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There is Music in the Cloud

Vor kurzem haben die Web-Giganten Google und Amazon sowie Apple Inc. mit ihren Cloud-basierten Musikservices eine neue Diskussionsrunde über die Zukunft der Musikdistribution eingeläutet. Handelt es sich dabei um ein nachhaltiges Geschäftsmodell oder lediglich um einen vorübergehenden Hype mit viel heißer Luft in der Cloud? Dieser Frage, möchte ich in diesem Blog-Beitrag nachgehen.

Einleitung: Ein kurzer historischer Rückblick

Vor kurzem haben die Web-Giganten Google und Amazon sowie Apple Inc. mit ihren Cloud-basierten Musikservices eine neue Diskussionsrunde über die Zukunft der Musikdistribution eingeläutet. Handelt es sich dabei um ein nachhaltiges Geschäftsmodell oder lediglich um einen vorübergehenden Hype mit viel heißer Luft in der Cloud? Dieser Frage, möchte ich in diesem Blog-Beitrag nachgehen.

Die Idee Musikdateien auf einen virtuellen Server irgendwo im Netz hochzuladen ist gar nicht so neu, wie die gegenwärtigen Entwicklungen vermuten lassen. Ganz im Gegenteil. Solche „Musikschließfächer“ oder „Musik-Locker“ gab es bereits in einer Zeit, als es noch keine massiven Umsatzeinbrüche im Tonträgerverkauf zu beklagen gab und bevor P2P-Filesharing die den Musikindustrievertreter/innen die Zornesröte ins Gesicht steigen hat lassen. Der Online-Musikpionier Michael Robertson hat bereits Ende 1997 MP3.com gegründet und auf dieser Plattform auf einen „Musik-Locker“ namens MyMP3 angeboten. Dieser Dienst ermöglichte es den User/innen, ihre CDs-Tracks auf einen Firmenserver zu laden, um sie dann von wo auch immer online abspielen zu können. Genauer gesagt, wurden die Trackdaten nicht hochgeladen, sondern mit einer Datenbank abgeglichen, über die dann quasi eine Playlist für die CD erstellt wurde. Im Grunde genommen handelte es sich dabei um genau jenes „Scan-und-Match“-Service, auf das Google, Amazon und Apple ebenfalls abzielen. Damals wie auch heute stoßen die Anbieter aber auch rechtliche Probleme. Im Jahr 2000 waren es die damals noch fünf Musik-Majors und ihre Verlage, die MP3.com wegen seines „Musikschließfaches“ auf Copyright-Verletzung klagten. Mit vier der Majors einigte sich MP3.com außergerichtlich, insgesamt US$ 80 Mio. an Schadenersatzzahlungen zu leisten. Lediglich Vivendi/Universal stimmte diesem Deal nicht zu und erzwang einen Gerichtsentscheid, wonach allein der Universal Music Group ein Schadenersatz von US$ 53,4 Mio. zustand. Da MP3.com diesen Millionenzahlungen niemals hätte nachkommen können, wurde es schließlich von Vivendi/Universal übernommen, ohne dass ein nachhaltiges Geschäftsmodell etabliert werden konnte Schließlich wurde MP3.com samt „Musik-Schließfach“ an CNET weiter verkauft.

Trotz dieser juristischen und wirtschaftlichen Niederlage ließ sich Michael Robertson nicht entmutigen. 2006 gründete er mit MP3tunes wieder ein „Musik-Schließfach“-Service, das nicht jene juristischen Angriffsflächen bieten sollte wie noch MyMP3 Jahre zuvor. Dennoch klagte die EMI Ltd. 2007 MP3tunes sowie die damit eng verbundene Online-Musiksuchmaschine sideload.com abermals auf Copyright-Verletzung. Ein Urteil in diesem Prozess steht allerdings noch aus.

