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Rezension: The Road To Woodstock

Pünktlich zum 40. Jahrestag von Woodstock legt der künstlerisch Verantwortliche Michael Land seine Festival-Memoiren vor, die unter dem Titel „The Road To Woodstock. From The Man Behind The Legendary Festival“ bei Ecco/HarperCollins in New York erschienen sind. Lang räumt ein, dass er dem Buchprojekt anfangs zögerlich gegenüber gestanden ist, weil er sich an Vieles nicht mehr erinnern konnte, aber „[w]ith the physical act of writing, the door swung wide open, and in flooded faces and places, sights and smells, and I was immersed in the adventure all over again.“ (S. 268). Begleitet wird Lang auf seinem nicht ganz unsentimentalen Trip zurück in die späten 1960er Jahre von Holly George-Warren, die zahlreiche Interviews mit Zeitzeugen geführt hat, die als Zitate in den Text eingeflossen sind. Sie werden ergänzt durch Wortspenden von bereits verstorbenen Akteuren, die Joel Makower in seinem 1989 erschienen Buch „Woodstock: The Oral History“ gesammelt hat. Insgesamt ergibt sich daraus eine sehr dichte Beschreibung der Ereignisse, die sehr persönlich gefärbt ist und nicht immer im Einklang mit anderen Quellen steht.

Folgt man Lang, so hat sich das erste Treffen zwischen ihm bzw. Artie Kornfeld mit den prospektiven Partnern Joel Rosenman und John Roberts ein wenig anders abgespielt, als es letztere in ihrer sarkastischen Abrechung aus dem Jahr 1974 beschreiben. Der erste Teil ist noch identisch: Artie Kornfeld stellte das Tonstudio-Projekt in Woodstock in den schillerndsten Farben dar und ließ nebenbei auch die Idee eines Open-Air-Konzerts einfließen. Roberts und Rosenman wollten aber nicht noch ein Studio gründen und waren daher eher am Konzertprojekt interessiert. Aber im Gegensatz zur Darstellung in „Young Men with Unlimited Capital“ wurde an diesem Tag nicht das Festival-Projekt fixiert, sondern Lang und Kornfeld wollten diesbezüglich einige Leute treffen und den Budgetbedarf abklären. Lang und Kornfeld kalkulierten für ein zweitägiges Festival ursprünglich Gesamtkosten in der Höhe von US$ 500.000, wobei die Hälfte – also US$ 250.000 – vorfinanziert werden müssten, um US$ 100.000 an Anzahlungen für Gagen und US$ 150.000 für Vorbereitungsarbeiten, Rechts‑, Miet- und Overhead-Kosten bestreiten zu können. US$ 250.000 müssten über den Kartenverkauf locker hereinkommen, wenn an zwei Tagen 100.000 Besucher kommen würden, die pro Ticket US$ 5 bzw. US$ 6 (für einen Einzeltag) bezahlen würden. Unterm Strich müsste sich ein Gewinn ausgehen, mit dem man das Tonstudio finanzieren könnte.

Nach einigen weiteren Treffen im Februar war man sich mit Roberts und Rosenman handelseins. An die Gesellschaft „Challenge International Ltd.“, die das Sound-Media-Tonstudio finanziert hatte und bei der Rosenman und Roberts alleinige Anteilseigner und Geschäftsführer waren, sollte Michael Lang seine beiden Projekte „Open-Air-Festival“ und „Tonstudio“ herantragen. Dazu wurde eine eigene Gesellschaft namens „Woodstock Ventures“ gegründet, deren 200 Aktien zu 60 Teilen auf Roberts, 40 Teilen auf Rosenman und je 40 Teile auf Lang und Kornfeld entfielen. Vertraglich wurde ein Investment von US$ 200.000 plus US$ 20.000 für unvorhergesehene Ausgaben in der Vorbereitungsphase fixiert. Zusätzlich sollten US$ 275.000 plus 10% Risikoaufschlag für die Errichtung des Tonstudios aufgebracht werden. Sollten zusätzliche Finanzmittel nötig werden, so verpflichtete sich Lang diese aufzutreiben. Zudem wäre Lang „(…) be personally responsible for any loss or expenditure by Woodstock Ventures or Challenge if the site or permits could not be obtained.“ Während der Vorbereitungszeit und der Durchführung des Festivals sollte Lang ein wöchentliches Salär von US$ 400 beziehen dürfen. Artie Kornfeld durfte wegen seines Vertrags mit Capitol Records nicht offizieller Teilhaber werden und übertrug vorübergehend seine Anteile auf Michael Lang, die er dann nach seinem Weggang von Capitol im Mai 1969 selbst übernahm (S. 48-49).

