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Die wirtschaftliche Entwicklung der AustroMechana

Die Austro Mechana ist die Gesellschaft zur Wahrnehmung mechanisch-musikalischer Urheberrechte und nimmt treuhändig die Vervielfältigungs- und Verbreitungsrechte (auf Basis der §§ 15, 16 und 42 UrhG) auf Ton- und Bildtonträgern sowie damit in Zusammenhang stehende Vergütungsansprüche der musikalischen Urheber (Komponisten und Textautoren) und der Musikverleger wahr. Was das genau zu bedeuten hat und welche wirtschaftliche Relevanz der AustroMechana zukommt und wie sich die AustroMechana in den letzten Jahren wirtschaftlich entwicklet hat, kann nun in der Folge nachgelesen werden.

Auf Basis eines exklusiven Wahrnehmungsvertrages sammelt die AustroMechana die Lizenzgebühren

  • aus der Herstellung, Vervielfältigung und Verbreitung auf allen Arten von Tonträgern (Phono)
  • aus der Vervielfältigung und Verbreitung auf audio-visuellen Medien (wie z.B. CD-ROM, DVD, VHS-Kassette, etc.)
  • für Aufnahmen und Überspielungen zu Sendezwecken des ORF sowie aller Privatradio und Privatfernseh-Unternehmen, soweit es sich um Eigen-, Auftrags- und Koproduktionen handelt
  • für das Speichern/Überspielen auf Servern für Streamen und Downloaden sowie das Downloaden durch den Konsumenten (Online)
  • für das (entgeltliche) Vermieten von Videos oder DVD in Videotheken (Miete) sowie das Verleihen von Tonträgern und Bildtonträgern durch Bibliotheken (Leihe)
  • aus dem Vergütungsanspruch beim Verkauf unbespielter Träger für Aufnahmen/Überspielungen zum privaten Gebrauch (Leerkassettenvergütung)

für die Tantiemenbezugsberichtigten, d.s. Urheber/innen und deren Rechtsnachfolger/innen sowie die Verleger/innen. 

Die Lizenzeinnahmenentwicklung für die AustroMechana (2000-2008)

Aus den vorliegenden Geschäftsberichten der AustroMechana lässt sich nun die Entwicklung der Einnahmen sowie deren strukturelle Verschiebung, die sich durch die digitale Revolution in der Musikindustrie ergeben hat, ganz gut ablesen. So zeigt sich, dass die Vergütungen aus der Herstellung, Vervielfältigung und Verbreitung  von Tonträgern (Phono) sowohl im Inland als auch im Ausland stark sinkende Tendenzen aufweisen. Lagen die Lizenzeinnahmen aus dem Bereich Phono (Inland) Anfang des Jahrzehnts noch bei rund EUR 9,0 Mio., so sind diese 2008 auf rund EUR 5,0 Mio. gesunken. Das entspricht einem Rückgang von 43,3%. Ähnlich verhält es sich bei den Einnahmen aus den so genannten Konzernpressungen[1] -, die zwischen 2000 und 2008 von EUR 9,5 Mio. auf EUR 5,0 Mio. (48,0%) gefallen sind. Demgegenüber sind die Vergütungen für Aufnahmen und Überspielungen zu Sendezwecken im Rundfunk im gleichen Zeitraum um ca. 10,7% von EUR 6,0 Mio. auf EUR 6,6 Mio. gestiegen, womit diese Vergütungskategorie zur wichtigsten Einnahmequelle aus der Wahrnehmung mechanischer Rechte wurde. Von EUR 2,2 Mio. auf EUR 4,4 Mio. verdoppelt hat sich der auf die AustroMechana fallende Anteil an der Leerkassettenvergütung, wobei seit 2005, als noch EUR 6,4 Mio. aus diesem Titel eingehoben werden konnten, ein markanter Rückgang um 31,4% festzustellen ist. Das liegt daran, dass trotz der Ausweitung der Leerkassettenvergütung auf diverse neue Trägermedien wie MP3-Player, DVD-Festplatten-Recorder, USB-Sticks usw., der Absatz an bespielbaren Tonträgern (insbesondere CD-R und CD-RW) stark rückläufig ist und die Tarife für die neuen Trägermedien niedriger sind. Hinzu kommt, dass per oberstgerichtlichen Entscheid Computerfestplatten von einer Leerkassettenvergütungspflicht ausgenommen wurden (OGH-Urteil vom 12.07.2005).