In der Zwischenzeit drängten andere Anbieter von „Musik-Locker“-Services auf den Markt. 2007 wurde Lala mit finanzieller Unterstützung der Warner Music Group ins Leben gerufen. Lala ermöglichte es seinen Nutzer/innen entweder einen Musiktrack um USc 99 zu downloaden oder um USc 10 einen im Web gehosteten Song zu streamen. Zudem konnten Lala-Kund/innen jeden Song aus dem Katalog kostenlos streamen und bis zu 50 Titel in ihrer Online-Musik-Kollektion aufbewahren.[1] Der Nutzer/innen-Zuspruch war groß und so wurde die Lala Media Inc. im Dezember 2009 um US$ 85 Mio. an den Computerriesen Apple Inc. verkauft. Allerdings wurde das Service im Mai 2010 bereits wieder eingestellt und seitdem machen immer wieder Gerüchte die Runde, dass Apple bald selbst ein Cloud-basiertes Musikservice präsentieren würde. Es dauerte aber bis Anfang Juni 2011 bis Apple mit der iCloud die Gerüchte Wirklichkeit werden ließ.

Bevor aber Apple, Google und Amazon in der Musikcloud aktiv wurden, startete im Juni 2010 ein kleines Internet-Start-up-Unternehmen aus Palo Alto in Kalifornien, mSpot, sein Cloud-Musik-Service. mSpot ermöglicht seinen Benutzer/innen den Upload digitaler Musikfiles auf firmeneigene Server, von denen dann die Musik von allen mit dem Internet verbundenen Endgeräte gestreamt werden kann. Für den Upload sind die ersten 2 GB frei; bis zu 10 GB fallen US$ 3 pro Monat an, US$ 5 für bis zu 20 GB, US$10 für bis zu 50 GB und US$ 14 monatlich für bis zu 100 GB.[2] Auf der diesjährigen MIDEM in Cannes verkündete mSpot, dass bereits 750.000 registrierte Nutzer/innen Accounts angelegt hätten und dem Start im Juni 2010 schon mehr als 1 Mio. Uploads vorgenommen worden wären.[3]

Im Oktober 2010 wurde vom früheren P2P-Musik-Filesharing-Netzwerk Audiogalaxy ein „Musik-Locker“ im Netz frei geschaltet. Allerdings bietet Audiogalaxy lediglich ein so genanntes Remote-Streamingservice an. Dabei muss eine Applikation herunter geladen werden, die auf den Computern der Nutzer/innen befindlichen Musikdateien in einer „Audiogalaxy-Music-List“ darzustellen, auf die man dann nach Registrierung bei Audiogalaxy von anderen netzfähigen Computern bzw. von iOS- und Android Smartphones zugreifen kann. Im engeren Sinn kann also Audiogalaxy nicht als Cloud-basiertes Musikservice angesehen werden. Ähnlich funktieren in dieser Hinsicht die Remote-Streaming-Plattformen Orb und subSonic, die bereits vor Audiogalaxy ihr Angebot auf den Markt gebracht haben.

 

Die nächste Welle der Cloud-basierten Musikservices – Amazons „Cloud Drive“, Googles „Music Beta“ und Apples „iCloud“

Wie wir also sehen können, gab es bereits Cloud-basierte Musikservices auf dem Markt, bevor Amazon, Google und Apple mit ihren Angeboten im ersten Halbjahr 2011 online gegangen sind. Dennoch handelt es sich bei diesen Vorläufermodellen noch nicht um ein vollwertiges Cloud-basiertes Musikservice, sondern um einfache „Musik-Schließfächer“ oder um Remote-Streaming-Services, weil für ein darüber hinaus gehendes „Scan-und-Match“-Service die Rechte mit den Labels und Musikverlagen abgeklärt werden müssten.