Wie aus dieser Passage bereits hervorgeht ist Lang sehr bemüht seine eigene Rolle in der Woodstock-Geschichte zu betonen und die Relevanz anderer Akteure tendenziell herunter zu spielen. Vor allem Joel Rosenman wird von Lang in mehreren Passagen des Buches als nicht besonders relevant dargestellt, wohingegen John Roberts auf seine Rolle als Geldgeber reduziert wird.

Diese Differenzen werden in vielen Stellen des Buches offenbar: „They [Rosenman und Roberts, Anm. d. Verf.] seemed intrigued by this world we were opening up to them, yet our experiences and approaches to life were entirely different. I relied on intuition and instinct, and they relied on experts surveys, and marketing tools – proven business techniques in their world.” (S. 52). Und ein paar Zeilen weiter: “Overall, I envisioned the festival as a gathering of the tribes, a haven for like-minded people, were experimental new lifestyles would be respected and accommodated. I knew flexibility and adaptability were key to creating this never-before-seen commingling of art and commerce. John and Joel were too conservative to make my idea into a reality.” Später dann noch ein kleiner Seitenhieb auf Joel Rosenman: “When Joel arrived in Bethel the week of the festival, he was a bit nonplussed and unsure where to put his energy. We were still dealing with permit issues, and the box-office operations needed attention. I was hoping he would focus on those areas, but Joel seemed more interested in trying to figure out what I was doing.” (S. 147).

Aus diesen und ähnlichen Passagen spricht Langs Bedürfnis sich für seine unorthodoxen Managementmethoden, die nicht unwesentlich zum organisatorischen Chaos beigetragen haben, zu rechtfertigen. Es ergibt sich in den ersten acht Kapiteln, in denen die Vorbereitungsarbeiten nachgezeichnet werden, ein Bild, wonach die Organisation perfekt funktionierte, das ganze Team um Lang professionell arbeitete, und das Chaos nur deswegen entstanden war, weil der Veranstaltungsort kurzfristig geändert werden musste, wesentlich mehr Besucher als erwartet kamen und das Wetter verrückt spielte. An sich selbst übt Lang keine Kritik. Er betont hingegen immer wieder, dass alles so toll lief, weil er auf seine Intuition gehört hat. Er rechtfertigt auch seinen Auszug aus dem ursprünglich gemeinsamen Büro, was natürlich die Kommunikation in der Veranstaltungsorganisation erheblich erschwerte und zu vielen unkoordinierten Aktionen führte, folgender Maßen: „The advertising, ticketing, and business operations would be located uptown, and I needed to work without interference. Because of the nature of John and Joel’s complete unfamiliarity with the milieu, (…), I couldn’t see a way to bring them into the specifics of my plan”. (S. 62). Die “Kapitalisten” Rosenman und Roberts waren seinen Musikerfreunden einfach nicht zuzumuten, und es kam ständig zu Streitereien zwischen ihnen und Kornfeld, der mit seiner Promotionsabteilung im alten Büro verblieben war. Hingegen herrschte im neuen Büro Downtown eine ganz tolle Atmosphäre: „Our production office was very proletarian, just two floors in a brownstone, filled with desks and filing cabinets. (…) People could smoke pot whenever they felt like it, and we were having a good time, but nobody was goofing off. It was not a party. We had work to do and not a lot time to do it and we had a budget, but it was sort of created from smoke. We didn’t have any money to waste.” (S. 64).

