06
Sep
10

Musikwirtschaft Australien – Das Musiklizenzgeschäft

Musik-Verwertungsgesellschaften in Australien

In Australien sind drei Verwertungsgesellschaften für die Rechte-Wahrnehmung im Musikbereich zuständig: Die im Jahr 1926 gegründete Australasian Performing Rights Association Ltd. (APRA) für die Wahrnehmung des Aufführungs-, Sende- und Verbreitungsrecht, die 1979 ins Leben gerufene Australasian Mechanical Copyright Owners’ Society Ltd. (AMCOS) für das Recht der mechanischen Reproduktion (z.B. über Tonträger oder über diverse digitale Formate) und die 1969 ins Leben gerufene Phonographic Performance Company of Australia Ltd. (PPCA), die die Leistungsschutzrechte der Label und Interpret/innen wahrnimmt.

Zusammen erzielten die drei australischen Musik-Verwertungsgesellschaften im Jahr 2009 Lizenzerträge in der Höhe von AUD 234,8 Mio. (EUR 135,0 Mio.)[1]. Dieser Wert entspricht ungefähr der Hälfte der mit physischen und digitalen Musikprodukten erwirtschafteten Umsatzerlöse der australischen Musikindustrie (siehe: „Musikwirtschaft Australien – Eine Analyse des physischen und digitalen Musikmarktes 2000-2009“).

Wie sich die Lizenzeinnahmen der einzelnen Gesellschaften entwickelt haben und welche Besonderheiten das Verwertungsgesellschaften-System in Australien aufweist, kann in der Folge hier nachgelesen werden.

 

APRA/AMCOS: Organisationsstruktur und Rechtewahrnehmung

Die APRA und AMCOS sind selbständige Non-Profit-Gesellschaften mit getrennten Mitgliederversammlungen und Direktorien, allerdings nimmt seit 1997 die APRA auch die operativen Geschäfte der AMCOS wahr, um Einsparungspotenziale und Synergien zu nutzen. Bei der APRA können Autor/innen und Komponist/innen Mitglieder werden, wenn sie die Urheberschaft zumindest eines Werks nachweisen können und dieses öffentlich aufgeführt oder verbreitet wurde. Voraussetzung ist dabei der Nachweis der australischen oder neuseeländischen Staatsbürgerschaft oder zumindest eines ständigen Wohnsitzes in einem der beiden Staaten. Allerdings schließt sie Mitgliedschaft bei einer anderen Verwertungsgesellschaft die Mitgliedschaft bei der APRA aus. Musikverlage erhalten die Mitgliedschaft bei der APRA dann, wenn sie in Australien oder Neuseeland als Firma eingetragen sind, und zumindest ein Werk nachweislich verlegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist. Ähnliche Aufnahmebedingungen gelten für die AMCOS, wobei zusätzlich noch nachgewiesen werden muss, dass ein Copyright bei den gemeldeten Werken besteht.

Mitglieder beider Verwertungsgesellschaften übertragen die infrage stehenden Rechte exklusiv. Das schließt somit die Lizenzierung unter Creative Commons Lizenzen grundsätzlich aus. Allerdings haben die Verantwortlichen der APRA/AMCOS auf die immer stärker wachsende Nachfrage nach CC-Lizenzierung reagiert, und ermöglichen seit einiger Zeit ein Opting-Out in den Wahrnehmungsverträgen, wenn aus Sicht der Urheber/innen eine individuelle Rechtwahrnehmung sinnvoll erscheint: „To that end, we have for some time now, offered members the choice of flexible licence-back and opt-out arrangements that enables members to self-licence certain works if that better suits their needs“ (APRA-AMCOM Merkblatt zu ‚Creative Commons’). Ob und in welchem Ausmaß das Opting-Out in Anspruch genommen wurde, konnte allerdings nicht festgestellt werden. Aber die alleinige Existenz dieser Möglichkeit lässt auf einen gewissen Bedarf nach CC-Lizenzierung durch die Bezugsberechtigten schließen.

 

Die Einnahmenentwicklung der APRA/AMCOS im Jahresvergleich

Eine längere Zeitreihe für die Einnahmenstruktur ist online nur für die beiden Gesellschaften (APRA und AMCOS) konsolidiert verfügbar. Inflationsbereinigt zeigt sich dabei ein Anstieg zwischen 2000 und 2009 um 45,4% auf AUD 210 Mio. (EUR 120,7 Mio.). Davon entfielen 2009 AUD 159,6 Mio. (EUR 91,8 Mio.) auf die APRA und AUD 50,4 Mio. (EUR 28,9 Mio.) auf die AMCOS.

