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Michael Jackson, King of Pop 1958-2009 – In memoriam

Am 25. Juni verstarb mit Michael Jackson jener Musiker, der emblematisch für den Superstar-Pop der 1980er und 1990er Jahr stand. Jackson prägte nicht nur die Musik für eine gesamte Pop-Generation, sondern er repräsentierte quasi ein Geschäftsmodell, das gerade in den letzten Jahren in Auflösung begriffen ist. Das ist von großer Symbolkraft und das Ableben der “King of Pop” markiert somit in vielerlei Hinsicht das Ende einer Ära.

Ralph Wunsch, der Gastautor dieses Beitrags und ein Michael Jackson Kenner,  versucht gerade die wirtschaftlichen Aspekte der Superstar-Ikone und des Geschäftsmannes zu beleuchten, ohne dabei die Persönlichkeit des Musikers aus den Augen zu verlieren.

Gastbeitrag von Ralph Wunschprofile_header

Seit er 5 Jahre alt war, stand er auf der Bühne und erlangte den Bekanntheitsgrad seiner erwachsenen Zeitgenossen. In seinen Interviews gab er wiederholt preis, dass er keine normale Kindheit hatte, keine normale Jugend. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit, zwischen zermürbenden Proben und spektakulären „Jackson 5“-Aufführungen, erlebte Michael Jackson einen Lebensabschnitt, den er mit vielen Rekorden, aber eben auch Entbehrungen durchschreiten musste. Keine Geburtstage, kein Weihnachten, kein Spielen im Park mit anderen Kindern.

Für ihn waren Kinder später seine musikalische Inspiration. Er kaufte die Neverland-Ranch für $17 Mio. in 1987 und wandelte seine Träume und Phantasien in die Realität um, erschuf sein „Neverland“, in dem bedürftige Kinder die Möglichkeit haben sollten, jenen Spaß zu haben, den er nie hatte. Riesenräder, Autodrome, Basketballplätze, eine eigene Kartrennbahn, ein Zoo, eine Eisenbahn, die rund um die Ranch fährt, mitsamt eigener Ein- und Ausstiegsstation: Nichts war für Michael Jackson unmöglich, kein Traum war für ihn unerreichbar. Er, als erfolgreichster Künstler aller Zeiten, musste sich um finanzielle Angelegenheiten nie Sorgen machen.

Mit einem $890 Mio. Plattenvertrag, den er 1991 mit Sony abschloss, und davor der Kauf sämtlicher Rechte an den Beatles-Songs im Rahmen der Akquisition der Musik-Publishing Firma ATV für $47,5 Mio. in 1985, galt Michael Jackson seit jeher als unangefochtener Showbiz-Star und Mann des großen Geldes. Nach dem Merger ATVs mit Sony in 1995 wurde die Firma in Sony/ATV Music Publishing umbenannt und war fortan die Nummer 3 in seinem Feld. Neuen Schätzungen zufolge hat der Song-Katalog der Firma einen Wert von $2 Mrd. und generiert $80 Mio. Gewinn pro Jahr. Obwohl im Zusammenhang mit dem King of Pop oftmals nur seine Rechte an den Beatles-Songs erwähnt werden, befinden sich auch fast alle anderen Stars im Sony/ATV-Katalog: Eminem, Shakira, 50 Cent, Backstreet Boys, Bon Jovi, George Michael, Jennifer Lopez, Jay Z, Lady Gaga, Mariah Carey, Oasis, R. Kelly, Westlife, etc. trugen maßgeblich zum Einkommen der Ikone bei.

Michael Jackson wurde zu seinen Lebzeiten als versierter Geschäftsmann von seinen Partnern bezeichnet, der bedacht und gewissenhaft vorging. Michael Bandier, Chairman & CEO Sony/ATV Music Publishing:

“Michael was the kind of amazing talent that comes along once in a lifetime. He was an incredible recording artist, an insightful businessman, an unmatched performer, and a true icon. To all of us at Sony/ATV Music Publishing, he was also a trusted and passionate partner, who was very proud of our accomplishments. He will be dearly missed. We wish his children and entire family our deepest condolences.”