 

Amazon Cloud Drive und Amazon Cloud Player

Der Online-Retailer Amazon hat sein Cloud-basiertes Musikservice – Amazon Cloud Drive – in den USA am 28. März 2011 online gestellt. Cloud Drive ermöglicht es seinen Benzuter/innen digitalen Content (Musik, Videos und Fotos) auf firmeneigene Server hochzuladen, wo sie dann jederzeit über einen Webbrowser zugänglich sind. Die auf den externen Servern gespeicherte Musik kann dann über eine Applikation, die Dateien im MP3- und AAC-Format unterstützt – den Amazon Cloud Player – über PC und Android Smartphones wieder gegeben werden. Allerdings bietet Amazon lediglich 5 GB gratis an Speicherplatz an, was weniger ist als auf einem handelsüblichen iPod Touch. Weitere Speicherkapazitäten müssen zusätzlich gekauft werden: von jährlich US$ 20 für 20 GB (inklusive der 5 Gratis-GB) bis zu US$ 1.000 für 1.000 GB – also US$ 1 für 1 GB. Wenn aber Musikkonsument/innen davor ein digitales Album im Amazon Music Store erworben haben, dann sind die ersten 20 GB pro Jahr gratis verfügbar, und es werden dabei die auf Amazon gekauften Songs nicht in die Speicherquote mit hinein gerechnet.[4] Damit ist auch klar, worauf Amazons Cloud-Musikservice abzielt, nämlich auf die Verkaufsförderung von Musik aus dem Onlinemusik-Store. Aber natürlich lässt sich auch mit dem Verkauf von Speicherkapazität zusätzlich Geld verdienen.

Craig Pape, Musikdirektor von amazon.com, stellt die Motivation für ein Cloud-basiertes Musikservice in einem Interview folgender Maßen dar: “We’re doing this in response to customer feedback. Ever since [Amazon Music] launched 3.5 years ago, generally, across all our digital businesses, customers responded well. But they express frustration at things like, ‘I don’t want to shop at work because I don’t want the files stranded on my work computer,’ or ‘I love the mobile app but the files get orphaned on my phone.’ So we really felt it was important to give customers a central place to store, and give them the right interfaces to stream that. And obviously the more people rely on digital libraries, they feel frustrated if a hard drive crashes, so having online storage backup component was a big deal.”[5]

Was immer Amazon mit seinem Cloud-Musikservice beabsichtigt, es ist keinesfalls ein Cloud-Musikservices in der Endausbaustufe, sondern lediglich ein „Musik-Schließfach“, wie es kleinere Firmen bereits auf dem Markt anbieten. Der Grund dafür ist, dass die Verhandlungen mit den Rechteinhabern – vor allem Label und Verlage – zu keinem Kompromiss geführt haben, und Amazon einseitig die Verhandlungen beendet und mit seinem Musikservice online gegangen ist. Ein ähnliches Szenario also, mit dem Google ein paar Monate später konfrontiert war.

 

Google Music Beta

Die Internetsuchmaschine Google hat sein Cloud-basiertes Musikservice namens Music Beta am 10. Mai 2011 veröffentlicht, nachdem die Verhandlungen über die Musiknutzungsrechte mit den Major-Musiklabels keinen Abschluss gefunden haben. Die Google-Direktorin für Content-Partnerships, Zahavah Levine, die federführend die Verhandlungen mit den Labels und Musikverlagen für Google geführt hat, äußerte sich in den Medien ungewohnt scharf zu den Forderungen der Rechteinhaber: “A couple of major labels were less focused on innovation and more on demanding unreasonable and unsustainable business terms.”[6] Anstatt ein nutzerfreundliches und Speicherplatz sparendes „Scan-und-Match“-System anbieten zu können, musste also Google ähnlich wie Amazon davor auf einen einfachen „Musik-Locker“ downgraden. Damit ist es den Musiknutzer/innen lediglich möglich, ihre Files auf den Google-Server zu laden, um sie dann über PC und Android-Geräte zu streamen. Einige Unterschiede zu Amazons Cloud Drive sind dennoch festzustellen: Die Anzahl der Songs, die auf den Google-Server hochgeladen werden können ist mit 20,000 begrenzt und nur US-Nutzer/innen, die über music.google.com eine Einladung erhalten, dürfen den Dienst, der offensichtlich in einer Beta-Version läuft, verwenden.