Lang stellt sich und Kornfeld als die von hären Idealen getriebenen Musikliebhaber und aus der Working-Class stammenden Vertreter der Love-and-Peace-Generation dar, die im Gegensatz zu den wohlbehüteten Millionärssöhnchen und Kapitalisten Rosenman und Roberts nicht am Geld, sondern nur an der Verwirklichung eines Traumes interessiert waren. Diese Darstellung steht allerdings im Widerspruch zu den durchaus finanziellen Forderungen, die Kornfeld und Lang nach dem Festival an Roberts und Rosenman herantrugen. Vor allem waren sie darüber verärgert, dass nach Auszahlung ihrer Geschäftsanteile (je US$ 31.750) sie nicht für ihre Rechte am Woodstock-Film bzw. –Soundtrack entschädigt wurden. Kornfeld: “We propably lost, between us, about fifty million after we were forced out of the company” (S. 255).

Natürlich enthält dieses Buch nicht nur kritische Passagen zu den beiden anderen Geschäftspartnern, sondern zeichnet Langs Weg von seiner Brooklyner Jugendzeit über seinen Aufenthalt in Miami und seine dortige Organisation des ersten Miami Pop Festivals, das auch schon ein Finanzdesaster war, seine Ansiedlung in Woodstock, wo sich schon Bob Dylan, die Mitglieder von The Band, Paul Butterfield, John Sebastian, Janis Joplin oder Jimi Hendrix niedergelassen hatten, sein Zusammentreffen mit Artie Kornfeld bis zur Umsetzung des Woodstock-Projekts nach. Das Buch ist im Grunde genommen eine verkappte Autobiografie, wenn man in Betracht zieht, dass Woodstock das zentrale Erlebnis in Langs Leben war und er schließlich immer noch in Woodstock lebt. Er nimmt an einer Stelle des Buches dazu auch Bezug: „In the past forty years, Woodstock has been the elephant in the room in my life.“ (S. 264). Es gibt also Abschnitte, vor allem im ersten Teil des Buches, die wenig Erhellendes zu Woodstock beitragen, sondern der Selbstreflexion dienen.

Vieles was Lang über die Genese des Festivals erzählt, habe ich schon in einem anderen Blog-Beitrag dargestellt. Aber aus seiner Detailbetrachtung ergeben sich noch sehr interessante Aspekte. So wird das Festivalkonzept sichtbar: „I planned to ease into the festival weekend by making Friday the folk day, with Saturday primarily presenting artists from the West Coast, and Sunday featuring the bigger international rock bands.” (S. 82). Die chaotische Organisation und die Wetter bedingten Verschiebungen haben aber dieses Konzept schließlich über den Haufen geworfen.

Interessant sind auch die Vertragsverhandlungen mit den Künstlern bzw. mit ihren Managern. Anfangs wurden besonders bekannte Acts engagiert, um die Seriosität und Professionalität des Festivals unter Beweis zu stellen und um auch andere Acts leichter zu bekommen. Das Kalkül war einfach: „(…) if an act was getting $7,500, I’d offer $10,000.“ Damit konnten gleich zu Beginn Jefferson Airplane (US$ 10.000), Creedance Clearwater Revival (US$ 10.000) und Canned Heat (US$ 12.000 wegen ihrer beiden Chart-Titel „On the Road Again“ und „Going Up The Country“) für Woodstock gewonnen werden. Früh wurden auch die gerade erst sich formierende Supergruppe Crosby, Stills & Nash für US$ 10.000 unter Vertrag genommen – später gesellte sich dann auch noch Neil Young dazu.

