzufinden wäre, sondern es werden die Beschäftigungseffekte, die diese Bereiche z.B. auch in anderen Wirtschaftssparten erzeugen, dargestellt. Auch die simple Aufsummierung der Werte darf nicht vorgenommen werden, da es sich um Bruttowert handelt, aus denen Doppelzählungen heraus gerechnet werden müssen. Erst wenn diese Bereinigung vorgenommen wird, kommt man auf den Nettowert von 50.492 Vollzeitarbeitsplätzen.


5. Die Wertschöpfungseffekte der österreichischen Musikwirtschaft

Der Gesamteffekt an Wertschöpfung der österreichischen Musikwirtschaft im In- und Ausland beträgt EUR 4,05 Mrd. Davon sind EUR 2,12 Mrd. direkt, 1,06 Mrd. indirekt, was eine primäre Wertschöpfung von EUR 3,18 Mrd. ergibt, die nun eine weitere Wertschöpfung von 0,87 Mrd. induziert.

Der größte Wertschöpfungsbereich ist der Aufführungs- und Veranstaltungssektor mit einer Gesamtwertschöpfung von EUR 1.696,4 Mio. Zu diesem Sektor zählen nicht nur die 1.677 Discos, Bars und Musikclubs, sondern auch Musikveranstaltungen in Musiktheatern (z.B. Wiener Staatsoper, Wiener Volksoper, Vereinigte Bühnen Wien, Opernhaus Graz), auf Freilichtbühnen, bei Festivals und Festspielen. Darüber hinaus wurden auch Musikveranstaltungen in Theatern und Bühnen berücksichtigt, die keine reinen Musiktheater sind. Dabei wurde nicht zwischen verschiedenen Musikgenres unterschieden. Somit fallen in diesen Bereich Musikveranstaltungen im Opern- und Konzerthäusern genauso wie jene in Jazz-Kellern, bei Pop- und Rockfestivals oder bei Open-Air-Veranstaltungen für Schlager und volkstümlicher Musik.

Der zweit wichtigste Wertschöpfungssektor der Musikwirtschaft ist der Musikausbildungs- und -weiterbildungsbereich mit EUR 994,0 Mio. Darunter fällt die Musikausbildung in Pflichtschulen, AHS und BHS sowie in den Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik, in Musikschulen, Konservatorien und Musikuniversitäten. Im Kindergarten- und Schulbereich wurden aber nur die Wertschöpfungseffekte berücksichtigt, die mit dem Musikunterricht auf Basis der Lehrpläne einhergehen. Hingegen wurden für die Musikschulen, Konservatorien und Musikuniversitäten die gesamten Umsatzerlöse als Berechnungsbasis herangezogen, weil eine eindeutige Musikzentrierung dieser Einrichtungen feststellbar ist. Ergänzt wurden die Daten noch durch die Förderungen für Blasmusikorchester, die als Musikweiterbildung eingestuft wurden.

Die drittgrößte Wertschöpfung in der Höhe von EUR 707,7 Mio. geht von den MusikerInnen und KomponistInnen aus. Inkludiert sind dabei alle selbständig Beschäftigten, die entweder in der Kulturstatistik der Statistik Austria erfasst wurden oder über die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft (SVA). Bei den unselbständig Beschäftigten im Musikbereich handelt es sich vor allem um OrchestermusikerInnen, sofern sie gewerkschaftlich organisiert sind.

Diese drei Bereiche – Musikveranstaltungen, Musikausbildung und Musikausübung/Musikschaffen – sorgen für 76,5% der Wertschöpfung in der österreichischen Musikwirtschaft. Im Vergleich dazu nehmen sich alle anderen Bereiche klein aus. So der Handel mit Tonträgern und Audiogeräten, der EUR 223,7 Mio. an Wertschöpfung generiert. Hierin zusammengefasst sind sämtliche physische und digitale Vertriebsformen für Musik (Einzelhandel, Download-Shops, Streamingdienste und diverse Zwischenhändler) wie auch der Handel mit Unterhaltungselektronik, sofern es sich um Audiogeräte (Hifi-Anlagen, MP3-Player, Autoradios etc.) handelt.