Die Hauptmotive für Google, diesen Dienst möglichst rasch auch ohne Rechteklärung anzubieten, waren zum einen, die Fertigstellung der Android-Applikation zum Musikstreaming, die auf der gleichen Pressekonferenz, in der Beta Music gelauncht wurde, der Öffentlichkeit vorgestellt wurden und zum anderen dem Konkurrenten Amazon möglichst rasch mit einem Angebot nachzufolgen, da Google selbst derzeit zumindest noch über keinen Musik-Onlineshop verfügt. Schließlich wollte man auch noch vor Apple das eigene Cloud-Musikservice anbieten.

 

Apple iCloud

Am 6. Juni 2011 war es soweit. Steve Jobs höchstpersönlich präsentierte in San Francisco die neue iCloud-Strategie des Computerkonzerns. Wobei Apple in Zukunft gar kein Computerkonzern mehr sein möchte, denn mit der iCloud soll der Heim-PC als zentrale Schnittstelle und Speichermedium allmählich verschwinden. An dessen Stelle soll ein Netzwerk von zentralen Serverfarmen und verschiedenen Endgeräte – iPod, iPad, iPhone, iMac etc. – treten, in dem Daten ohne großen Aufwand synchronisiert werden können. Musik spielt in der iCloud-Strategie eine wichtige Rolle. Jeder Musiktitel, der irgendwann einmal im iTunes Music-Store erworben wurde kann nun via iCloud auf maximal zehn Endgeräte herunter geladen und abgespielt werden. Neu auf iTunes gekaufte Songs werden automatisch mit jedem Apple-Endgeräte synchronisiert und somit verfügbar gemacht. Diese beiden Dienste bietet Apple seinen Kunden gratis an. Wenn Musikfiles in anderen Online-Shops erworben wurden, so können diese mittels Scan-und-Match-Funktion – „iTunes Match“ genannt – über eine Datenbank in ein Musik-Schließfach eingespeist werden. Sollte ein Titel nicht in der umfassenden Datenbank verfügbar sein, so kann dieser individuell in den Musik-Locker geladen werden. Allerdings verrechnet Apple für diesen Scan-und-Match-Dienst US$ 24,99 pro Jahr. Alle diese Musikfunktionen sind eingebettet in insgesamt neun iCloud-Services für Fotos, Bücher, Dokumente, Applikationen, E-Mailing, Kalendarium, Adressbuchfunktion sowie Backup-Software.

Damit ebnet Apple den Weg für ein neues Geschäftsmodell der Musikdistributions- und Musikkonsumption. Nicht mehr der Besitz von Musik in Form von Tonträgern oder digitalen Files wird das Entscheidende sein, sondern die permanente Verfügbarkeit von Musik wo immer man sich auch befindet – sofern man online ist. Da Apple mit den Labels und Verlagen sich auch vertraglich einigen konnte, geht die iCloud weit über das hinaus, was Google und Amazon diesbezüglich anbieten können. Die iCloud erfordert keinen langwierigen Upload von Musikdateien auf einen externen Server, sondern ermöglicht den direkten Zugriff auf Musik mit einem Mausklick. Dennoch ist die iCloud nicht so revolutionär wie sie hätte sein können. Es gibt keine Empfehlungsfunktion, keine Musiktauschfunktion und sie ist auch nicht in Social Media Netzwerk eingebettet. Alles in allem fehlt der iCloud das, was man als Musikerlebnis bezeichnen könnte. Es dreht sich stattdessen alles um Funktionalität und Verfügbarkeit. Den Absatz der Apple-Endgeräte wird das neue Service sicher ankurbeln und Apple wir damit sicherlich seine ohnehin schon starke Position im digitalen Musikgeschäft nicht nur festigen, sondern weiter ausbauen.