Die Vergütungen aus der Vervielfältigung und Verbreitung auf audio-visuellen Medien (audiovisuelle Produktionen) haben sich allein zwischen 2007 und 2008 von EUR 0,56 Mio. auf rund EUR 1,0 Mio. fast verdoppelt und sind gegenüber dem Jahr 2000 um 360% gestiegen. Auch andere Lizenzgebühren sind zwischen 2000 und 2008 um das 2,4fache angestiegen und machen rund EUR 1,0 Mio. aus. Am stärksten aber sind die Zuwächse im Online-Bereich, der 2000 lediglich EUR 37.500 an Einnahmen erbracht hat und 2008 auf EUR 867.000 angestiegen ist. Trotz dieser Zuwächse stammen 2008 aber trotzdem nur 3,1% der Einnahmen aus der Online-Vergütung, wobei eine fallende Tendenz durch kommerzielle Flatrate-Modelle und User generated Content-Angebote festzustellen ist (siehe AustroMechana Report 14. Ausgabe, 1/2009, S. 2),

Rechnet man nun zu den aus dem Inland fließenden Einnahmen, die oben bereits angesprochenen Einnahmen aus den Konzernpressungen sowie die Abrechnung aus dem Ausland an die Bezugsberechtigten und die kleinen Positionen „Miete/Leihe“ sowie „Deutsche Werbefenster in Österreich“ hinzu, so ergibt sich unterm Strich ein Einnahmenrückgang von 2000 auf 2008 um 11,4% von EUR 31,3 Mio. auf EUR 27,8 Mio. Damit lässt sich auch zahlenmäßig der Umbruch in der Verwertung von Musik belegen, der sich darin manifestiert, dass der Einnahmenrückgang aus dem Tonträgerbereich nicht durch die Zuwächse bei den Neuen Medien kompensiert werden kann.

Abbildung 1: Die Entwicklung der Lizenzeinnahmen für die AustroMechana 2000-2008 (Quelle: AustroMechana Reports Jg. 7 bis 14.)

 

Die Verteilung der Einnahmen auf die Bezugsberechtigten

Damit fallen auch die Ausschüttungen an die Bezugsberechtigten geringer, wobei  interessante Verschiebungen festzustellen sind. So ist nämlich die Zahl der Urheber/innen, die weniger als EUR 1.000 pro Jahr an Ausschüttungen erhalten von 6.405 im Jahr 2001 auf 9.993 im Jahr 2008 stark gestiegen, wohingegen in allen anderen Auszahlungskategorien ein Rückgang der Zahl der Begünstigten festzustellen ist. Der Anteil der Bezugsbegünstigten, die weniger als EUR 1.000 pro Jahr erhielten, ist somit von 84,8% (2001) auf 92,5% (2008) gestiegen. Die Ursache liegt wohl darin, dass von neu hinzu gekommenen Vergütungsansprüchen immer mehr Urheber/innen profitieren, aber aufgrund sinkender Lizenzeinnahmen, geringerer Tarife für die Nutzung neuer Medien und eine breitere Streuung der Begünstigten die Einnahmen pro Kopf sinken.

Abbildung 2: Die Entwicklung der Zahl der begünstigten Urheber/innen und deren Rechtsnachfolger/innen nach Auszahlungskategorie (Quelle: AustroMechana Reports 2002/1 bis 2009/1)

 

Ein Trend, der sich auch bei den Verleger/innen beobachten lässt. Lag der Anteil derjenigen Verleger/innen, die 2001 weniger als EUR 1.000 an Ausschüttungen erhielten noch bei rund 50%, so stiegt deren Anteil 2008 auf 64,7% an. Darin manifestiert sich zum einen darin, dass die Markteintrittsbarrieren in das Musikverlagssegment gesunken sind und zum anderen lässt sich der Trend zur verstärkten Selbstständigkeit der Urheber/innen ablesen, die nicht nur ihr eigenes Label, sondern auch gleich einen Verlag gründen.