Die Verwertungsgesellschaften (AKM, AustroMechana, LSG-InterpretInnen) fließen insofern in die Wertschöpfungsberechnung ein, da sie nicht nur Tantiemen an ihre Bezugsberechtigten ausschütten, die allerdings bei den MusikerInnen/KomponistInnen sowie Musikverlagen berücksichtigt werden, sondern auch Ausgaben für Verwaltung, Spesen und Förderungen tätigen. Nur letztere sind wertschöpfungsrelevant, weil die Tantiemen ja als Durchlaufposten zu betrachten sind. In einer solchen Abgrenzung sorgen die Verwertungsgesellschaften für eine Bruttowertschöpfung (direkt, indirekt und induziert) von EUR 156,1 Mio.

Die Vervielfältigung von Tonträgern führt zu einer Wertschöpfung von EUR 139,4 Mio. und umfasst die Herstellung von Schallplatten, CDs, Musik-DVDs und Magnetbändern, die aus der Wirtschaftsklasse „Vervielfältigung von bespielten Ton-, Bild- und Datenträgern“ herausgerechnet wurden. Dabei entfällt der größte Wertschöpfungsanteil vermutlich auf die Sony DADC Austria AG in Salzburg.

Der Wertschöpfungsanteil von Hörfunk- und TV-Sender für die Musikwirtschaft wurde über den Musikanteil in den Programmen errechnet. Dabei wurden 382.824 Musikminuten pro Radio-Sender und 14.250 Musikminuten pro TV-Sender als Berechnungsbasis herangezogen. Weiters wurde angenommen, dass 10% der nicht-musikzentrierten Sendezeit ebenfalls Musikbezüge aufweist und es wurde unterstellt, dass die Kosten einer durchschnittlichen Radio- und TV-Minute den durchschnittlichen Kosten einer Musikminute entspricht. Daraus kann nun eine Wertschöpfung von EUR 119,5 Mio. durch Hörfunk und Fernsehen abgeleitet werden.

Die Produktion von Audiogeräten erfolgt durch 27 Hersteller von Unterhaltungselektronik in ganz Österreich. Daraus wurde der Anteil für die Herstellung von Audiogeräten errechnet und noch jene Unternehmen berücksichtigt, die Audiogeräte reparieren. Insgesamt führt die Herstellung und Reparatur von Audiogeräten in Österreich zu einer Bruttowertschöpfung von EUR 101,2 Mio.

Der Handel mit Musikinstrumenten, Musikalien und Musikliteratur umfasst zum einen den Instrumenten-Einzelhandel und eine Schätzung für den Großhandel mit Musikinstrumenten, da dieser gemeinsam mit den Spielwarenhandel ausgewiesen wird. Hinzugerechnet wurde zudem der Musikalienhandel sowie jener Anteil des Bucheinzelhandels, der auf Musik- und Tanzbücher fällt. In einer derartigen Abgrenzung ergibt sich eine Bruttowertschöpfung dieses Bereichs von EUR 87,2 Mio.

Getrennt von der Musikausbildung und -weiterbildung wurden die Konsumausgaben der Studierenden an den österreichischen Musikuniversitäten mit EUR 77,3 Mio. berechnet.

Der gemessen an der Gesamtwertschöpfung der österreichischen Musikwirtschaft dritt kleinste Bereich ist jener der Tonstudios, Labels und Musikverlage. Da die Statistik Austria keine getrennte Wirtschaftsleistung dieser Bereich ausweist, kann nur ein Gesamtwert für die Wertschöpfung von 537 erfassten Unternehmen in diesem Bereich von EUR 75,8 Mio. errechnet werden. Berücksichtig wurden dabei Unternehmen, die Masteraufnahmen zur Vervielfältigung herstellen, diese veröffentlichen und direkt an den Kunden sowie an den Einzel- und Großhandel vertreiben (Labels), die diese Tonaufnahmen technisch durchführen (Tonstudios), die Musikwerke verlegen und Nutzungslizenzen abseits der Verwertungsgesellschaften erteilen (Musikverlage) und die das Herunterladen von Musik ermöglichen. Schließlich wurden auch noch Unternehmen erfasst, die Rechte an Kompositionen erwerben und registrieren, sofern dies nicht Verwertungsgesellschaften machen. Der physische und digitale Vertrieb von Musik ist aber in dieser Kategorie nicht subsummiert.

Der zweitkleinste Wertschöpfungsbereich der österreichischen Musikwirtschaft bilden die Tanzschulen und musikzentrierten Museen. Dazu wurde die Anzahl von 121 Tanzschulen Österreich weit geschätzt. Hinzugerechnet wurden vier musikzentrierte Museen – Haus der Musik in Wien, das Mozarthaus Wien, der Geburtshaus sowie das Wohnhaus von Mozart in Salzburg. Zusammengenommen erzielten die Tanzschulen und musikzentrierten Museen eine Bruttowertschöpfung von EUR 74,2 Mio.