 

Abbildung 1: Die Entwicklung der konsolidierten Gesamteinnahmen für die APRA/AMCOS 2000-2009 (inflationsbereinigt)

APRA

Die Einnahmen der APRA in der Gesamthöhe von AUD 159,6 Mio. (EUR 91,8 Mio.) stammten 2009 zu 85,2% (AUD 135,9 Mio. oder EUR 78,1 Mio.) von inländischen Lizenzerträgen (Australien und Neuseeland), zu 12,8% (AUD 20,5 Mio. oder EUR 11,8 Mio.) aus dem Ausland und zu 2,0% aus Einnahmequellen außerhalb des Lizenzgeschäfts. Gegliedert nach Lizenzierungsart der inländischen Einnahmen entfallen diese zu 33,8% auf den Bereich ‚TV-Sender’ (Abo- wie auch frei zugängliche Programme), zu 19,9% auf die Musiklizenzierung durch Radio-Sender, zu 19,0% auf die öffentliche Aufführung von Musik auf Tonträgern und in nicht-physischen Formaten, zu 7,1% auf Konzerte und andere Formen der Live-Darbietung, zu 2,4% auf die Musik-Darbietung in Kinos, zu 1,3% auf Downloads, zu 1,0% auf Musikstreaming und –webcasting und zu 0,5% auf die Verwendung von Musik in diversen Klingelton-Formaten. Die verbleibenden Einnahmen stehen mit dem Lizenzgeschäft nicht in Verbindung.

Im Drei-Jahresrückblick lassen sich für die APRA-Lizenzerträge aus Aufführungsrechten im Inland einige Trends ablesen. In realen Absolutwerten sind zwischen 2007 und 2009 die Lizenzeinnahmen aus ‚recorded music’ um AUD 5,3 Mio. gestiegen (+21,3%). Die Lizenz-Einnahmen von TV-Sendern haben um AUD 3,2 Mio. zugelegt (+49,2%). Sehr stark gewachsen sind in den letzten drei Jahren die Einnahmen aus dem Bereich ‚digitale Downloads’ (AUD 1,1 Mio. oder +119,5%) und geradezu explodiert sind die Einnahmen aus dem Streaming- und Webcasting-Geschäft (AUD 1,4 Mio. oder 652,5%). Zwar ist auch der Live-Bereich um AUD 1,2 Mio. zwischen 2007 und 2009 gewachsen, aber der Zuwachs lag bei vergleichsweise bescheidenen 17,4%. Ein bisschen stärker gewachsen, und zwar um 22,3% (AUD 0,7 Mio.), sind die Einnahmen im Kino-Bereich. Ein Minus von 5,0% (AUD ‑1,7 Mio.) weist hingegen der Radio-Bereich auf und die Klingelton-Einnahmen sind stark um 37,3% (AUD ‑0,5 Mio.) gesunken. Insgesamt sind die inländischen Lizenzeinnahmen der APRA von 2007 auf 2009 um 8,0% oder AUD 10,0 Mio. gestiegen, wohingegen die Einnahmen aus dem Ausland um ca. AUD 100.000 oder 0,6% gesunken sind. Insgesamt haben sich die Gesamteinnahmen der APRA im genannten Zeitraum um 6,5% oder AUD 9,7 Mio. erhöht.

 

Abbildung 2: Die Entwicklung und Struktur der APRA-Einnahmen (inflationsbereinigt)

AMCOS

Die Lizenzeinnahmen aus der Nutzung mechanischer Rechte stammten fast ausschließlich aus dem Inland (Australien und Neuseeland) und erreichten 2009 eine Höhe von AUD 48,6 Mio. (EUR 27,9 Mio.). Rechnet man die sonstigen Einnahmen hinzu, so erzielte die AMCOS 2009 Gesamteinnahmen in den Höhe von AUD 50,4 Mio. (EUR 29,0 Mio.).