Abbildung 3: Die Entwicklung der Zahl der begünstigten Verleger/innen und deren nach Auszahlungskategorie (Quelle: AustroMechana Reports 2002/1 bis 2009/1)

Die AustroMechana als Solidargemeinschaft: Der SKE-Fonds

Die sinkenden Einnahmen aus dem Anteil der Leerkassettenvergütung, der auf die AustroMechana entfällt, führt auch dazu, dass der Fonds der sozialen und kulturellen Einrichtungen (kurz SKE-Fonds) ebenfalls weniger Auszahlungen tätigen kann. Während 2005 mit EUR 17,6 Mio. der Spitzenwert aus der Leerkassettenvergütung  eingenommen werden konnte, so waren es 2008 nur mehr EUR 13,2 Mio., was einem Rückgang von genau einem Viertel entspricht. Von diesem Betrag floss rund ein Drittel oder EUR 4,4 Mio. an die AustroMechana, die 49% an die Begünstigten entsprechend ihres zurechenbaren Anteils ausgeschüttet erhielten und die restlichen 51% oder EUR 2,2 Mio. kamen dem SKE-Fonds für das Jahr 2009 zugute. Dieser Fonds folgt dem Gedanken der Verwertungsgesellschaften als Solidargemeinschaften, in denen die wirtschaftlich erfolgreichen Mitglieder die weniger erfolgeichen unterstützen und einen Beitrag zur Kulturförderung leisten.

Im Sinn des Verwertungsgesellschaftengesetz (§ 13 VerwGesG i.d.g.F.) wurde bei der AustroMechana der SKE-Fonds eingerichtet, der gemäß der vom Vorstand der AustroMechana gefassten Richtlinien im Rahmen seiner sozialen Funktion Zuschüsse zur Existenzsicherung im Alter, bei außerordentlicher Belastung, zur Krankenversicherung zur Pensionsversicherung, einen Altersausgleich für Urheber bis hin zu Alterspensionen für Urheber/innen und Musikverleger/innen leisten kann. Der kulturelle Aspekt des SKE-Fonds besteht in der allgemeinen Förderung z.B. von Publikationen, Maßnahmen zur Pirateriebekämpfung, Gutachten, Grundlagenforschung, statistische Aufbereitungen, in der Förderung von Projekten wie z.B. Musikproduktionen, Aufführungsförderungen, Kompositionsförderungen, Kleinlabelförderungen und die Förderung von Organisationen, die wirtschaftliche und/oder künstlerische Interessen der Bezugsberechtigten vertreten.

Die jährlichen Berichte des SKE-Fonds geben darüber Aufschluss, wie die Mittel verwendet werden. So wurde 2008 ein Anteil von 52,8% oder EUR 1,1 Mio. an kulturellen Förderungen ausgeschüttet, 39,3% oder EUR 0,82 Mio. stellten soziale Zuschüsse dar und 7,9% oder EUR 0,16 Mio. gingen in den Verwaltungsaufwand. Interessant ist, dass sich das Verhältnis von sozialen und kulturellen Zuschüssen im Verlauf der letzten Jahre umgedreht hat. So wurden 2001 noch 52,1% für soziale Zuschüssen und 36,5% für kulturelle Förderungen ausbezahlt. Und der Verwaltungsanteil lag auch anteilsmäßig mit 11,4% auch höher.

Bei den sozialen Zuschüssen stellen die Pensionszahlungen, die Mitgliedern ab dem vollendeten 60. Lebensjahr zuerkannt werden können, den größten Posten dar. So erhielten 2008 insgesamt 111 Urheber/innen EUR 615.836 an Altersversorgung (durchschnittlich EUR 5.548 pro Kopf). Weiters flossen an 16 Musikverleger/innen EUR 109.524 (durchschnittlich EUR 6.845 pro Kopf) an Pensionszahlungen im Jahr. Die restlichen 11,3% an sozialen Zuschüssen entfallen auf Versicherungszuschüsse sowie auf Zuschüsse für die Existenzsicherung und bei außerordentlicher Belastung.