Aktuellsten Berichten zufolge wird sein Vermögen/Nachlass nun auf über $500.000.000 geschätzt. Die Nachfrage für seine Alben und Songs nach seinem Ableben ist nun größer als bei Elvis, er belegt mit all seinen Alben die ersten 9 Ränge in den aktuellen US Billboard Catalogue Album Top 10 Charts, wobei sich gleich drei Alben über 100,000 Mal verkauften, was alles in allem noch nie jemandem zuvor gelungen war und auf der Billboard-Website als weiterer Rekordbruch für Michael Jackson bezeichnet wird. Weltweit ist Michael Jackson in den iTunes- und Amazon-Charts in jedem einzelnen Land auf Platz eins und belegt in vielen Fällen gleich die Top 15 Plätze mit diversen Werken aus seinem Leben. In Großbritannien z.B. feiert er mit „Number Ones“ wieder seine erste #1-Platzierung seit 6 Jahren.

Er hätte all das auch gar nicht mehr nötig gehabt. Als erfolgreichster Musikkünstler in der Geschichte der Musik, wie ihn MTV nun bezeichnet, feierte er bereits mit 25 Jahren einen Traum, den sich wohl nie wieder jemand zu träumen wagen traut: 104 Millionen verkaufte CDs von Thriller machten ihn 1983 zum berühmtesten Popstar auf der ganzen Welt. Mit Bad, Dangerous, HIStory und Invincible stellte der King of Pop abermals Rekorde auf und lieferte Konzerte ab, die die Welt noch nicht gesehen hatte. Niemand singt wie Michael Jackson, niemand liefert so eine Performance ab, niemand kann so eine Bühnenpräsenz wie er bieten, wissen seine Freunde wie Madonna, Beyoncé, Justin Timberlake oder Usher einstimmig zu berichten.

Meine erste Erinnerung an Michael Jackson ist die Live-Übertragung eines seiner Konzerte in den frühen 90er Jahren. Für mich war er anfangs ein Mysterium, das sich am Bildschirm scheinbar schwerelos über die Bühne bewegt, Roboter-artige Bewegungen durchführt und das alles auch noch im Takt. Seine Musikvideos wurden zu der Zeit in der ORF-Sendung „Wurlitzer“ auf und ab gespielt, „Heal the World“ stand hier regelmäßig am Programm und war der erste Michael Jackson-Song, mit dem ich vertraut gemacht wurde.

Unter uns Kindern waren zu dieser Zeit übrigens Freundschaftsbücher ziemlich beliebt, dort wo Freunde Einträge zu ihrer Person machen konnten. Immer wieder ein lustiges Erlebnis, wenn man diese Büchlein heutzutage wieder heraus gräbt. Ich wusste damals nämlich nicht, wen ich unter „Mein Idol“ eintragen sollte. Nach kurzen Überlegungen dazu, wer nun der coolste Typ auf Erden sei, fiel mir als 8-Jähriger einfach niemand geringerer als Michael Jackson ein. Die PR-Maschinerie hatte gewirkt. Er war einfach omnipräsent. Es folgte die Übertragung seines einzigartigen Auftritts bei „Wetten Dass …“, bis sich Michael Jackson Zeit für das Familienleben, in speziellem seine Kinder, nahm. 2001 wurde es abermals laut um Michael, in Ö3 wurde verkündet, dass eine Release-Party zu seinem neune Album „Invincible“, auf Deutsch „unbesiegbar“, im Gerngross auf der Mariahilferstraße stattfinden würde. Mit meinen jungen 15 Jahren war ich pünktlich zum hektischen Mitternachtsverkauf anwesend, von dem sich der Track #2, „Heartbreaker“, bis heute in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Einfach deswegen, da er der erste war, den ich hörte, als ich die Location betrat, auf der ein Ö3-DJ die neuen MJ-Tracks abspielte. Die letzte Nummer 1 Platzierung feierte Michael Jackson in Österreich am 29. August 2008, zur Veröffentlichung seines Best-Of-Albums „King of Pop“, das hierzulande innerhalb kürzester Zeit Gold-Status erreichte.