 

Technologische, rechtliche und wirtschaftliche Herausforderungen für Cloud-basierte Musikservices

Technologische Herausforderungen

Abbildung 1: Musik-Locker vs. Cloud-basierte Musikservices

Die zentrale Punkt, in dem sich einfache Musik-Locker von „richtigen“ Cloud-basierten Musikservices unterscheiden, ist, dass bei ersterem die Musiktracks File für File auf einen Server im Netz hochgeladen werden müssen. Das ist nicht nur ein zeitaufwändiges Unterfangen, sondern erfordert auch große Speicherkapazität, wenn man damit rechnet, dass ein durchschnittlicher Popsong in guter Wiedergabequalität bis zu 8 MB Speicherplatz benötigt. Für ein paar Alben kommen rasch schon einmal ein paar Gigabytes zusammen. Und diesen Speicherplatz muss ein Anbieter erst einmal zur Verfügung stellen können. Die Lösung ist daher eine „Scan-und-Match“-Funktion, über die die digitalen Musikbibliotheken der Musiknutzer/innen einfach mit einer Musik-Datenband synchronisiert werden können. Der Hacken an dieser technischen Lösung ist aber, dass die Rechteinhaber – vor allem Label und Verlage – miteinbezogen werden müssen, was bislang nur Apple zustande gebracht hat.

Eine weitere technologische Herausforderung, die zu bewältigen ist, ist die Konnektivität. Der Musikupload erfordert nicht nur einen entsprechenden breitbandigen Internetzugang, sondern die spätere Musikstreams sollte auch offline möglich sein. Entsprechende Cache-Verfahren sind bereits im Einsatz.

 

Rechtliche Herausforderungen

Ein weiterer zentraler Punkt, der über Sein-oder-Nicht-Sein von vollwertigen Cloud-Musikservices entscheidet, ist die Frage der Musiklizenzierung. Craig Pape von Amazon argumentiert, warum für Cloud Drivekeine Musiklizenzen nötig wären: “We look at it the same way as if someone bought an external hard drive and copy files on there for backup.”[7] Musikindustrie-Vertreter/innen sehen das naturgemäß anders. Die Sprecherin der Sony Music Entertainment meldete gleich nach Inbetriebnahme von Amazons Cloud Drive Bedenken an, ob ein derartiger Musik-Locker nicht doch zu lizenzieren wäre und hielt sich alle juristischen Optionen offen. Martin Bandier, Geschäftsführer von Sony/ATV Music Publishing wurde in einem Interview für das Wall Street Journal noch deutlicher: “This is just another land grab. I can’t make it any plainer than that. It’s really disrespectful, and of course we are considering all of our options.”[8]

Urheberrechtsexperten in den USA tendieren mehrheitlich zur Position von Amazon und Google und verweisen auf die oberstgerichtliche Entscheidung im Fall von Cablevision Systems Corps., das ein Remote-DVR-System angeboten hat und 2007 von Film- und TV-Produktionsfilmen verklagt wurde. 2009 entschied der US-Supreme-Court zugunsten von Cablevision, und zwar in dem Sinn, dass das Speichern digitaler Kopien von TV-Shows und Filmen auf einem externen, zentralen Firmenserver keine Lizenzen erfordere, solange es sich um separat gespeicherte Kopien der Sendungen/Filme durch die einzelnen Nutzer/innen handle.[9]

Ohne das Urteil im Cablevision-Fall abzuwarten, hat Capitol/EMI, wie schon erwähnt, 2007 das ähnlich gelagerte Musik-Locker-Service MP3tunes auf Copyright-Verletzung geklagt. In der Anklagschrift wird MP3tunes als “(…) integrated music service through which they [the music consumers] can listen to music on their computers, obtain permanent copies of music stored in online ‘lockers’ provided by MP3tunes, transfer music from their MP3tunes lockers to their computers or other portable devices, and further distribute that music to others.”[10]

Diese Passage aus der Klagschrift offenbart, was die Labels und Musikverlage am meisten bei Cloud-basierten Musikservices fürchten, nämlich eine überdimensioniale und unkontrollierbare Musiktauschbörse. Deshalb bestehen vor allem die Labels darauf, dass die Musikkonsument/innen nur von einem Gerät, Laptop Heim-PC oder Arbeits-PC, aber nicht von allen dreien aus ihre Musik hochladen dürfen. Der Download sollte überhaupt auf nur eine Sicherheitskopie begrenzt sein, alle weiteren Downloads sollten untersagt sein.

