Nimmt man die Anzahl der jüngst erschienen Publikationen zum Thema Audio- bzw. Sound-Branding als Indikator, so kommt diesem Themengebiet eine immer größere Bedeutung zu. Ein neues Buch von Christoph Anzenbacher mit dem Titel “Audiologos – Integrative Gestaltungsmaßnahmen vor dem Hintergrund der Musikpsychologie”, erschienen 2012 im Nomos Verlag unterstreicht die wachsende Relevanz dieser Thematik. Die Herangehensweise des Autors unterscheidet sich allerdings von bereits vorliegenden Arbeiten zu diesem Forschungsgegenstand, worauf ich in weitere Folge noch näher eingehen möchte.
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Rezension: Audiologos
Es ist nicht gerade üblich, für ein Buch, das in zweiter Auflage erschienen ist, eine Buchbesprechung zu machen. In diesem Fall macht es aber durchaus Sinn. Als nämlich die englische Version meines Buches zur Musikindustrie 2006 erschien, war noch nicht absehbar, wie die digitale Revolution die Musikindustrie verändern sollte. Als sich die Möglichkeit der Zweitauflage der Buches ergab, war klar, dass sowohl die ersten fünf Jahre nach dem Millenium neu bewertet und interpretiert werden können und die Entwicklung bis ins Jahr 2011 fortgeschrieben werden kann. Das Ergebnis war die vollkommene Neuabfassung des Kapitels zur “digitalen Revolution” in der Musikindustrie. Darin wird nicht nur der fortschreitende Oligopisierungsprozess in der phonografischen Industrie dargestellt, sondern auch der Markteintritt branchenfremder Player detailliert beschrieben. Es wird aber auch gezeigt, dass der Umsatzeinbruch in der phonografischen Industrie weniger aufs Musik-Filesharing, sondern auf die Transformation von einem Alben-orientierten zu einem Single-Track-Markt zurückzuführen ist. Die eigentlich neue Erkenntnis in diesem Zusammenhang ist aber, dass die digitale Revolution sich nicht allein in der vollkommenen Umwandlung des Wertschöpfungsnetzwerk in der Musikindustrie erschöpft, sondern auch von einem ästhetischen Paradigmenwechsel begleitet ist. So wie bereits frühere Paradigmenwechsel – Jazz-Revolution und Rock ‘n’ Roll-Revolution – die musikalische Ausdrucksformen nachhaltig verändert haben, so lässt sich dies nun auch für den gegenwärtigen Paradigmenwechsel behaupten, der auch als “digitale Musik-Revolution” bezeichnet werden kann, deren ästhetischer Kanon nun von der elektronischen Musik nachhaltig bestimmt und geprägt sein wird. . “Instead of a song, which can be attributed to creators, a digital track can be used, changed, mixed and transformed. Music, therefore, will become fluid, which will chnage not only the existing copyright regime but also the meaning of music in a new social and cultural context” (S. 196).
Peter Tschmuck, 2012, Creativity and Innovation in the Music Industry, 2nd edition, Heidelberg etc.: Springer. ISBN 978-3-642-28429-8, e-ISBN 978-3-642-28430-4
Das Buch kann direkt bei Springer Heidelberg bestellt werden. Aber es können auch einzelne Kapitel in digitaler Form als eBook bezogen werden.
Wie der Titel “Informationsmarkt. Informationen im I-Commerce anbieten und nachfragen” bereits verrät, geht es im Lehrbuch von Frank Linde (Fachhochschule Köln) und Wolfgang G. Stock (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) nicht nur um musikwirtschaftliche Fragestellungen, sondern um die gesamte Breite von Informationsgütern, wobei nicht nur die wirtschaftlichen, sondern auch soziologische, politologische, rechtliche und ethische Aspekte eingehend im 589 Seiten starken Band behandelt werden. Dieses Buch ist somit mehr als nur ein Lehrbuch für musikwirtschaftlich orientierte Lehrveranstaltungen, sondern ein umfassendes Kompendium für alle Ausbildungszweige zur digitalen Wissensgesellschaft.
Es würde daher den Rahmen dieses Blogs sprengen, wenn das Buch in seiner gesamten Fülle Gegenstand einer Rezension wäre. Ich möchte mich daher in der nachfolgenden Besprechung auf jene Teile beschränken, die sich mit für die Musikwirtschaft wichtigen Themen auseinander setzen.
Weiterlesen ‘Lehrbücher zur Musikwirtschaft: Informationsmarkt’
Rezension: Die Wiener Jazzszene
Stefanie Bramböcks hervorragende Diplomarbeit ist Dank eines Wissenschaftsstipendiums der Stadt Wien im deutschen Peter-Lang-Verlag in Buchform unter dem Titel „Die Wiener Jazzszene. Eine Musikszene zwischen Selbsthilfe und Institution“ erschienen. Heute Abend fand dazu die Buchpräsentation im ORF Kulturcafé statt, die ich zum Anlass nehmen möchte, das Buch ausführlich zu rezensieren.
Ross Lairds sehr detailreiches und in manchen Abschnitten vielleicht sogar Detail verliebtes Buch bietet einen guten Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung der frühen, australischen Musikindustrie. Von einer solchen kann ohnehin erst ab 1924 die Rede sein, als mit der World Record Company in Melbourne und mit Brunswick Records in Sydney die ersten Plattenpresswerke ihren Betrieb aufgenommen hatten. Davor war Australien ein reiner Exportmarkt für Tonträger gewesen, der von einer kleinen Anzahl von Vertriebsfirmen, die mit den großen europäischen und US-amerikanischen Tonträgerproduzenten kooperierten, kontrolliert wurde.
Die wenigen Zahlen, die für die Periode von 1924 bis 1934 verfügbar sind, stützen jene Aussagen, die vor dem Tariff Board 1927 von einem wirtschaftlichen Abschwung nach 1926 sprechen. Die Rezession am australischen Tonträgermarkt hat also nicht erst mit der Weltwirtschaftskrise, sondern bereits drei Jahre zuvor eingesetzt und es lohnt sich, in diesem abschließenden Teil nach den Ursachen zu forschen. Weiterlesen ‘Musikwirtschaft Australien – Die Frühgeschichte der australischen Musikindustrie (Teil 6)’
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