Quincy Jones, Diana Ross, Cher, Stevie Wonder, P. Diddy, Lenny Kravitz, Timbaland, Usher, Mariah Carey, Ne-Yo, Akon, Will.I.Am – sie alle berichteten stets begeistert darüber, welch einzigartige, leicht zugängliche und höchst kreative Person Michael Jackson gewesen war und wie inspirierend es war, mit ihm zusammen zu arbeiten. Auch andere Stars waren von Treffen mit dem King of Pop stets verzaubert, wie etwa Prinzessin Diana, Steven Spielberg oder Oprah. In seinen letzten Jahren verbrachte er seine Zeit mit Songproduktionen, Singen, Tanzen und vor allem mit seinen 3 Kindern. In den letzten Monaten standen Proben und viel Training auf dem Programm, denn die 50 Termine in London im Rahmen seiner „This Is It“-Konzertserie sollten in die Geschichte eingehen.

Dies gelang dem Weltstar auch, 700.000 Konzerttickets waren innerhalb von 4 Stunden ausverkauft, genug um zur am schnellsten ausverkaufte Konzertserie in der Geschichte des Konzertbusiness avancieren. Spektakuläre, nie da gewesene 3D-Effekte hätten das Bühnenbild ergänzen sollen, die besten Tänzer der Welt hätten mit Michael auf der Bühne performt, er hätte alle seine Hits noch ein letztes Mal preisgeben wollen. Nun hat auch Madonna preisgegeben, dass sie an einem der Termine eine Überraschungsperformance mit ihrem engen Freund Michael Jackson aufgeführt hätte. Ebenso hätten 300.000 Swarowski-Kristalle dem Bühnenbild einzigartige Atmosphäre verleihen und diverse Bühnenmagier für Illusionseffekte sorgen, die der King of Pop schon seit seiner Kindheit so geliebt hatte. Auch gigantische Spinnenroboter während der „Thriller“-Performance und ein großes, brennendes Bett zu „Dirty Diana“ hätten für Furore auf der Bühne sorgen sollen. „This Is It“, mit historischen Produktionskosten von $20 Mio., hätte neue Maßstäbe setzen sollen, wofür der King of Pop seit jeher bekannt war.

Michael Jackson dachte stets einen Schritt voraus. Er erschuf unvergessliche Klangwelten für die Massen, tanzte den beispiellosen Moonwalk und lebte einen einzigartigen Traum von der Wirklichkeit, zwischen Neverland, der Bühne und seinem ständigen inneren Drang, die Welt zu heilen. Rest in peace.

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5 Responses to “Michael Jackson, King of Pop 1958-2009 – In memoriam”


  1. 1 gonci
    20. März 2012 um 12:23 nachmittags

    er war ein toller musiker( i love michael jackson) seine musik ist die beste!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. 2 Sandra
    6. Juli 2009 um 9:02 vormittags

    Michael we love you….. Ich hoffe dir geht’s gut, wo immer du jetzt auch bist….:)

    gone too soon….

