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Die Musiknutzung Jugendlicher in Großbritannien – Zusammenfassung des Musikwirtschafts-Jour-fixe vom 17. Januar 2011

Am 17. Januar 2011 präsentierten Dennis Collopy und David Bahanovich von der University of Hertfordshire ihre Langzeitprojekt zur Musiknutzung britischer Jugendlicher im Alter von 14-24 Jahren. Die Befragungsergebnisse für die Jahre 2008 und 2009 liegen bereits vor und auf dieser Basis soll im Frühjahr dieses Jahres die Studie in erweiteter Form fortgesetzt werden.

Music Experience and Behavior in Young People, Survey results 2008

Music Experience and Behavior in Young People, Survey results 2009

Präsentation der Ergebnisse beider vorliegender Studien 

In weiterer Folge können die zentralen Ergebnisse der beiden Studien Dennis Collopy und David Bahanovich zusammen gefasst.

 

Es wurden von den Studienautoren 2009 insgesamt 1.808 Personen in der Altersgruppe der 14-24jährigen in ganz Großbritannien befragt. Die Studie ist somit repräsentativ für britische Jugendliche in dieser Altersspanne. Beauftragt wurde die erste wie auch zweite Befragungswelle von der UK Music, die als Dachverband aller wichtigen Institutionen der Musikwirtschaft – Verwertungsgesellschaften, britischer Musikindustrieverband (BPI), Interessensvertretungen von Musiker/innen und anderer Musikschaffender – fungiert.

Vier zentrale Bedürfnisse von Jugendlichen bezüglich ihres Musikkonsums lassen sich aus den Befragungen ableiten:

  • Das Bedürfnis, sich Musik anzueignen: Für die Technik affine und junge Generation von Musikkonsument/innen ist Musik integraler Bestand ihres Lebens und Life-Styles. Im Durchschnitt besitzt eine Jugendliche in Großbritannien 8.000 Musik-Tracks im Digitalformat, davon rund 1.800 Titel allein auf mobilen Abspielgeräten. Der Computer ist dabei die zentrale Schnittstelle des Musikerwerbs- und -konsums.
  • Das Bedürfnis, Musik mit Freunden zu teilen: 61% (2009) bzw. 63% (2008) gaben in der Befragung an, dass sie weiterhin Musik über Filesharing-Netzwerke tauschen. Die meisten der Befragten machen das auf täglicher Basis oder zumindest einmal pro Woche. Als Hauptmotiv für das Filesharing wird von den Jugendlichen angeben, dass es gratis ist. Es wird aber nicht nur über Filesharing-Netzwerke Musik getauscht, sondern auch über Hosting-Sites, E-Mails, Bluetooth-Verbindungen, CD-Rs, YouTube, USB-Sticks und über den Datenaustausch ganzer Computer-Festplatten. Mit anderen Worten: „They simply want what they love – the music – and they want it now.”
  • Das Bedürfnis, Musik zu besitzen: Der Wert eines physischen Tonträgers (CD oder Vinyl) wird höher eingeschätzt als Musik in Form eines digitalen Datenformats. So wie die digitale Musiksammlung, wächst auf die CD- oder in Einzelfällen Schallplattensammlung der befragten Jugendlichen jedes Jahr an. Darunter befinden aber nicht nur käuflich erworbene Original-Tonträger, sondern auch viele kopierte CD-Rs. Dabei sind sich die Jugendlichen durchaus bewusst, dass die Erstellung einer Kopie nach britischem Recht nicht erlaubt ist.
  • Das Bedürfnis, digitale Musikfiles zu besitzen: Wie bereits die Befragung des Jahres 2008 gezeigt hat, sind britische Jugendliche bereit für die Nutzung von Musikservices zu bezahlen. So gaben 85% der selbst deklarierten Filesharer/innen an, für unlimitierte MP3-Downloads aus einem „All-you-can-eat“-Subskriptionsservice bezahlen zu wollen. Zwar werden von den jungen Musikkonsument/innen auch Musik-Streamingservices geschätzt aber nicht als Ersatz für den Erwerb eines digitalen Musikfiles gesehen. Zudem waren 78% der Befragten nicht bereit, für Streamingservices zu bezahlen. Kurz und gut zeigt sich, dass die befragten Jugendlichen Musik in physischer wie auch nicht-physischer Form ihr Eigen nennen wollen.

Das waren die Kernaussagen der ersten beiden Befragungswellen und es bleibt abzuwarten, ob und in welchem Ausmaß sich die Befragungsergebnisse 2011 verändern werden. Die Autoren versuchen zudem, das Untersuchungsdesign noch weiter zu differenzieren. So wird versucht, sich tendenziell ergebenden genderspezifischen Differenzen genauer auf den Grund zu gehen und auch eine Unterscheidung zwischen Fans verschiedener Musikgenres wird vorgenommen werden. Die Ergebnisse werden, sobald sie vorliegen, an dieser Stelle wieder besprochen werden.


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