Schließlich ist noch der kleinste Wertschöpfungsbereich zu erwähnen: Die Herstellung und Reparatur von Musikinstrumenten, die mit der Produktion von Musikliteratur und Musikalien zusammengefasst wurde. Dabei wurden 195 Unternehmen der Musikinstrumentenherstellung erfasst. Ergänzt wurde diese Datenbasis noch durch den Anteil von musikzentrierter Literatur der in Österreich ansässigen Verlage und durch die Hersteller diverser Musikalien wie Musiknoten und Musikzeitschriften. Die Bruttowertschöpfung belief sich 2010 auf EUR 67,5 Mio.


Tabelle 2: Die Wertschöpfung der österreichischen Musikwirtschaft gegliedert nach Wertschöpfungsbereichen

Wertschöpfungsbereiche


6. Einordnung der Wertschöpfung der österreichischen Musikwirtschaft in die Gesamtwirtschaft

Die Gesamtwertschöpfung für die österreichische Musikwirtschaft im In- und Ausland beträgt insgesamt EUR 4.045.228.575, wobei 52,4% (EUR 2,1 Mrd.) direkte Wertschöpfung, 26,2% (EUR 1,1 Mrd.) indirekte und 21,5% (EUR 0,9 Mrd.) induzierte Wertschöpfung darstellen. In Summe trug die durch die österreichische Musikwirtschaft bewirkte Bruttowertschöpfung 1,29% an der gesamtösterreichischen Wertschöpfung bei. Das entspricht in etwa der Hälfte der Wertschöpfung des Sektors Kultur-, Sport und Unterhaltungsdienstleistungen und ist in etwa genauso groß wie gesamte Wertschöpfung des Sektors Kredit- und Versicherungswesen (IHS 2012: 92). Zudem hat der Sektor Kultur-, Sport und Unterhaltungsdienstleistungen am meisten – und zwar mit EUR 767,8 Mio. – von den Akteuren der österreichischen Musikwirtschaft profitiert, gefolgt von den Erziehungs- und Unterrichtsdienstleistungen (EUR 606,3 Mio.), den Beherbergungs- und Gaststätten-Dienstleistungen (EUR 408,8 Mio.) sowie den Einzelhandelsdienstleistungen inkl. den Reparaturarbeiten an Gebrauchsgegenständen (EUR 272,6 Mio.). Das bedeutet zugleich, dass die österreichische Musikwirtschaft im Kultur- Sport- und Unterhaltungsbereich 2010 insgesamt 11.636, im Erziehungs- und Unterrichtsbereich 9.301, im Beherbergungs- und Gaststättengewerbe 6.945 und im Einzelhandel 6.723 Vollzeitarbeitsplätze gesichert hat (IHS 2012: 85).

Der direkte Konsum durch Einkommen aus der Musikwirtschaft betrug zudem EUR 664,5 Mio., wobei zusätzlich noch indirekte Konsumeffekte von EUR 126,1 Mio. und induzierte Konsumeffekte von EUR 117,0 Mio. zu berücksichtigen sind, was einen Gesamtkonsum für Österreich von EUR 908 Mio. ergibt, den die Musikwirtschaft des Landes 2010 ausgelöst hat. Weiters haben die einzelnen Musikwirtschaftsbereiche Steuern und Sozialversicherungsabgaben in der Höhe von insgesamt EUR 1,3 Mrd. entrichtet. Der größte Brocken von EUR 657,0 Mio. entfiel dabei auf die diversen Sozialversicherungsträger, gefolgt vom Bund mit EUR 543,9 Mio. und die Bundesländern (ohne Wien) mit EUR 89,4 Mio. Auf die Gemeindeebene (ohne Wien) entfiel eine Steuerleistung von EUR 83,1 Mio. und schließlich noch auf Wien von EUR 55,6 Mio. (IHS 2012: 78, 82).


Ökonomische Effekte der Musikwirtschaft in Wien und Österreich, Projektbericht des Instituts für Höhere Studien (IHS) im Auftrag der Wirtschaftskammer Wien.

Projektleitung: Alexander Schnabl

weitere Studienautoren: Hermann Kuschej, Liliana Mateeva, Gerlinde Titelbach, Barbara Zucker

unter der Mitarbeit von Brigitte Hochmuth, Julia Janke, Sarah Lappöhn und Alina Pohl.


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