  3. 3 Andreas
    5. Juli 2009 um 3:06 nachmittags

    Wow, super Gastbeitrag. Ich kann den Autor verstehen, ich erlebte meine Kindheit in den 90er Jahren auch mit Michael Jackson als bekanntesten Menschen und Superstar auf der ganzen Welt. Meine Lieblingsvideos sind You Rock My World (vom Album Invincible, im Musikvideo sind ja die Superstars Marlon Brando, Chris Tucker und Michael Madsen als Gangster mit dabei… In welchem Musikvideo gibts das sonst?)…

    dann You Are Not Alone mit Lisa Marie Presley…

    Bad mit Wesley Snipes…

    Remember the Time mit Eddie Murphy und Supermodel Iman…

    aber mein absoluter Lieblingssong ist Beat It, wo ja Eddie Van Halen sein Gitarrensolo aus Bewunderung zu Michael Jackson gratis beigesteuert hat… Es gibt kein genialeres Cross-Over als das von Michael Jackson als King of Pop und Eddie Van Halen (damals) King of Rock…

    Wobei ich sagen muss, dass Black or White mit Gitarristen Slash von Guns ‘n Roses auch geniales Genre-Cross-Over ist…

    R.I.P. Michael Jackson, the King of Pop!

    P.S. seine Trauerfeier wird am Dienstag ab 18 Uhr live im ORF gesendet! Medienberichten zufolge werden bis zu 1 Milliarde zuseher erwartet… :)

  4. 4 Michael Huber
    3. Juli 2009 um 12:46 nachmittags

    Schade, dass die angekündigte Behandlung des Superstar-Geschäftsmodells in diesem Nachruf ein bisschen zu kurz kommt. Bedingungen, Möglichkeiten, Risiken, Chancen: da gäbe es wohl einiges zu diskutieren. Wäre vielleicht einmal ein Thema für den jour fixe.

  5. 5 J. Branca
    3. Juli 2009 um 9:20 vormittags

    „104 Millionen verkaufte CDs von Thriller machten ihn 1983 zum berühmtesten Popstar auf der ganzen Welt“
    Die häufig genannten Zahl von rund 100 Millionen verkaufter Alben bezieht sich auf alle Solo-Alben, die Jackson bis zu seinem Tod verkaufte, nicht nur auf Thriller. Von Thriller wurden bis Mitte 2008 um die 60 Millionen Einheiten (davon 28,7 Mio. in den USA) verkauft. Übrigens: 1983 wurden kaum CDs, sondern Vinyl-Alben und MCs (MusiCassetten) verkauft.

    „Mit Bad, Dangerous, HIStory und Invincible stellte der King of Pop abermals Rekorde auf“
    Welche?

    „Mit einem $890 Mio. Plattenvertrag, den er 1991 mit Sony abschloss“
    Hat Jackson tatsächlich 890 Millionen Dollar erhalten, verteilt über die gesamet Laufzeit des Vertrages (wieviele Jahre?), oder handelt es sich bei der Summe um einen zu PR-Zwecken verbreiteten Maximalbetrag, der bestenfalls unter optimalen Bedingungen (welche?) erreicht werden konnte und der in der Realität nicht einmal annähernd erreicht wurde?

    „Er, als erfolgreichster Künstler aller Zeiten, musste sich um finanzielle Angelegenheiten nie Sorgen machen“ (…) Aktuellsten Berichten zufolge wird sein Vermögen/Nachlass nun auf über $500.000.000 geschätzt.“
    Zu seinem Vermögen/Nachlass gehören nicht nur Werte wie die Sony/ATV-Beteiligung, sondern auch Schulden, die ebenfalls auf bis zu 500 Millionen Dollar geschätzt werden. Warum erhielt Jackson wiederholt Kredite von Sony, wie waren diese abgesichert? Machte Jackson nicht seit Jahren mehr Schlagzeilen mit seinen Ausgaben, Schulden, Umschuldungsaktionen als mit seiner Musik?

    „Neuen Schätzungen zufolge hat der Song-Katalog der Firma einen Wert von $2 Mrd. und generiert $80 Mio. Gewinn pro Jahr“.
    Nach neuesten Schätzungen (vgl. http://www.time.com/time/0,8816,1908185,00.html) erzielt Sony/ATV jährliche Einnahmen von 500 Millionen Dollar. Da dürfte der „Gewinn“ deutlich über 80 Millionen Dollar liegen.


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