Die stärkste Einnahmenposition mit einem Anteil von 27,2% der Inlandserträge ist zwar immer noch jene aus dem ‚physischen Produkt’, aber mit stark sinkender Tendenz. Zwischen 2007 und 2009 sind AUD 3,2 Mio. an Lizenzeinnahmen aus diesem Bereich verloren gegangen, was einem realen Rückgang von 19,9% entspricht. Hingegen sind die Downloads in kürzester Zeit zur zweit wichtigsten Einnahmenposition mit AUD 7,6 Mio. geworden. Innerhalb von drei Jahren ist das Ertragsvolumen um 164,8% oder AUD 4,7 Mio., gewachsen. Die Rundfunk-Lizenzeinnahmen sind dank der vielen neuen Web-Radios auch stark 30,8% oder um AUD 1,3 Mio. auf AUD 5,7 Mio. gestiegen. In der gleichen Höhe, allerdings ohne nennenswerte Änderung in den letzten drei Jahren, bewegen sich auch die Lizenzeinnahmen von Bildungsinstitutionen. Ziemlich unverändert auf dem Niveau von AUD 5,1 Mio. haben sich auch die Einnahmen für Gebrauchsmusik gehalten. Starke Verluste von 43,3% mussten bei den Lizenzerträgen für Klingeltöne seit 2007 festgestellt werden. Dieses Marktsegment ist um AUD 3,1 Mio. auf AUD 4,7 Mio. geschrumpft. Die Einnahmen aus Synch-Rechten haben hingegen um ein Drittel auf AUD 2,4 Mio. zugelegt und haben somit den ‚No-retail’-Bereich überholt. Die bemerkenswerteste Entwicklung mit einem Plus von 182,2% hat das Streaming- und Webcasting-Segment seit 2007 zu verzeichnen. Allerdings lagen die Erträge 2009 trotz des Booms von Musikstreaming-Angeboten bei nur AUD 600.000. Das liegt daran, dass pro Stream nur ein verschwindend geringer Umsatzanteil als Lizenzzahlung von den Rechtenutzer/innen geleistet wird. Unterm Strich sind die realen Lizenzeinnahmen der AMCOS seit 2007 um AUS 1,5 Mio. oder 2,9% gefallen. Unter Berücksichtigung der sonstigen Einnahmen, ergibt sich daraus ein Gesamtrückgang der AMCOS-Einnahmen von 2,6%.

 

Abbildung 3: Die Entwicklung und Struktur der AMCOS-Einnahmen (inflationsbereinigt)

PPCA

Die Rechtewahrnehmung durch die PPCA

Die Gründung der PPCA ist das Ergebnis der großen Copyright-Reform  mit der Implementierung des australischen Copyright Act 1968. Darin wurde festgeschrieben, dass dem Plattenlabel das ausschließlich Recht der Vervielfältigung von Tonaufnahmen (sound recordings), der öffentlichen Vor- und Aufführung dieser Tonaufnahmen, der Verbreitung der Tonaufnahmen (z.B. über den Handel) und der kommerziellen Ausleihe der Tonaufnahmen zukommt (Section 85(1), Copyright Act 1968). Filmmusik-Aufnahmen (und später dann Musikvideos) kommen die gleichen Exklusivitätsrechte zu wie reine Tonaufnahmen (Section 86, Copyright Act 1968).  Darüber hinaus nimmt die PPCA die verwandten Leistungsschutzrechte der Interpret/innen wahr.

Die PPCA agiert als nationale Non-Profit-Organisation für die Wahrnehmung der genannten Rechte. Im Unterschied aber zur APRA/AMCOS erstreckt sich ihre Einflussbereich nicht auf Neuseeland.

Die Einnahmen der PPCA fließen dementsprechend nur Plattenlabel zu, die in Australien als Firmen registriert sind bzw. nur an Interpret/innen, die auf australischen Produktionen zu hören sind und bei der PPCA als ausübende Künstler/innen gemeldet sind. Zudem wird ein Teil der Einnahmen für Preisverleihungen und Preisgelder verwendet (z.B. The Australian Music Prize) oder fließt in Form von direkten Zuschüssen an begünstige Organisationen (z.B. The Song Room). Darüber hinaus wird aus den eingesammelten Lizenzeinnahmen auch noch mit einem kleinen jährlichen Betrag die PPCA Performers’ Trust Foundation gespeist, die auf Antrag Musikprojekte im weitesten Sinn finanziell unterstützt.

 

Die Einnahmenentwicklung der PPCA im Jahresvergleich

Die Entwicklung der PPCA-Einnahmen, die über die Jahre hinweg ziemlich konstant zu 95% aus Lizenzeinnahmen bestehen, weist inflationsbereinigt einen ungebrochenen Aufwärtstrend seit 1991 auf: In diesem Zeitraum haben sich die Einnahmen fast verzehnfacht.