Anfang Juni war dann der Folk-Freitag bis auf Tim Hardin (US$ 2.000) bereits vollständig gebucht: The Incredible String Band (US$ 4.500), Ravi Shankar (US$ 4.500), Ritchie Havens (US$ 6.000), Arlo Guthrie (US$ 5.000) und Joan Baez (US$ 10.000). Donovan und Johnny Cash schlugen das Angebot aus. Ebenso Simon & Garfunkel, die im Frühjahr eine anstrengende Tournee absolviert hatten und kein weiteres Konzert mehr bestreiten wollten. Und die Doors wollten nicht auftreten, weil der paranoide Jim Morrison fürchtete, dass auf ihn ein Anschlag verübt werden könnte. (S. 83).

Gebucht wurden aber: The Grateful Dead (US$ 7.500), Janis Joplin (US$ 15.000) und Santana (US$ 1.000). Santana wurden übrigens auf Druck von Bill Graham, der in New York das Fillmore East und in San Francisco das Fillmore West betrieb, unter Vertrag genommen. Graham drohte nämlich The Grateful Dead, die sein Act waren, wieder zurück zu ziehen, wenn nicht Santana und Beautiful Day auch einen Auftritt bekämen. Aber keine der beiden Gruppen hatte eine Schallplatte veröffentlicht und so ließ sich Lang die Demos kommen und engagierte schließlich Santana. (S. 88).

Im Juni wurden dann auch noch The Band, die vor allem wegen ihres Backings von Bob Dylan bekannt war, aber vor kurzem auch ihr erstes Album („Music From Big Pink“) herausgebracht hatte, engagiert. Natürlich wollte Lang auch Bob Dylan im Konzert haben, aber er trat gar nicht erst an ihn heran. Begründung: „Bob felt upon by so many people in the counterculture laying claim to him. I didn’t want to add to that burden – so didn’t make an offer.” (S. 83). Später im August traf sich Lang mit Dylan zum Lunch. Dabei entschuldigte sich Lang, dass er ihm noch kein Angebot unterbreitet hätte, und Dylan ließ durchblicken, dass er vielleicht doch auftreten könnte. Lang: „Maybe if I’d offered his booking agent a large enough fee, he’d have played – like he would at the Isle of Wight festival not long after Woodstock. In any case, during two hours we hung out, he was cordial and said that maybe he’d stop by.” (S. 145).

Die Beatles und die Rolling Stones hätte Lang auch gern gehabt, er befürchtete aber, das diese alles überstrahlen würden und nicht ins Konzept passten. Außerdem waren die Beatles gerade dabei sich aufzulösen und John Lennon hatte wegen Drogendelikte zudem Einreiseverbot in die USA. (S. 84).

Gebucht wurden aber die Hitparadenstürmer Blood, Sweat & Tears (US$ 15.000) und ein Angebot wurde auch an Iron Butterfly (US$ 10.000) herangetragen. Schwierig gestalteten sich die Vertragsverhandlungen mit Jimi Hendix. Der wollte zwar unbedingt auftreten, aber sein Manager verlangte US$ 50.000 (für den Auftritt im Madison Square Garden hatte Hendrix US$ 150.000 bekommen; für das Miami Pop Festival 1968 war er für Lang noch um US$ 5.000 zu haben). Lang bot daraufhin für zwei Auftritte – ein akustischer am Beginn und ein elektrisch-verstärkter am Ende des Festivals – insgesamt US$ 30.000. Hendix’ Manager stimmte gegen eine Vorschusszahlung von US$ 2.000 zu und verzichtete sogar auf das „Headline billing“, wonach in allen Ankündigung Hendrix als erster genannt und auf Plakaten größer als andere Acts geschrieben hätte sein sollen. (S. 84-85).