Auf Labelseite herrscht auch die Sorge, dass die Musikkonsument/innen gleich mehrere Accounts in der Cloud eröffnen könnten, um die überzähligen mit Musik gefüllten „Schließfächer“ dann an andere weiterzugeben oder gar zu verkaufen. Diesbezüglich wurden auch schon Forderungen nach eine zentralen Cloud-Service-Kontrollstelle laut, über die alle Accounts registrierst werden müssten. Zumindest sollte über Kreditkartendaten die Identität der Kund/innen sichergestellt werden.

Die Forderungen der Labels und Verlage gehen aber noch weit darüber hinaus. Konsument/innen sollte es nicht erlaubt sein, unauthorisiert erworbene Musik (z.B. über Filesharing-Netzwerke) in die Cloud zu stellen, um sie damit quasi weiß zu waschen. Um das zu verhindert, verlangen die Labels, dass jeder Online-Musikshop in die digitalen Musikfiles personalisierte Informationen über die Käufer/innen (wie bei iTunes praktiziert) einfügt oder zumindest eine elektronische Rechnung, die über den legalen Kauf der Musikdatei Aufschluss gibt, ausstellt wie das bei Napster der Fall ist.[11]

 

Wirtschaftliche Herausforderungen

Letztendlich sind es aber wirtschaftliche Herausforderungen, die die Cloud-basierten Musikservices meistern müssen, um nachhaltig funktionieren zu können. Das muss vor dem Hintergrund Jahre lang sinkender Umsätze aus dem Musikverkauf betrachtet werden, da die Labels und Musikverlage bestrebt sein werden, diese Services als Einnahmenquelle anzuzapfen. Wenn Amazon, Google, Apple und Co. Cloud-basierte Musikservices anbieten, für die die Labels keine Lizenzeinnahmen generieren können, dann werden in Zukunft auch keine nennenswerten Einnahmen aus dem digitalen Musikgeschäft speziell für die Musik-Majors mehr fließen. Dementsprechend hart waren die Verhandlungen zwischen Cloud-Musikanbietern und den Major-Labels. In Medienberichten werden gut informierte Quellen zitiert,[12] die die Bereitschaft von Google belegen, den Copyright-Inhabern 70% von allen aus dem Musik-Cloud-Angebot fließenden Einnahmen zu überlassen. 58% sollten dabei für die mechanische Rechte an die Major-Label fließen und 12% an die Verlage. Warner und EMI waren gemäß dieser Quellen bereit, den Deal einzugehen, aber Universal und Sony legten sich quer. Anstatt der 58% bestanden sie angeblich auf einem Anteil von 60%. Aber auch die Indie-Labels waren mit dem von Google angebotenen Anteil von 53% nicht zufrieden und wollten zumindest gleichen Anteil wie die Major-Labels bekommen.

Daneben spielte auch die Höhe der Vorschüsse eine Rolle in den Verhandlungen. Google war bereit US$ 100 bis 150 Mio. an Vorschuss die Rechteinhaber zu bezahlen, der dann nach Marktanteil zwischen hätte aufgeteilt werden sollen. So wie es scheint, wollte die Universal Music Group diesem Vorschlag nicht zustimmen, da sie 2010 erstmals in den USA im Marktanteil hinter die Sony Music Entertainment gerutscht war und weiterhin auf ihre Vormachtstellung pochte. Zudem verlangte Universal von Google alle Suchergebnisse von Webpages zu beseitigen, die unauthorisierte Musikangebote beinhalteten. Zudem sollte die Google-Tochter YouTube User-generierte Inhalte dann beseitigen, wenn sie nicht von User-generierten Filmclips, sondern von anderem copyright-geschütztem Material begleitet wären. Diese Forderungen gingen dann wohl wieder Google zu weit.