 

Abbildung 4: Die Entwicklung der PPCA-Einnahmen 1991-2009 (inflationsbereinigt)

Der Einnahmenanstieg ist dabei auf einen Mix der Ausweitung der Lizenzerteilungen und auf Tariferhöhungen zurückzuführen. Während nämlich der reale Zuwachs bei den Lizenzeinnahmen zwischen 2000 und 2009 bei 188% lag, stiegen die Lizenzeinnahmen pro erteilter Lizenz im gleichen Zeitraum um lediglich 81%. Daraus kann der Schluss gezogen werden, dass Tariferhöhungen für die Verdoppelung der Lizenzerträge zwischen 2000 und 2009 verantwortlich gemacht werden können. Und in der Tat weisen die PPCA-Berichte auf derartige Tarifreformen hin. So ist der Anstieg der Lizenzeinnahmen von 2002 auf 2003 fast ausschließlich auf höhere Tarifzahlungen durch die öffentlich-rechtliche Australian Broadcasting Corporation (ABC) für die Musiknutzung in ihren TV-Sendern zurückzuführen. Zudem ist der überproportionale Einnahmenanstieg von rund 23% zwischen 2008 und 2009 auf eine Tariferhöhung für Nachtclubs und Tanzveranstaltungen zurückzuführen, die durch das australische Copyright Tribunal 2007 genehmigt worden war.

Eine Gegenüberstellung der Gesamteinnahmen (die Daten zu den Lizenzeinnahmen sind erst seit 2000 verfügbar) mit der Anzahl der erteilten Lizenzen seit 1991 weist auf strukturelle Veränderungen im Lizenzaufkommen hin. Während Anfang der 1990er Jahre die höchsten Einnahmen pro erteilter Lizenz erzielt werden konnten, erreichte diese Kennzahl 2000 mit real AUD 262 ein historisches Tief. In den Folgejahren konnte dann der Ertrag pro Lizenz auf einem höheren Niveau stabilisiert werden, um dann dank der Tarifreform 2009 einen Sprung nach oben zu machen. Allerdings konnte auch 2009 das hohe Niveau der frühen 1990er Jahre nicht mehr erreicht werden.

 

Abbildung 5: Die Entwicklung der Anzahl der erteilten Lizenzen und der Einnahmen/Lizenz 1991-2009 (inflationsbereinigt)

Die ab 2000 online verfügbaren Jahresberichte der PPCA lassen zumindest Aussagen zum letzten Jahrzehnt zu. Triebfedern der Aufwärtsentwicklung waren vor allem die Steigerung der Lizenzeinnahmen von kommerziellem Radio und der „public perfomance fees“. Letztere Kategorie umfasst dabei nicht nur alle öffentlichen Darbietungen von Musik aus der Konserve, sondern auch die Verbreitung von Musik über diverse digitale Formate über das Internet und über mobile Abspielgeräte. Es ist daher anzunehmen, dass der starke Anstieg der Lizenzerteilungen seit 2006 vor allem auf neue Online- und Mobile-Musikangebote zurückzuführen ist (+32,7% von 2005 auf 2009).

 

Fassen wir also zusammen: Der stetige Anstieg der PPCA-Lizenzerträge hat zum einen seine Ursache in den Tariferhöhungen in den letzten Jahren, aber zum anderen auch um rein mengenmäßigen Wachstum der Anzahl der erteilten Lizenzen, die sich zwischen 1991 und 2009 mehr als verzehnfach hat. War es bis um die Jahrhundertwende vor allem das Wachstum des kommerziellen TV-Sektors, der die Lizenzeinnahmen hat wachsen lassen, so sind es seit 2005 vor allem Musikangebote im Internet (Webradio, Download- und Streamingangebote etc.), die für ein jährlich höheres Ertragsaufkommen verantwortlich zeichnen. Da es der PPCA zudem gelungen ist, weitere Tariferhöhungen vom australischen Copyright Tribunale genehmigt zu bekommen und das Wachstum der digitalen Musikangebote noch eine Zeitlang anhalten wird, kann von weiteren Steigerungen bei den Lizenzeinnahmen in den nächsten Jahren ausgegangen werden.

 

Die australischen Musik-Verwertungsgesellschaften im Überblick

Zum Abschluss sollen die drei wesentlichsten Musikverwertungsgesellschaften Australiens – APRA, AMCOS und PPCA – noch einmal im 10-Jahresvergleich gegenübergestellt werden. Da für die APRA/AMCOS die Ausgaben und die Ausschüttungsdaten nur für die letzten drei Jahres zugänglich, muss dieser Vergleich unvollständig bleiben.