Ende Juni buchte Lang noch Joe Cocker and the Grease, nachdem er deren Auftritt auf dem Denver Pop Festival gesehen hatte und später dann noch The Who, die erst nach einer durchzechten Nacht überredet werden konnten, ihre gerade auslaufende „Tommy“-Tournee um einen letzten Auftritt in Woodstock zu verlängern. Dafür mussten US$ 12.500 auf den Tisch geblättert werden (S. 104).

Im Juli konnte der texanischer Slide-Gitarrist Johnny Winter, die beiden britischen Acts Keef Hartley Band und Ten Years After, die Supergruppe Mountain, die Rock ‚n’ Roll-Clowns Sha Na Na und schließlich auch noch Sly & the Family Stone für Woodstock gewonnen werden. Lang wollte Sly zwar schon früher buchen, wovon er aber Abstand nahm, weil dieser für seine unvorhersehbaren Absagen berüchtigt war. Da die Band aber gerade auf Tour war, bestand eine große Chance, dass Sly & the Family Stone in Woodstock auftreten würden und so entschied sich Lang doch noch für ihn.

Der letzte Act, den Lang noch für Woodstock im August verpflichtete, war die Paul Butterfield Blues Band, was allerdings nicht besonders schwierig war, weil Paul Butterfield sich wie Lang in Woodstock niedergelassen hatte.

Es fällt auf, dass die Angaben über die Gagenzahlungen nicht mit jenen in anderen Quellen (siehe dazu die Rezension zur Woodstock-Chronik) übereinstimmen. Aber das sind nicht die einzigen Differenzen zu anderen Quellenangaben. Lang gibt auch eine Reihenfolge der Acts wieder (S. 171 sowie die gesamte Set-Liste auf S. 277-283 zusammengestellt von Andy Zax), die Abweichungen zu Aussagen anderer Zeitzeugen aufweist. Es wird die Aufgabe von Historikern sein zu rekonstruieren, welche Angaben letztendlich stimmen.

Nun müsste man annehmen, dass Lang, der ja fast die ganze Zeit auf der Bühne verbracht und die Auftritte koordiniert hat, verlässlich sein müsste, aber dennoch ist Vorsicht geboten. Es fällt nämlich auf, dass er die Entstehungsgeschichte des Festivals in vielen kleinen Details beschreibt, aber die Auftritte der einzelnen Acts nur mit ein paar dürren Zeilen beschreibt und meistens andere Zeitzeugen sprechen lässt. Er kann sich wohl nicht mehr genau erinnern, was in einem Zeitabstand von 40 Jahren nichts Ungewöhnliches ist, aber er suggeriert im Text, dass er alle Details in der Erinnerung parat hat. Man sollte daher nicht alles, was er erzählt, für bare Münze nehmen.

Insofern sollte man auch seine Geschichte, wie Woodstock schließlich auf den Wiesen und Feldern von Max Yasgurs Farm landete, mit Vorbehalt lesen: Seine persönliche Assistentin Ticia Bernuth erhielt einen Tag nach dem Rauswurf aus Wallkill einen Anruf von einem gewissen Elliot Tiber (eigentlich Eliyahu Teichberg), der mit seiner Mutter das herunter gekommene Motel „El Monaco“ in White Lake im Sullivan County betrieb und der sein Land für das Festival zur Verfügung stellen wollte. Nach einem Lokalaugenschein stellte sich dieses Land zwar als unbrauchbar heraus, aber Tiber verfügte immerhin über eine Lizenz, jeden Sommer ein Theaterfestival ausrichten zu dürfen. Damit war die rechtliche Grundlage für das Woodstock-Festival gelegt. Zudem kontaktierte er einen lokalen Immobilienagenten, der Lang und sein Team bei der Suche nach einer geeigneten Location unterstützte. Während der Rundfahrt durch das Sullivan County wurden sie schließlich fündig: „We took right off 17B onto Hurd Road. Above a quarter mile up, we broached the top of a hill and there it was. ‘STOP THE CAR!’ I shouted, barely able to believe my eyes. It was the field of my dreams – what I had hoped for from the first.” Was Lang so beeindruckte, war eine Talsenke, die wie ein riesiges Amphitheater aussah und ideal für Freiluftveranstaltungen war. Das Land gehörte dem größten Milchbauern des Countys, Max Yasgur, der 2.000 Hektar Land sein eigen nannte und darauf 10 Farmen bewirtschaftete. Lang suchte Max Yasgur sofort auf. Der hatte schon von den Problemen der Festivalveranstalter in Wallkill gehört und war durchaus bereit, sein Land zu verpachten. Gemeinsam fuhren sie zum den besagten Areal. Yasgur kalkulierte, wie groß die Ernteverluste sein würden und schon einen Tag später wurden die Verträge unterschrieben. Yasgur erhielt US$ 50.000 als Pachtzins und US$ 75.000 mussten zusätzlich als Sicherheit gegen unvorhergesehene Schäden hinterlegt werden.