Da Google, ähnlich wie Amazon, ein vollwertiges Cloud-basiertes Musikservice mit eingebauter Radiofunktion, einem Musik-Download-Shop sowie einer Scan-und Match-Cloud-Musikdatenbank anbieten will, werden die Verhandlungen trotz vorzeitigem Launch von Music Beta diskret weiter geführt. Solange sich aber keine Lösung abzeichnet, wird es beim einfachen Musik-Schließfach von Google bleiben, von dem keinerlei Lizenzzahlungen an die Rechteinhaber fließen. Lediglich Apple hat alle wirtschaftlichen Hürden mit den Rechtinhabern genommen und hat nun mit seiner iCloud die beste Ausgangsposition in diesem Geschäftsfeld den Ton anzugeben.

 

Schlussfolgerungen

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind eigentlich nur zwei Szenarien denkbar:

(1)   Die Rechteinhaber (Label und Musikverlage) kommen mit allen relevanten Anbietern von Cloud-basierten Musikservices zu einem Deal, wonach die Rechtinhaber garantierte Vorschusszahlungen sowie einen großen Anteil (bis zu 70%) an allen Einnahmen aus den Cloud-Musikservices beziehen können. Diese bestehen vor allem aus Einnahmen aus der Vermietung von Speicherkapazitäten, aus Premium-Abonnements und aus Werbung. Die Cloud-Servicebetreiber hätten dabei die Möglichkeit Kosten sparend eine vollwertige und lizenzierte Scan-und Match-Lösung anzubieten.

(2)   Beide Seiten kommen zu keinem Deal. Dann würden sich die Cloud-Musikservices nicht voll entfalten können und würden einfache Musik-Locker bleiben, aus denen keine Lizenzeinnahmen an die Rechteinhaber fließen würden, auch wenn diese die Musikschließfach-Betreiber ähnlich wie MP3tunes wegen Copyright-Verletzung verklagen sollten. Die Musik-Locker-Betreiber müssten in diesem Szenario sehr große Speicherkapazitäten bereitstellen, da von jeder User/in jeder Upload gespeichert werden müsste – ein kostspielige Lösung.

Da aber Apple mit seiner iCloud bereits den Weg vorgezeichnet hat, scheint der Eintritt des zweiten Szenarios recht unwahrscheinlich zu sein und es steht zu erwarten, dass die anderen Anbieter von Cloud-basierten Musikservices – insbesondere Google und Amazon – bald folgen werden. Wie unter den kolportierten Forderungen der Rechteinhaber ein profitables Geschäftsmodell für Cloud-basierte Musikangebote aussehen kann, steht allerdings in den Sternen. Auch ist völlig unklar, wie die Musikschaffenden – Komponist/innen, Autor/innen und Interpret/innen – von der Musik in der Cloud profitieren können. Eines ist klar: Von reinen Musik-Schließfächern werden sie niemals Geld zu sehen bekommen. Bei vollwertigen Cloud-Musikservices wird es sehr davon abhängigen, wie die Verträge mit den Labels und Verlagen ausgestaltet sind. Es steht allerdings zu befürchten, dass dabei auch wenig bei den Musikschaffenden am Ende des Tages ankommen wird.

Es ist aber klar, das gegenwärtig nicht nur die Regeln des Musikbusiness der Zukunft geschrieben werden, sondern auch die Verhandlungsergebnisse auch darüber mitentscheiden, ob nutzerfreundliche Cloud-basierte Musikservices angeboten werden können und ob diese dann auch nachhaltig wirtschaftlich betrieben werden können. MP3tunes-Gründer Michael Robertson ist diesbezüglich nicht sehr optimistisch: “With the record labels wide reaching demands it’s difficult to see how Amazon, or any company, could arrive at a workable license for personal cloud music.”[13] Möglicherweise hat Apple bereits bewiesen, dass es doch geht.

 


[11] Dazu MP3tunes-Gründer Michael Robertson: “iTunes has been inserting email addresses into every song while other retailers like Napster are using a unique receipt number.” TechCrunch, “Behind the Scenes: Record Label Demands from Amazon”. A Guest Post by Michael Robertson, April 29, 2011


 

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