 

Abbildung 6: Die Einnahmen, Ausgaben und Ausschüttungen der APRA/AMCOS sowie der PPCA im Vergleich 2000-2009 (inflationsbereinigt).

Der Vergleich zeigt, dass die APRA und AMCOS gemeinsam einen wesentlich geringeren realen Einnahmenanstieg (+45,4%) zu verzeichnen haben als die PPCA mit +187,5%. Allerdings haben APRA/AMCOS 2009 das Zehnfache an Tantiemen an ihre Bezugsberechtigten ausgeschüttet als die PPCA. Da in den veröffentlichten Dokumenten nur rudimentäre Daten über die Anzahl der Bezugsberechtigen verfügbar sind, lassen sich auch keine soliden Aussagen über die Verteilung der Tantiemenzahlungen machen. Für die APRA lässt sich zumindest ein Vergleich zwischen 2004 und 2008 anstellen und eine sinkende Tendenz der durchschnittlichen Ausschüttung pro Bezugsberechtigtem/r ablesen. Wurden nämlich 2004 noch nominal AUD 711,2 pro Bezugsberechtigtem/r ausgeschüttet, so waren es 2008 nur mehr AUD 672,1 (-5,5%). Für die AMCOS und PPCA liegen hingegen keine Zahlen vor.

Insgesamt zeigt sich aber, dass die wirtschaftliche Bedeutung der PPCA als Wahrnehmerin der Rechte der Label und Interpret/innen in den letzten Jahren zugenommen hat. Lag das Ertragsvolumen der PPCA 2000 noch bei rund 6% vom gemeinsamen APRA/AMCOS-Volumen, so machte es 2009 bereits 12% aus. Der gute Geschäftsgang der PPCA über die Jahre hinweg zeigt auch, dass es wesentlich zu kurz greift, Tauschbörsen für die Rezession in der Musikindustrie verantwortlich zu machen. Das Aufkommen neuer mobile- und onlinebasierter Geschäftsmodelle für die Musikdistribution hat der PPCA gerade in den letzten Jahren starke Ertragszuwächse beschert, von denen letztendlich auch die Label und Interpret/innen durch ein höheres Ausschüttungsvolumen profitieren. Da über die Verteilung der Tantiemenzahlungen aufgrund der fehlenden Daten keine Aussage getroffen werden kann, lässt sich auch nicht sagen, wer von der Entwicklung am stärksten profitiert.

 

Fazit

Die Einnahmenanalyse für die APRA zeigt zum Teil starke Anstiege über fast alle Kategorien hinweg. Lediglich die Lizenzerträge von Klingelton-Anbietern und Radio-Stationen sind merklich gefallen. Auf die AMCOS konnte, trotz eines leichten Rückgangs in den letzten drei Jahren sein Lizenzaufkommen stabilisieren. Zwar sind die Erträge in den Kategorien ‚physisches Produkt’ und ‚Klingeltöne’ massiv eingebrochen, konnten aber durch starke Anstiege beim Downloadgeschäft sowie beim ‚Rundfunk’ und den ‚Synch-Rechten’ fast kompensiert werden. Die Übernahme des operativen Geschäfts durch die APRA seit 1997 erweist sich in dem Zusammenhang als Kostenvorteil, der nicht zum Nachteil der Bezugsberechtigten führt, weil beide Gesellschaften weiterhin als getrennte rechtliche Einheiten mit unabhängigen Mitgliederversammlungen autonomem Direktorium weiter bestehen. Die PPCA profitiert durch die gegenwärtigen strukturellen Veränderungen im Musikgeschäft besonders stark und konnte durch Tarifsteigerungen wie auch die reine mengenmäßige Ausweitung des Lizenzgeschäfts in den letzten Jahren ein starkes Einnahmenwachstum erzielen, das sich in einem ebenso markanten Anstieg in den Ausschüttungen an die Label und Interpret/innen niederschlägt. Summa summarum zeigt sich im Bereich der Musik-Rechtewahrnehmung in Australien keine Krise, sondern ganz im Gegenteil ein wirtschaftlicher Aufschwung, der vor allem auf neue Formen der Musiknutzung und -distribution zurückzuführen ist.

 

Quellen:

AMCOS Jahresberichte 2008 und 2009

APRA Jahresberichte 2008 und 2009

APRA-AMCOS Dokumente

APRA-AMCOM Merkblatt zu ‚Creative Commons’

PPCA Jahresberichte 1999-2009


[1] Umgerechnet mit historischem Wechselkurs zum Bilanzstichtag 30. Juni 2009.


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