Im Vergleich zu Roberts und Rosenmans Darstellung, wonach Yasgur von sich aus sein Land anbot, ist Langs Version sicherlich blumiger und passt auch eher zum Woodstock-Mythos, muss trotzdem nicht stimmen. Wie dem auch sei, Ang Lee hat sie als Ausgangspunkt für seinen gerade eben anlaufenden Woodstock-Film gewählt.

Erwähnenswert ist auch Langs Version, wie es zum Woodstock-Film kam: Lang hatte die Bekanntschaft von Alan Douglas gemacht, der eine Multimedia-Firma betrieb. Diese sollte mit Film-Crews in Kalifornien, Texas und Ohio Besucher auf ihrer Reise nach Woodstock begleiten und daraus einen Dokumentarfilm machen. Mit dem Wechsel des Veranstaltungsortes wurde aber dieses Film-Projekt obsolet. Dennoch sandte Douglas eine Film-Crew zwei Wochen vor Festivalbeginn aufs Gelände, um die Vorbereitungsarbeiten zu filmen. Es wurde buchstäblich alles dokumentiert und das Material floss dann später auch in den Woodstock-Film von Michael Wadleigh ein. Auf diesen war Lang erst kurz vor Festival-Beginn aufmerksam gemacht worden, weil sich Wadleigh und sein Partner Bob Maurice bereits einen Namen mit Konzertfilmen von Aretha Franklin und James Brown gemacht hatten. Wadleigh-Maurice-Production sollten daher die Auftritte der Musiker dokumentieren.

Den Film-Deal hat aber Artie Kornfeld erst am Tag vor Festivalbeginn eingefädelt. Der Partner von Michael Wadleigh, Bob Maurice war an John Roberts mit der Bitte um einen Vorschuss von US$ 100.000 heran getreten, um Filmmaterial einkaufen und Kameraleute von der Westküste einfliegen sowie weitere Ausgaben bestreiten zu können. Woodstock Ventures hätte dafür 100% der Verwertungsrechte bekommen. Angesichts der explodierenden Kosten und weil Dokumentarfilme üblicher Weise keine Kassenschlager werden, lehnte Roberts dieses Ansinnen ab. Kornfeld konnte dann doch noch Warner Bros. dazu gewinnen, den Vorschuss zu leisten. Dafür wurde ein 50:50-Deal bei den Rechten ausgehandelt, wobei Woodstock Ventures die Filmemacher ausbezahlen sollte. Allerdings waren die Filmrechte mit den Künstlern vorab nicht vertraglich abgeklärt worden, was dazu führte, dass unmittelbar vor dem jeweiligen Auftritt diese gegen 50% mehr an Gage abgekauft werden mussten. Einige Musiker und Manager weigerten sich aber, die Filmrechte abzutreten, sodass Neil Young, The Grateful Dead, The Band und ursprünglich auch Janis Joplin und Jefferson Airplane nicht im Film vorkamen. (S. 163-165).