Bei den kulturellen Förderungen liegen die Auszahlungsbeträge, abgesehen vom Beitrag zum Österreichischen Musikfonds in der Höhe von EUR 40.000, in einer Spanne von EUR 500 bis 10.000. Am stärksten fielen 2008 Projekte und Organisationen der Unterhaltungsmusik mit einer Gesamtfördersumme von EUR 717.250 ins Gewicht. Projekte und Organisationen der ernsten Musik erhielten EUR 318.325 und die allgemeinen Förderungen beliefen sich auf EUR 63.950. Im Jahresvergleich zeigt sich aber, dass das Fördervolumen für den Unterhaltungsmusikbereich stark zugenommen hat, wesentlich stärker jedenfalls als jenes für die ernste Musik. 2001 wurden für Projekte und Organisationen der Unterhaltungsmusik lediglich EUR 222.379 ausgeschüttet, wohingegen die ernste Musik EUR 150.266 bekam. Damit ist die Förderung ernster Musik von 2001 auf 2008 um das 2,1fache, aber jene für die Unterhaltungsmusik um das 3,2fache gestiegen. Der Zuwachs um das fast 3fache bei den allgemeinen Förderungen ist fast ausschließlich auf den SKE-Beitrag für den Österreichischen Musikfonds, der in der Zwischenzeit etabliert wurde, zurück zu führen.

Zusammenfassend kann für den SKE-Fonds konstatiert werden, dass es bei über die Jahre hinweg gesunkenen Mitteln, eine Umschichtung von den sozialen Zuschüssen zu den kulturellen Förderungen stattgefunden hat, wobei die finanzielle Unterstützung von Projekten wie auch Organisationen der Unterhaltungsmusik stärker forciert wurde als jene der so genannten ernsten Musik.

Schlussbetrachtung

Die zahlenmäßigen Fakten belegen, dass die AustroMechana voll vom strukturellen Wandel der Musikindustrie getroffen wird. Die abnehmende wirtschaftliche Relevanz des Tonträgers schlägt sich markant in sinkenden Lizenzeinnahmen aus der Herstellung, Vervielfältigung und Verbreitung von Tonträgern nieder. Zwar weisen neue Nutzungsformen, vor allem im Onlinebereich, ein starkes Einnahmenwachstum auf, das aber die Rückgänge im Tonträgersegment bei weitem nicht wettmachen kann. So sinken über die Jahre hinweg die Lizenzeinnahmen, die aus den mechanischen Rechten der Urheber/innen und Verleger/innen fließen, wodurch auch weniger an die einzelne Tantiemmenbezugsberechtigte ausgeschüttet werden kann. Deren Zahl ist durch niedrigere Marktzustrittsbarrieren und technologische Innovationen zudem angestiegen, womit auch das Tantiemenaufkommen pro Kopf rückläufig ist. Darüber hinaus sind auch die zu verteilenden Mittel aus der Leerkassettenvergütung trotz Ausweitung der Nutzungsarten weniger geworden, was sich wiederum im einem geringeren Fördervolumen des SKE-Fonds niederschlägt und dort zu entsprechenden Umschichtungen und strukturellen Anpassungen führt. Insgesamt ist also die AustroMechana einem starken Wandlungsdruck ausgesetzt, der eine strategische Neuausrichtung unvermeidbar erscheinen lässt.

Quellen:

AustoMechana Reports Jg. 7 bis 14

Berichte über die sozialen und kulturellen Einrichtungen (SKE-Fonds) für die Geschäftsjahre 2001-2008.

Leeb, Leonhard, 2009, Der Wert künstlerischer Arbeit. Urheberrecht, Rechtewahrnehmung und Administration durch Verwertungsgesellschaften. Wien: facultas.

OGH-Urteil vom 12. Juli 2005 zur Leerkassettenvergütung. Geschäftszahl 4Ob115/05yl


[1] Unter Konzernpressungen sind die Lizenzgebühren aus Verkäufen der Musik-Majors in Österreich gemeint, die von anderen europäischen Verwertungsgesellschaften eingehoben und von der AustroMechana lediglich an die Bezugsberechtigten verteilt werden.

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