Zwar gibt es hinsichtlich der Film-Genese im Großen und Ganzen Übereinstimmung in den verschiedenen Quellen, wenn auch im Detail Widersprüche auftreten. Kornfeld hätte demnach nicht, wie von lang behauptet, mit der Filmfirma Warner Bros. direkt verhandelt, sondern mit Ahmet Ertegun, dem Geschäftsführer von Atlantic Records, das kurz zuvor von Warner aufgekauft worden war. Auch hier steht Aussage gegen Aussage und es ist Historikern vorbehalten die Fakten zu klären.

Von der buchstäblichen Abrechnung des finanziellen Desasters, das einen Tag später offensichtlich wurde, vertritt Lang auch eine andere Position als Roberts und Rosenman:

„The meeting has been going on since nine that morning. John had been writing checks all weekend to pay a long stream of people managed to get to the telephone building. Now he and his family were going to have to guarantee over a million dollars to the bank to make good on those checks. The other option was for Woodstock Ventures to declare bankruptcy.” (S. 247). Lang räumt zwar ein, dass die finanzielle Situation von Woodstock Ventures schlimm war, aber auch Assets vorhanden waren: “We had created a hugh amount of goodwill; we had the film and recordings of what had become an event of historic proportions.” (S. 248). Langs Optimismus grenzt schon an Naivität zu glauben, dass ein Dokumentarfilm über ein Musikfestival ein Kassenschlager würde. Die Dokumentation über das Monterey Pop Festival im Jahr 1967 hätte dabei als negatives Vorbild wirken können.

Lang beklagt sich auch darüber, dass die Familie Roberts kein Interesse daran hatte, dass sich die geschäftliche Partnerschaft mit Lang und Kornfeld fortsetzte. Lang wollte sogar für das darauf folgende Jahr gleich das nächste Festival organisieren, was angesichts der Finanzkatastrophe als fahrlässig zu bezeichnen ist. Es gab also nur zwei Möglichkeiten, um einen Konkurs zu vermeiden. Entweder würden Lang und Kornfeld die Schulden und die Anteile von Roberts und Rosenman übernehmen oder vice versa. Angeblich hat sich Lang sogar um Variante 1 bemüht und bei Warner Bros. um einen Vorschuss von US$ 500.000 gegen einen zukünftigen Gewinnanteil aus dem Film angefragt, aber der zuständige Direktor lehnte ab, was Lang verwunderte. Auch bei dieser Einschätzung kann man Langs Naivität oder zumindest eine verklärte Realitätswahrnehmung vorwerfen. Warum sollte ein Hollywood-Studio wie Warner Bros. für einen Film, der erst im nächste Jahr anlaufen soll, einen Vorschuss auf nicht zu erwartende Gewinne leisten?

Man kann es der Familie Roberts nicht verübeln, dass sie das Lang-Kornfeld-Angebot Rosenmans und Roberts Anteile um US$ 150.000 zu kaufen, und die Schulden zu übernehmen, als lächerlich zurückwiesen. Welche Sicherheiten hätten die beiden schon gegenüber der Bank für die Schulden bieten können – Langs Porsche, den er immer wieder erwähnt?

Schließlich einigte man sich auf ein Buyout von Langs und Kornfelds Aktien in der Höhe von jeweils US$ 31.750. „Shortly after we settled, Warner Bros. paid $1 million to Joel and John to buy out Woodstock Ventures’ half of the film rights, along with a small percentage of the net. Artie and I would never have sold out our rights (…)” (S.254-255).

Im Nachinein wollte vor allem Kornfeld mit Roberts und Rosenman nichts mehr zu tun haben, wohingegen Lang den Kontakt trotz der Spannungen zu den beiden nicht abreißen ließ. Später macht Roberts angeblich Lang sogar das Angebot wieder bei Woodstock Ventures einzusteigen. Lang lehnte ab und tat sich mit Kornfeld zu einer Geschäftspartnerschaft zusammen, die aber bald wieder auseinander brach. Danach baute Lang für das Label Just Sunshine mehrere erfolgreiche Acts wie Billy Joel, Betty Davis, Fred McDowell oder die Voices of East Harlem auf. Von 1976 bis 1992 managte er Joe Cocker und half ihm bei dessen unzähligen Comebacks. Er betätigte sich aber auch als Musikfestivalveranstalter, so z.B. beim ersten Pop-Rock-Festival in Ost-Berlin im Jahr 1987 und später dann in Dresden. Zum 25. Jahrestag von Woodstock veranstaltete er gemeinsam mit John Roberts und Joel Rosenman am ursprünglich geplanten Gelände in Saugerties bei Woodstock ein Musikfestival, auf dem viele Acts von 1969 teilnahmen aber auch neuen Stars wie Sheryl Crow, Green Day, Red Hot Chili Peppers oder Metallica. Immerhin besuchten 350.000 Fans die Veranstaltung, die wie ihr historisches Vorbild wegen heftiger Regenfälle im Schlamm versank. 1999 machte er mit anderen Partnern das 30-Jahr-Jubiläums-Festival auf einer Air Force Base im Norden des Bundesstaates New York, das allerdings in Ausschreitung und einem Polizeieinsatz endete. Das mit Joel Rosenman geplante Fest zum 40-Jahr-Jubiläum wurde aber wegen fehlender Sponsoren abgesagt. Aber vielleicht nahm Rosenman auch Langs Aussagen in dessen Buch übel – wer weiß?

Insgesamt ist „The Road To Woodstock“ ein spannend zu lesendes Buch, das an manchen Stellen ein wenig langatmig und bemüht wirkt. Das hat vor allem damit zu tun, dass Michael Lang sich und seine Rolle bei Woodstock in den Vordergrund rückt. Er ist dabei weniger an der Aufarbeitung historischer Fakten interessiert als an der Prolongierung des Woodstock-Mythos. Darin liegt auch die Gefahr dieses Buches. Es verleitet dazu, den durch Detailreichtum und den vielen Originalzitaten angereicherten Text unhinterfragt als historische „Wahrheit“ zu nehmen. Aber er ist eben auch nur einer von vielen Erinnerungen an Ereignisse, die sich vor vierzig Jahren zugetragen haben, und sich mit dem zeitlichen Abstand verklären. Man ist also gut beraten, dieses Buch kritisch zu lesen und ggf. auch andere Literatur zu Rate zu ziehen.

 The Road to Woodstock - CoverEcco/HarperCollins, 2009, ISBN-10: 0061576557, EUR 15,95

Quellen:

Evans Mike und Paul Kingsbury, 2009, The Woodstock Chronicles. New York: Sterling Publishers.

Evans Mike und Paul Kingsbury, 2009, Woodstock-Chronik. München: Collection Rolf Heine (dt. Übersetzung von „The Woodstock Chronicles“).

Makower, Joel, Michael Lang, und Joel Rosenbaum, 2009, Woodstock: The Oral History. New York: State University of New York Press.

Rosenman, Joel, John Roberts und Robert Pilpel, 1974, Young Men With Unlimited Capital. The Inside Story of the Legendary Woodstock Festival by the Two Who Paid For It. New York: Harcourt Brace Jovanovich.

Rosenman, Joel, John Roberts und Robert Pilpel, 2009, Making Woodstock. Das legendäre Festival und seine Geschichte (erzählt von denen, die es bezahlt haben). Freiburg: orange press. (Übersetzung von Joel Rosenman, John Roberts, Robert Pilpel, 1974, Young Men With Unlimited Capital.)

Schäfer, Frank, 2009, Woodstock ’69. St. Pölten und Salzburg: Residenz Verlag.


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